362  Erste  Pflege  des  Neugeborenen.

Bekannt  ist  die  große  Sterblichkeit  der  Säuglinge  und  ebenso,  daß  die
künstliche  Ernährung  hauptsächlich  dazu  beiträgt,  sie  zu  erhöhen.  Viele  leichtsinnige,
  unverständige  und  verweichlichte  Frauen  haben  daher  den  Tod  ihres
Kindes  auf  dem  Gewissen,  weil  sie  ihm  ohne  wirkliche  Notwendigkeit  (Krankheit!)
seine  natürliche  Nahrung  entzogen  und  ihm  die  Brust  nicht  gaben.  Folgende
Zahlen  beweisen  dies  schlagend.  Nach  einer  katholischen  Zeitschrift  starben
in  Baden  von  1000  Christenkindern  270  im  ersten  Jahr,  dagegen  nur
181  Judenkinder.  In  München  starben  unter  1000  Kindern  68  Christen  und
unr  15  Israeliten.  Und  warum  diese  Unterschiede?  Weil  die  jüdischen
Frauen  nur  in  Fällen  dringender  Not  sich  abhalten  lassen,  ihre  Kinder  selbst
zu  stillen,  während  die  Christenmütter  Geschäftsrücksichten,  Bequemlichkeit,
Eitelkeit  usw.  für  wichtiger  halten  als  die  naturgemäße  Pflege  des  Säuglings.

Möchten  alle  Mütter  diese  Zahlen  beherzigen!

Auch  Luft  und  Licht  spielen  im
Leben  des  Neugeborenen  eine  große  Rolle;
in  den  Wochenstuben  wird  oft  darüber
gestritten,  ob  man  sie  ihm  unbehindert  zukommen
  lassen  darf  oder  ob  Auge,  Haut,
Lungen  zu  stark  durch  sie  gereizt  werden.
kur  zu  sehr  geneigt  ist  man  bei  der  immer
noch  herrschenden  Luftscheu,  die  Wochenstube
  zu  verfinstern,  jeden  frischen  Luftzug

Fig.  211.  abzuhalten.  „Das  Kind  könnte  sich  er-Gewichtswage
  für  Kinder.  kälten!“  „Das  Kind  verträgt  so  helles
Licht  nicht!“  usw.  Und  so  beginnt  die

Verweichlichung,  so  beginnt  die  Verkümmerung  der  Lebensreize.

Bei  gesunder,  vernünstig  gewöhnter  Wöchnerin  soll  es  weder  verfinsterte
Stuben  noch  geschlossene  Fenster  geben;  Licht  und  Luft  ströme  reichlich  auf  ihr
Lager!  Die  mittelalterliche  Düsterheit  haben  wir  überwunden.  Auch  das  Kind
bedarf  keiner  besonderen  Vorrichtungen.  An  der  warmen  Mutterbrust  gibt
es  keine  Erkältungen,  und  das  gesunde  Auge  ist  für  das  belebende  Licht  eingerichtet.
  Eine  Ausnahme  machen  natürlich  Krankheiten,  wie  Fieber  der
Mutter,  Augenentzündung  des  Kindes  oder  direktes  Sonnenlicht,  bei  welchen
wohl  die  frische  Luft  nicht  fehlen  darf,  zu  reichlich  einströmendes  Licht  aber
als  zu  starker  Reiz  empfunden  wird.  Dauernde  Gesundheit,  heiteres  Gemüt
gibt  es  nur  in  lichten,  luftreichen  Räumen!

Dem  Schlafe  des  Säuglings  müssen  nochmals  einige  Worte  gewidmet
werden.  Man  weiß,  daß  er  anfänglich  mehr  schläft  als  wacht,  und  daß  er
nur  dann  wirklich  gedeiht,  wenn  sein  Schlaf  tief  und  unnnterbrochen  ist.
Leider  gibt  es  unzählige  Kinder,  die  sich  durch  besondere  Unruhe  auszeichnen,
  kaum  zwei  Stunden  in  einem  Zuge  schlafen,  dazwischen  oft  auf—
schrecken,  zusammenzucken,  auch  wohl  einmal  im  Schlafe  wimmern  oder  durch