Erste  Pflege  des  Neugeborenen.  363

Darmentleernngen  in  ihrer  Ruhe  gestört  werden.  Das  alles  ist  kraulhaft.
Es  gibt  leider  Familien,  in  welchen  weder  Eltern  noch  Kinder  gesunden,
ungestörten  Schlaf  haben,  und  das  sind  die  nervenschwachen,  neurasthenischen.
Noch  viel  öfter  aber  sind  die  Verdauungsstörungen  die  Ursache  der  Unruhe
der  Kinder;  nebenbei  wirken  das  Lager  des  Kindes,  die  Luft  des  Schlafraumes,
  die  Unruhe  der  Umgebung  oder  die  übermäßige  Sorgfalt  in  der
Pflege  des  Kindes  mit  ein.  Wir  kennen  geschäftige  Mütter,  welche  die  Kinder
zur  Unruhe  erziehen,  weil  sie  es  nicht  über  sich  bringen,  das  Kind  sich
selbst  zu  überlassen  und  mindestens  alle  zwei  Stunden  an  ihm  etwas  ausführen
  müssen.  Die  häufigste  Ursache
  des  schlechten  Schlafes  der
Kinder  sind  Magen=  und  Darmbeschwerden
  infolge  falscher  Nahrung.
  Man  wird  daher  stets
diese  zuerst  im  Auge  behalten
müssen.  Dann  aber  sorge  man
für  ein  kühles  Lager  in  heißer
Sommerszeit  (Roßhaarmatrazen)
und  für  ein  warmes  Lager  im
Winter  (Woll=  und  Federdecken)
und  beschränke  vor  allem  die
körperliche  Freiheit  des  Kindes
nicht.  Man  stelle  sich  nur  vor,
was  es  bedenutet,  stets  in  einem
Tragkissen,  langen  Röcken  oder
gar  in  langen  Wickelbändern  zu
stecken  und  niemals  unbehindert
die  bequemste  und  behagliche  »

Stellung  einnehm  en  L  können!  "  Fig.  212.  Gewiteltes  Kiug,
Tausende  von  hilflosen  Kindern  in  Almung  und  Verdauung  gehemmt.
sind  zu  solchem  Martyrium  verurteilt,

  weil  die  Mütter  denken,  es  muß  so  sein,  und  man  hat  es  immer  so
gemacht.  Fig.  212  stellt  uns  diesen  graufamen  Gebrauch  im  Bilde  dar:
damit  der  Säugling  besser  zu  fassen  ist,  wird  er  mit  breitem  Band  über
Brust  und  Bauch  gewickelt  und  dadurch  in  Atmung,  Verdauung  und  Beweglichkeit
  gehemmt.  Dagegen  betrachte  man  die  freiwillige  Lage  eines
schlafenden,  nackten  Kindes,  und  man  wird  erkennen,  was  es  liebt  und  was
ihm  Naturbedürfnis  ist.  Auf  Fig.  213  bringen  wir  einen  schlafenden  jungen
Affen,  dessen  menschenähnliche  Stellung  viele  überraschen  wird.  Man  präge
sich  dieses  Bild  gut  ein!  Gerade  so  will  das  gesunde  Kind  liegen,  das  noch
nicht  durch  Kleider,  Kissen  und  Wickel  verlernt  hat,  natürlich  zu  liegen  und
seine  Glieder  zu  strecken.  Das  Tragkissen,  das  wir  empsehlen,  wird  Seite  393