Künstliche  Ernährung  des  Säuglings.  371

Wärmebecher  dient  dazu,  die  zum  Gebrauche  nötige  Flasche  lauwarm
zu  machen,  indem  man  sie  für  etwa  zehn  Minuten  in  diesen  mit  warmem
Wasser  gefüllten  Becher  stellt.  Erst  wenn  man  das  Saughütchen,  das  sorgsältig
  gereinigt  werden  muß,  auf  die  Flasche  stülpen  will,  nimmt  man  den
Gummiverschluß  ab.  Man  legt  letzteren  in  kaltes  Wasser  und  erneuert  ihn
alle  vier  bis  sechs  Monate.

Die  einmal  offen  gewesene  Milchflasche  darf  nicht  mehr  benützt
werden,  weil  sie  nicht  mehr  rein  ist;  dagegen  können  übriggebliebene  Flaschen,
die  nicht  geöffnet  wurden,  bei  kühler  Jahreszeit  schadlos  ein  bis  zwei  Tage
später  benützt  werden,  vorausgesetzt,  daß  sie  kühl  standen  und  sorgfältig
gefüllt  worden  waren.

Die  leer  gewordenen  Milchflaschen  fülle  man  sofort  mit  Wasser,  um
das  Eintrocknen  der  Milchreste  zu  vermeiden,  und  reinige  sie  dann  gründlich
mit  dem  Bürsichen,  das  auf  unserer  Zeichnung  auch  zu  sehen  ist.  Heißes
Wasser  zum  Abspülen  der  Glasflaschen  ist  notwendig.  Die  gereinigten  hänge
man  umgestürzt  in  den  Flaschenhalter.  (Siehe  Fig.  214.)

So  viel  zur  Erläuterung  unserer  Abbildung!  Der  Soxhlet-Apparat  hat
viel  von  sich  reden  gemacht  und  zweifellos  vielen  Säuglingen  die  besten  Dienste
geleistet;  aber  schwächlichen  Kindern,  die  Milch  überhaupt  nicht  vertrugen,
konnte  er  auch  nicht  helfen.  Diesen  mußte  durch  ein  anderes  Verfahren
geholfen  werden.  Auch  hat  man  beobachtet,  daß  die  Erhitzung  der  Milch
nachteilig  ist  und  daß  sie  dadurch  schwerverdaulich  wird.  Wir  bringen  nur
deshalb  eine  so  ausführliche  Beschreibung  des  ganzen  Verfahrens,  weil  es
lehrreich  und  erziehlich  ist  für  Mütter,  und  der  Apparat  die  beste  Einrichtung
  für  Flaschen-Ernährung  darstellt.  Er  ist  daher  auch  für  jede  andere
flüssige  Mischung  zu  gebrauchen  und  wir  warnen  vor  zu  langem  Kochen
der  Milch.

Da  hat  nun  Professor  Heubner  durch  Zusatz  von  abgekochtem
Wasser  und  chemisch  reinem  Milchzucker  eine  Mischung  zusammengestellt,
welche  eine  der  Muttermilch  sehr  ähnliche  Nährflüssigkeit  ergab.  Man  gebraucht
das  gleiche  Milchgemisch  für  jede  Altersstufe  und  macht  nur  Ansnahmen  mit
Neugeborenen  oder  sehr  schwächlichen  Kindern.  Das  Wasser  enthält  eine
sechsprozentige  Milchzuckerlösung,  das  heißt,  daß  auf  100  Gramm
Wasser  sechs  Gramm  Milchzucker  genommen  werden  und  die  Milchmenge  der
Wassermenge  gleichgegeben  wird,  also  auf  100  Gramm  Wasser  100  Gramm
Vollmilch.  Dadurch  wird  die  Kuhmilch  dünner,  reicher  an  Zucker  und  wird
das  noch  fehlende  Fett  durch  den  Milchzuckerüberschuß  ersetzt,  somit  die
Zusammensetzung  der  Muttermilch  fast  erreicht.  Benützt  man  dann  noch  den
Soxhlet-Apparat  in  der  angegebenen  Weise,  so  hat  man  eine  wesentliche
Besserung  erreicht.

Professor  Gärtner  hat  einen  weiteren  Fortschritt  erzielt,  indem  er
auch  den  Fettgehalt  der  Mischung  jenem  der  Frauenmilch  ähnlicher  machte.

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