350  Behandlung  der  Brüste.

in  solchem  Falle  heftige  Beschwerden.  Das  Kind  ist  entweder  durch  Krankheit
  zum  Saugen  unfähig  geworden  oder  aber  es  ist  gleich  nach  der  Geburt
gestorben.  Begreiflicherweise  wird  man  hier  das  umgekehrte  Verfahren  einschlagen,
  d.  h.  man  wird  die  Nahrungsaufnahme  der  Wöchnerin  vermindern
und  Flüssigkeiten  ganz  vermeiden.  Auf  diese  Weise  lassen  sich  die  Beschwerden
  oft  auf  Stunden  beschränken,  wo  sie  sonst  Tage  lang  dauern.
Man  gibt  dann  als  Nahrung  nur  Zwieback,  Apfel,  auch  Kirschen,  eine  dicke
Hafersuppe,  aber  keine  flüssigen  Suppen.  Bei  großer  Spannung  und  Hitze
der  Brüste  macht  man  auch  mit  Vorteil  warme  Aufschläge,  welche  die  Auf-Fig.

  205.  Richtige  Haltung  der  Mutter  beim  Stillen.

saugung  der  Milch  befördern  helfen.  Wird  gleichzeitig  durch  kalte  Leibaufschläge
(siehe  III.  Teil  „Heilkunde“  unter  Buchstabe  L)  ableitend  gewirkt,  und  war  schon
vor  der  Entbindung  für  Entleerung  des  Darmes  gesorgt  worden,  so  wird  man
sehr  raschen  Ersolg  haben.  Hier  sei  auch  noch  erwähnt,  daß  die  Ablehnung  der
mütterlichen  Brust  seitens  des  Säuglings  —  ein  zwar  seltener  aber  doch  vorkommender
  Fall  —  sofort  der  ärztlichen  Begutachtung  unterzogen  werden  soll,
bevor  man  sich  zu  milchvertreibenden  Maßnahmen  entschließt.  Es  kann  fehlerhafte
Warzenbildung  ebenso  vorliegen,  wie  Krankheit  des  Säuglings.  Bis  Klarheit
  der  Verhältnisse  eingetreten  ist,  kann  man  bei  hartnäckigem  Verweigern
der  Brust  seitens  des  Kindes  die  Milch  mit  dem  Saugapparat  aus  den