Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.  381

folg  hat.  Wo  die  Pflege  des  Säuglings  keine  sehr  sorgfältige  ist,  raten  wir  in
der  Not  auch  zu  diesem  Radikalmittel,  da  es  die  Eiterkokken  abtötet  und  bei
gleichzeitiger  milder  Wasserbehandlung  alle  Gefahren  beseitigt.  Kann  sich
aber  eine  geschickte  Person  dem  Kinde  vollständig  widmen,  dann  muß  sie  den
sich  ansammelnden  Eiter  stündlich  mit  weichen  Haarpinseln  und  durch  Berieselung
  mit  Wasser  von  etwa  30°  C.  beseitigen  und  Aufschläge  von  etwa
25°%  C.  machen.  Dabei  müssen  die  Lider  auseinandergezogen  und  gehoben
werden,  damit  nicht  unten  der  Eiter  weiterfressen  kann.  Ist  Fieber  und
Unruhe  da,  dann  muß  das  Kind  gleichzeitig  kalten  Leibumschlag  bekommen,
den  man  stündlich  erneuert,  auch  Wadenpackung  und  täglich  zweimal  Vollbäder
mit  Abkühlung  von  35  bis  27°  C.  und  von  5  Minuten  Dauer.  Alle  benntzte
Wäsche  oder  Watte  muß  sofort  verbrannt  werden;  die  Hände  der  Pflegerin
müssen  nach  jeder  Berührung  der  Augen  im  heißen  Seifenwasser  mit  Bürste
gereinigt  werden,  sonst  überträgt  sie  auf  sich  selbst  oder  andere  die  gefährliche
Augenentzündung.  Viele  unter  uns  wandelnde  Blinde  verdanken  ihr  Unglück
nur  der  mangelhaften  Behandlung  ihrer  Augenentzündung  in  den  ersten  Wochen
nach  der  Geburt.  Sie  mögen  als  warnendes  Beispiel  dienen!  Unsere  Tafel
Nr.  15  bringt  uns  auch  die  Darstellung  einer  eitrigen  Augenlider-Entzündung
eines  Neugeborenen,  wie  sie  bei  Tripper-Infektion  oft  beobachtet  wird.

Die  Krämpfe  des  Säuglings.  (Eklampsie.)  Sie  treten  im  ersten
Lebensjahr  des  Säuglings  am  häufigsten  auf.  Das  kindliche  Nervensystem  ist
sehr  reizbar,  und  wenn  das  Kind  nervenschwache  Eltern  hatte,  reagiert  es  auf
alle  Einflüsse  in  krankhafter  Weise.  Stuhlverstopfung,  Durchfall,  ein  starker
Schnupfen,  kleine  Verletzungen  und  Erschütterungen,  der  Beginn  des  Zahnens,
Druckwirkungen  nach  zu  festen  Wickeln  usw.:  alle  diese  Zustände  können
die  bekannten  Kinderkrämpfe  auslösen.  Das  Kind  liegt  mehr  oder  minder  bewußtlos
  da,  die  Angen  sind  starr  und  verdrehen  sich,  der  Kopf  bohrt  sich  in  die
Kissen,  krankhafte  Muskelzuckungen  treten  auf,  der  Puls  ist  vermehrt,  Harn
und  Stuhl  werden  unwillkürlich  entleert.  Solche  Anfälle  können  Minuten,  aber
auch  Stunden  andauern.  In  einem  warmen  Vollbade  von  387  C.  und  zehn
Minuten  Dauer,  dem  man  noch  eine  kühlere  Übergießung  des  Rückens  folgen
läßt  von  etwa  30°  C.,  beruhigt  sich  das  Kind  und  erlangt  auch  das  Bewußtsein
wieder.  Die  Aufgabe  des  Arztes  ist  es,  die  Ursache  der  Krämpfe  zu  ergründen
und  diese  zu  beseitigen.  Meist  sind  Verdauungsstörungen  dahinter;  tritt
Wechsel  der  Nahrung  ein,  macht  man  täglich  mehrstündige  Rumpfpackungen,
  kleine  kühle  Bleibeklystiere  (ein  Eßlöffel  2.1°  C.),  bei  Gasbildung
und  Blähungen  eine  kleine  Darmmassage,  indem  man  mit  dem  Daumen
die  Nabelgegend  streicht  usw.,  so  vermindern  sich  oder  schwinden  die  Anfälle.
Sind  Gehirnerkrankungen  im  Spiele,  dann  allerdings  sind  die  Krämpfe  viel
hartnäckiger  und  führen  auch  zuweilen  zum  Tode.

Verdauungsstörungen  der  Säuglinge.  Erbrechen,  Durchfall,
Verstopfung  sind  die  häufigsten  gesundheitlichen  Störungen  der  Kinder.  (Man