Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.  383

Tannentrieben  oder  Nußblättern  zusetzt.  Gleich  darnach  legt  man  einen
kalten  Leibaufschlag  an  und  gibt  mehrere  Wärmflaschen  ins  Bettchen.  Diese
Anwendungen  erregen  die  Hauttätigkeit  und  leiten  vom  Darme  ab.  Auch  heiße
Beinbäder,  kühle  Rückengüsse  können  bei  Durchfall  angebracht  sein,  Hauptsache
bleibe  immer  die  richtige  Nahrung.  Die  Erwärmung  des  blassen,
kühlen  Säuglings  ist  unentbehrlich;  denn  sie  führt  immer  wieder  Durchblutung
  der  Haut  herbei.  Das  aufsteigende  Vollbad,  die  Wärmflaschen,  die
Mutterbrust,  Leibwickel,  auch  Sonnenbäder,  wenn  es  die  Jahreszeit  erlaubt
(siehe  Tafel  Nr.  11  „Friedchen  im  Sonnenbade"),  nebst  der  Hebung  der
inneren  Verbrennungswärme  durch  Diätänderung,  sind  unsere  Wärmemittel,
die  abwechselnd  zur  Anwendung  kommen  müssen.  Durch  sorgsame  Pflege  in
diesem  Sinne  wird  manches  elende  Kind  dem  Leben  wieder  geschenkt.

Beim  Erbrechen  ist  noch  anderes  zu  beachten.  Kalte  Magenkompressen,
warme  Sitzbäder  (Fig.  218  zeigt  uns  die  Haltung  des  Kindes)  und  vor
allem  vorsichtigste  Darreichung  der  Nahrung  müssen  sofort  zur  Anwendung
kommen.  Stündlich  oder  zweistündlich,  je  nach  dem  Allgemeinzustand,  gibt
man  nur  kleine  Mengen  einer  wohlzusammengesetzten  Nahrung,  die  weder
reizend,  noch  belastend,  noch  säurebildend  wirkt;  dann  läßt  man  das  Kind  nicht
hastig  trinken,  sondern  zwingt  es  durch  Entziehung  der  Flasche,  kleine  Pausen
zu  machen,  wodurch  man  den  Magen  vor  Überfüllung  bewahrt.  Betrachtet
man  Fig.  355  und  356  und  Tafel  6,  welche  uns  den  Magen  vorführen,  so  wird
man  es  verstehen,  warum  er  sich  nach  oben  entleert.  Der  kindliche  Magen
besitzt  noch  keine  größere  Ausbuchtung,  und  daher  erbrechen  Säuglinge
auch  viel  leichter  als  Erwachsene.  Das  „Speien“,  das  auch  die  meisten
Brustkinder  haben,  ist  daher  nur  eine  mühelose  Abgabe  eines  überschusses
und  darf  mit  krankhaftem  Erbrechen  nicht  verwechselt  werden.  Dieses
erfolgt  in  Strömen  nach  jeder  Nahrungsaufnahme,  worauf  das  Kind  blaß
und  matt  wird  und  dann  abmagert.  Bei  beginnendem  Würgen  kann  man
Erbrechen  oft  verhüten,  indem  man  den  Säugling  rasch  aufrichtet.  Auch
nur  in  aufrechter  Stellung  flöße  man  ihm  kleine  Flüssigkeitsmengen  ein,  denn
dadurch  beugt  man  neuem  Brechreiz  vor.  Am  häufigsten  tritt  das  Erbrechen
nach  Diätfehlern  auf,  z.  B.  wenn  man  zu  frühe  mit  Breichen  begonnen  hat,
wenn  man  zuviel  Zucker  beigemengt  hat,  wenn  die  Milch  zu  heiß  gereicht
wurde,  wenn  man  zur  Verarbeitung  des  Aufgenommenen  nicht  Zeit  ließ,  das
heißt  die  dringend  nötigen  Zwischenpansen  nicht  einhielt,  so  daß  die  halbverdaute
  letzte  Mahlzeit  sich  mit  der  neuen  mischt  und  dadurch  häufig  eine
Überfüllung  des  Magens  eintritt  und  anderes  mehr.  Auch  beginnender  Darmkatarrh
  oder  eine  starke  Erkältung  kann  zum  Erbrechen  führen.  Bei  vierteloder
  halbjährigen  Kindern  kann  das  Erbrechen  so  schlimm  werden,  daß  auch
hier  die  Amme  das  einzige  Rettungsmittel  bleibt.  Die  entbehrte  Muttermilch
nimmt  den  Reizzustand  des  Magens;  die  Wärme  an  der  Mutterbrust  belebt
das  geschwächte  Kind  ganz  wunderbar,  und  allmählich  bleibt  die  ausgenommene