Erste  Pflege  des  Neugeborenen.  359

da,  nachdem  es  den  warmen  Mutterleib  verlassen  hat,  wird  dann  noch  in
Wasser  gelegt,  das  ihm  gleichfalls  Wärme  entzieht,  in  kühle,  weiße  Kleidchen
gesteckt,  in  ein  frisches  Bettchen  gelegt,  ach,  und  nun  hat  das  kleine  Menschlein
blaue,  kalte  Fäustchen,  kalte  Beinchen  und  macht  ein  so  jämmerliches  Gesicht.
Es  fann  den  Wärmeverlust  aus  eigener  Kraft  nicht  decken;  es  friert,  es
leidet,  es  kann  sich  an  den  jähen  Wechsel  von  der  schönen  Wärme  in  seinem
engen  Häuschen  dort  und  der  rauhen  Kälte  da  draußen  in  der  großen  Welt
nicht  gewöhnen,  und  da  sagt  so  manches:  „Adieu,  schöne  Welt!“  und  geht
dorthin,  von  wo  es  keine  Wiederkehr  gibt.  Also  Wärme  den  kleinen  Ge—
schöpfen  zuführen,  Wärme,  ohne  welche  sie  nicht  leben  und  nicht  gedeihen  können.

Wie  machen  es  die  Säugetiere?  Sie  wärmen  ihre  Jungen  an  ihrem
Körper.  Wie  machen  es  die  Vögel?  Sie  wärmen  ihre  gleichfalls  nackten
Jungen  an  ihrem  Körper  und
mit  ihren  Federn.  Nur  der
Mensch  legt  sein  Kind  weg
und  läßt  es  frieren!

Man  vermeide  dies  und
lege  das  gereinigte  Kind  so
bald  als  möglich  der  Mutter
in  den  Arm.  Wohltuenden
Schlaf  und  belebende  Wärme
werden  beide  in  süßem  Zu—
sammensein  genießen,  und  keine
Kälte  wird  das  Gedeihen  des
kleinen  Wesens  stören.  Nur  eine
kranke,  sehr  geschwächte  Mutter
bedarf  der  Ruhe  und  soll  durch  Fig.  210.  Das  Abnabeln.  Nach  Platen  —
das  Kind  nicht  gestört  werden.

In  solchem  Falle  wärme  man  sein  Bettchen  aus  und  lege  eine  Wäcmeflasche
unter  das  Kind,  damit  es  nicht  allzusehr  die  mütterliche  Wärme  entbehre.  Besser
ist  es  noch,  der  Vater  oder  die  Großmutter  nehmen  es  nachts  an  die  warme
eigene  Brust,  wenn  die  Mutter  schonungsbedürftig  ist.  Beginnt  es,  gewöhnlich
nach  24  Stunden,  an  der  Brust  zu  trinken,  dann  erfolgt  auch  jedesmal  eine
vollständige  Erwärmung,  und  tief  und  füß  ist  sein  Schlaf  an  der  Mutterbrust.
Diesen  Genuß,  dieses  Glück  entziehe  man  dem  Kinde  nicht!  Was  die  Mutter
Gutes  und  Schönes  für  das  Kind  besitzt,  das  gebe  sie  ihm  ungeschmälert,  denn
dem  neuen  Menschen  zu  leben  ist  sie  da;  sein  Gedeihen  zu  fördern,  dazu  ist  sie
von  der  Natur  reich  ausgestattet  worden.  Darum  wärme  sie  es  auch  an  der
eigenen  Brust  und  sehe  immer  nach,  ob  es  kalte  Händchen  oder  Füßchen  hat,
welche  seine  Verdauung  stören,  sein  Behagen  rauben.  Kommt  die  Milch  vielleicht
etwas  zu  langsam  in  die  Brust,  dann  lege  man  das  Kind  öfters  au,  damit  es
durch  sein  Saugen  die  Drüsenlätigkeit  anrege.  Warme  Getränke,  reichlicher