380  Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.

Magennero,  der  mit  krampfhaster  kurzer  Ausatmung  und  einer  stoßenden
Bewegung  verbunden  ist.  Man  macht  warme  Aufschläge  auf  den  Magen,
wenn  es  zu  häufig  auftritt,  und  gibt  ein  Löffelchen  frisches  Wasser  zu  trinken.
Zuweilen  muß  man  auch  den  Fettgehalt  der  Milch  vermindern.

Schwämmchen,  Soor,  Mehlmund  bei  Nenugeborenen.  Bei
schwächlichen  oder  schlecht  gepflegten  Säuglingen  kann  diese  Mundkrankheit
monatelang  bestehen.  Bei  Brustkindern  ist  sie  seltener.  Sie  besteht  in  einer
Pilzbildung  in  Form  weißer  Pünktchen,  die  sich  zu  größeren  Flecken  vereinigen,
welche  auf  der  geröteten  Mundschleimhaut  entstehen  und  das  Schlucken  und
Saugen  erschweren.  Die  Medizin  behandelt  diesen  Zustand  mit  Borax,  welcher
beim  Bestreichen  der  befallenen  Stellen  die  Pilzherde  beseitigt.  Werden  die
Häutchen  aber  abgerieben,  solentstehen  wunde  Stellen  und  verursachen  Brennen.
Warum  entstehen  sie?  Infolge  entzündlicher  Erkrankung  der  Mundschleimhaut
und  mangelhafter  Beschaffenheit  des  Speichels.  Störungen  in  der  Ernährung
  sind  die  erste  Ursache,  Unreinlichkeit  der  Saughütchen  usw.  können  die
Pilzbildung  sehr  befördern.  Brustkinder  erkranken  daher  viel  seltener  daran;
immerhin  kommt  Soor  auch  bei  ihnen  vor.  Wir  empfehlen  tägliches  zartes  Auswischen
  oder  Berieseln  der  Mundhöhle  mit  lauem  Zitronenwasser  (Glasspritze),
größte  Reinlichkeit  der  Mutterbrust,  Beachtung  der  mütterlichen  Ernährung
und  kalten  Leibaufschlag  nachts.  Bei  Flaschenkindern  muß  die  Milch  gewechselt
  und  müssen  die  Saughütchen  ausgekocht  werden.  Dann  lege  man
an  Schwämmchen  leidende  Kinder  viel  in  die  Sonne  und  in  frische  Luft.

Die  Augenentzündung  der  Neugeborenen.  Man  unterscheidet
  eine  einfache  katarrhalische,  die  jedes  Kind  einmal  vorübergehend
  erwerben  kann,  und  eine  schwere,  infektiöse  Form.  Grelles  Licht,
staubige  Luft,  angeborene  Schwächlichkeit,  falsche  Ernährung,  die  zu  Katarrhen
geneigt  macht,  greller  Wechsel  der  Außentemperatur  und  ähnliches  können
zu  einer  Rötung  der  Angenlider  und  feuchten  Absonderungen  führen,  die
das  Auge  verkleben  und  mit  Krusten  versehen.  Man  reinigt  das  Ange  mit
weicher  Watte,  warmem  Wasser  und  sorgfältig  gereinigten  Fingern  und  macht
auch  stundenweise  laue  Kompressen.  Im  übrigen  behütet  man  es  vor  den
angeführten  Schädlichkeiten  und  legt  nachts  auch  einen  kalten  Leibaufschlag
auf,  wenn  die  Belästigung  des  Kindes  zu  lange  danert.

Viel  schwieriger  ist  die  infektiöse  Form  zu  behandeln,  die  durch  einen
gonorrhoischen  Schleimfluß  der  Mutter  entstanden  ist.  Beim  Durchtritt  des
Kopfes  kamen  die  Augenlider  des  Kindes  mit  der  erkrankten  Schleimhaut
der  Geburtswege  in  Berührung,  und  die  leicht  übertragbare  Entzündung  ging
auf  die  kindlichen  Augen  über.  Unsere  erste  Sorge  muß  sich  darin  betätigen,
darauf  zu  achten,  daß  die  Eiterung  der  Bindehaut  der  Lider  nicht  auf  den
Augapfel  übergeht,  was  in  wenigen  Wochen  zur  Erblindung  führen  kann.
Man  reinigt  zu  diesem  Zwecke  das  Ange  wie  angegeben  und  tropft  in  den
Spitälern  eine  zweiprozentige  Höllensteinlösung  ein,  welche  raschen  Er-