368  Künstliche  Ernährung  des  Säuglings.

Amme  keine  tadellose,  so  kann  der  einmalige  Genuß  von  Kohlrabi  z.  B.  bei  einem
empfindlichen  Säugling  sofort  kolikartige  Leibschmerzen  verursachen.  Gewürze,
Essig,  Hefespeisen,  mehrere  Eier,  viel  Salz  und  zu  viel  Fett  vermeide  man
gleichfalls.  Um  auch  in  anderer  Hinsicht  die  Körperpflege  der  Amme  kontrollieren
  zu  können,  verabreiche  man  ihr  mindestens  zweimal  wöchentlich  ein
Halbbad  von  35°  C.  mit  Nachwaschungen  von  18°  C.,  bestehe  auf  jedesmaliger
Waschung  der  Brüste  mit  warmem  Seifenwasser  vor  Anlegung  des  fremden
Säuglings  und  sehe  auf  reine  Leibwäsche  der  Frau.  Auch  Erkundigungen  über  die
Darmfunktionen  der  Amme  sind  dringend  nötig,  da  in  vielen  Fällen  chronische
Stuhlverstopfung  gefunden  wird,  die  für  den  vielleicht  schwächlichen  Säugling
nicht  gleichgültig  ist.  Der  Vorsicht  halber  lasse  man  ferner  vor  Aufnahme  der
Frau  von  ihr  und  ihrem  Manne  eine  Erklärung  unterzeichnen,  in  welcher
sie  sich  verpflichtet,  zu  Hause  alle  jene  Speisen  zu  meiden,  welche  ihre  Mieter
vermieden  sehen  wollen,  vor  allem  aber  dem  Alkoholgenuß  vollständig  zu
entsagen,  weil  er  Ammen  und  Säuglinge  in  hohem  Grade  schädigt.  Auch
besondere  körperliche  Anstrengungen,  erregende  Belustigungen  (Tanzboden!)
müssen  vermieden  und  der  eheliche  Verkehr  möglichst  eingeschränkt  werden.  Ist
die  Ammenstelle  recht  einträglich,  so  wird  jeder  vernünftige  Mann  von  selbst
wünschen,  die  Leistungsfähigkeit  seiner  Frau  recht  lange  zu  erhalten,  und  wird
seine  Frau  also  auch  in  diesem  Sinne  schonen.  Bekanntlich  versiegt  die
Milch  gerne,  wenn  sich  die  Menstruation  wieder  einstellt,  und  nichts  beschleunigt
  ihren  Wiedereintritt  mehr  als  geschlechtlicher  Verkehr  während  der
Stillungsperiode.

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Die  künstliche  Srnährung  des  Säuglings.

Wenn  die  Muttermilch  fehlt,  ist  die  Tiermilch  das  nächste,  wonach  wirin
  der  Not  greifen;  denn  sie  kommt  nach  ihrer  Zusammensetzung  der  Muttermilch
  am  nächsten.  Es  enthält:

Wasser  Eiweißstoff  Fett  Milchzucker
Frauenmilch  87,  41  %  2,29  %  3,78  %  6,21  %
Kuhmilch  87,17  %  3.55  %  3,69  %  4,88  %

Wir  finden  demnach  die  Frauenmilch  etwas  wässeriger  als  die  Kuhmilch,
ärmer  an  Eiweiß  und  reicher  an  Fett  und  Milchzucker.  Infolgedessen  ist  sie
dünner,  süßer  und  ärmer  an  Käsestoff  als  Kuhmilch,  die  ihrer  Schwerverdaulichkeit
  für  den  kindlichen  Magen  und  des  reichlicheren  Käsestoffes  wegen  bekannt
ist.  Die  Kuhmilch  ist  ja  auch  von  der  Natur  nur  für  das  Kalb  bestimmt,  nicht
für  den  neugeborenen  Menschen,  was  merkwürdigerweise  so  viele  Menschen  gar
nicht  beachten.  Unverdünnt  und  ohne  genaue  Anpassung  an  das  Alter  des  Kindes
wird  sie  ihm  gegeben,  und  dann  wundert  man  sich,  wenn  so  viele  „Flaschenkinder“
an  Darmkatarrh  zugrunde  gehen.  Aber  noch  ein  anderer  Faktor  spielt  bei-