382  Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.

lese  im  III.  Teile  nach,  was  darüber  unter  den  zugehörigen  Buchstaben  gesagt
ist.)  Bei  lebenskräftigen  Säuglingen  ist  immer  nur  eine  falsche,  ungesunde
Nahrung  die  Ursache  von  Magen=  und  Darmstörungen;  ein  gesundes  Brustkind,
dessen  Mutter  gleichfalls  gesund  ist,  erkrankt  nur  selten  an  diesen  Organen.
Darum  wird  Wechsel  oder  Anderung  hinsichtlich  der  Nahrung  die  erste  Aufgabe
des  hinzugerufenen  Arztes  sein.  Monate  andauernde  Katarrhe  halten  das  Wachstum
  des  Säuglings  wesentlich  zurück;  sein  Aussehen  ist  mager  und  blaß,  die
Glieder  verlieren  die  runde  Fülle,  die  Nächte  sind  sehr  unruhig,  und  die  Stühle
sind  bei  Darmkatarrh  zahlreich.  Kommt  noch  Erbrechen  hinzu,  dann  nimmt
die  Schwäche  in  solchem  Grade  zu,  daß  in  ein  bis  zwei  Wochen  die  Lebenskraft
  erlischt.  Der  gefürchtete  Brechdurchfall  der  Kinder  kann  in  heißen
Sommermonaten  so  raschen  Verfall  herbeiführen,  daß  in  wenigen  Tagen  der  Tod
eintritt.  Da  gilt  es,  energisch  einzugreifen!  Schlennigst  besorge  man  eine  Amme,
deren  Kind  möglichst  im  gleichen  Alter  des  erkrankten  Säuglings  steht,  und
wenn  es  nicht  möglich  ist,  sie  ganz  zu  gewinnen,  so  lasse  man  sie  wenigstens
zweimal  täglich  kommen.  Das  Kind  trinkt  sich  satt  an  der  Brust,  erwärmt
und  beruhigt  sich  an  ihr  und  verträgt  nebenbei  die  Flasche  viel  besser.  Ost
wird  es  gelingen,  eine  kräftige  Frau  zu  finden,  die  zwei  Kinder  gleichzeitig
nähren  kann  und  die  einen  so  einträglichen  Nebenerwerb,  der  ihr  in  solcher
Form  keine  großen  Opfer  auferlegt,  mit  Frenden  ergreift.  Den  Unannehm-=lichkeiten,
  welche  die  Ammenhaltung  erheischt,  geht  man  dadurch  aus  dem
Wege  und  hat  doch  dem  Kinde  die  natürliche  Nahrung  verschafft,  die  oft
das  einzige  Rettungsmittel  ist.  Da  es  fast  ausnahmslos  verheiratete  Frauen
sind,  die  den  fremden  Säugling  besuchen,  um  ihn  zu  ernähren,  so  erspart
man  sich  dabei  auch  den  Vorwurf,  daß  man  die  Leichtlebigkeit  der  Mädchen
durch  Unterstützung  des  Ammenwesens  fördert.  Bei  sehr  herabgekommenen
Kindern  muß  die  Ammenmilch  jünger  sein,  als  die  dem  Alter  des  erkrankten
  Kindes  eigentlich  entsprechende,  weil  sie  dann  leichter  verdaulich  ist.
Wir  haben  mit  dem  stundenweisen  Mieten  verheirateter  Ammen  die  besten
Erfahrungen  gemacht  und  können  Eltern  kranker  Säuglinge  das  gleiche
Verfahren  empfehlen.

Ist  es  nicht  möglich,  Muttermilch  zu  verschaffen,  dann  lasse  man  die
Kuhmilch  einige  Tage  beiseite  und  gebe  nur  Graupen=  und  Haferschleim;
auch  nur  Eiweiß  mit  Wasser  und  Milchzucker,  gut  durcheinandergequirlt,  haben
sich  bewährt.  Die  Lahmannsche  Pflanzenmilch  (ohne  Beigabe  von  Kuhmilch),
sehr  verdünnt  natürlich,  muß  auch  versucht  werden.  Je  nach  Alter  und  Kräftezustand
  muß  die  Mischung  dünner  oder  dicker  gegeben  werden.  Nach  eingetretener
  Besserung  fängt  man  wieder  an,  kleine  Mengen  Kuhmilch  zuzusetzen,
welche  man  aber  am  besten  aus  einem  anderen  Stall  als  vorher  bezieht.  Gleichzeitig
  gibt  man  dem  Säugling  ein  aufsteigendes  Vollbad,  mit  37°  C.  beginnend
  und  langsam  bis  40°%  C.  zunehmend,  in  welchem  man  ihn  zehn  Minuten
liegen  läßt  und  welchem  man  auch  mit  Vorteil  Abkochungen  von  Fichten=  und