352  Behandlung  der  Briüste.

möglicht,  oder  die  Anwendung  des  „Brusttuches“  (siehe  Fig.  203  und  204)
vermindert  es  sofort;  auch  hänfige  kühle  Waschungen  sind  zu  empfehlen.
Warme  Getränke  vermeide  man  in  solchen  Fällen,  denn  dieselben  vermehren
das  übel.  Es  kann  sich  bei  Schwäche  der  Milchgänge  so  steigern,  daß
große  Milchmengen  ablaufen  und  das  Kind  zu  wenig  Nahrung  findet.  In
solchen  Fällen  müssen  die  Brüste  sowohl  wie  der  ganze  Mensch  behandelt
werden,  bevor  eine  neue  Schwangerschaft  beginnt;  dann  kann  sich  auch
dieser  Schwächezustand  bessern.

Ein  weiteres  und  zwar  schmerzhaftes  übel  ist  das  Wundwerden  der
Warzen.  Kräftige  Kinder  fassen  dieselben  sehr  energisch  an;  ist  die  Warzenhaut
  zu  zart,  dann  reißt  sie  schon  in  den  ersten  Tagen  ein,  und  es  entstehen
blutige  Einrisse,  die  heftige  Schmerzen  verursachen,  so  oft  das  Kind  sie  faßt.
Auch  die  Ausheilung  geht  nur  langsam  von  statten,  weil  man  die  spannende
und  übervolle  Brust  kaum  länger  als  zwölf  Stunden  unbenützt  lassen  kann.
Die  Behandlung  besteht  darin,  daß  man  Läppchen  feucht  von  etwa  30°%  C.
Temperatur  auflegt  und  oft  wechselt,  worauf  die  stechenden  Schmerzen  schnell
verschwinden,  dann  aber  die  wunde  Warze  vor  jeder  Berührung  und  Reibung,
behütet.  Das  geschieht  am  besten  durch  Auflegen  halber  Nußschalen,  welche
die  Warze  vollständig  abschließen  (siehe  Fig.  322).  Laue  Waschungen  und
darnach  Einölung  mit  Mandelöl  wirken  gleichfalls  sehr  gut.  Damit  die  Brust
in  ihrer  Milchfülle  nicht  zurückgeht,  darf  man  sie  nicht  tagelang  ruhen  lassen;
die  Mutter  muß  im  Interesse  des  Kindes  also  ihre  Schmerzen  tapfer  ertragen.
und  trotz  ungeheilter  Wundstellen  das  Kind  immer  wieder  anlegen.  Allmählich
werden  sie  bei  solcher  Pflege  widerstandsfähiger  und  heilen  aus.  Auch  zweiprozentige
  Borsäurelösung  wird  gerne  kühl  aufgelegt.  Damit  aber  diese
Wunden  nicht  entstehen  können,  soll  jede  Frau  lange  vor  der  Entbindung  die
Warzen  reiben  und  zupfen,  täglich  baden  und  öfters  einölen,  und  wenn  sie
nicht  ein  besonders  zart  behäutetes  Geschöpf  ist,  dann  wird  sie  die  schmerzhaften
  Einrisse  nicht  bekommen.

Abszeßbildung  in  den  Brüsten,  meist  im  Anschluß  an  Warzeneinrisse,
ist  nicht  ganz  selten.  Zu  wenig  sorgfältige  Reinlichkeit  in  der  Pflege  der
Brüste,  Neigung  zu  Eiterungen  sind  die  gewöhnlichen  Ursachen.  Das  Schlimmste
bei  dieser  Erkrankung  ist,  daß  das  Kind  dadurch  fast  immer  seine  Nahrungsquelle
  einbüßt;  denn  meist  tritt  dann  erst  Heilung  ein,  wenn  die  Reizungen,
welche  das  Säugungsgeschäft  mit  sich  bringen,  nicht  mehr  mitwirken.  Da
zärtliche  Mütter  trotz  Schmerzen  und  Beschwerden  das  Kind  nicht  vorzeitig
der  Brust  entwöhnen  wollen,  um  es  in  seiner  körperlichen  Entwicklung  nicht
zu  hemmen,  so  dauern  solche  Eiterungen  der  Brüste  oft  viele  Monate  lang
und  greifen  schließlich  auch  die  Gesundheit  der  Mutter  an.  Kranke  Brüste
müssen  nach  Fig.  203  aufgebunden  werden.  Sorgfältige  ärztliche  Leitung,
auch  operative  Eingriffe,  wenn  Fieber  und  Schlaflosigkeit  zu  angreifend
werden,  sind  unerläßlich.  Bei  guter  Allgemeinbehandlung  aber  (ableitenden