384  Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.

Nahrung  wieder  in  dem  kleinen  Magen.  Leider  hat  es  aber  oft  seine  großen
Schwierigkeiten  mit  der  Amme:  das  der  Mutterbrust  längst  entwöhnte  Kind
will  die  Brustwarze  nicht  mehr  fassen  und  saugt  nur,  wenn  es  das  gewohnte
Gummihütchen  fühlt.  Da  gilt  es  mit  großer  Geduld  und  Geschick  vorzugehen.
Man  zieht  der  Amme  zuerst  etwas  Milch  ab  und  flößt  diese  dem  hungrigen
Kinde  mit  kleinen  Löffeln  allstündlich  ein.  Dies  hat  den  Vorteil,  daß  es
endlich  naturgemäße  Nahrung  empfängt,  und  daß  es  sich  des  Gummihütchens
entwöhnt.  Sobald  die  Verdauung  sich  bessert,  hebt  sich  auch  die  Trinklust,  und
nun  muß  man  immer  und  immer  wieder  die  Brustwarze  anbieten,  sie  vorher
mit  eigener  Milch  benetzen,  von  oben  nachdrücken,  damit  die  Milch  mühelos
abfließt  und  das  Kind  sie  schmeckt  und  riecht,  bevor  es  zu  saugen  begonnen
hat.  Wird  es  kräftiger  und  hungriger,  dann  kommt  schließlich  die  Stunde,  wo
es  plötzlich  die  Warze  faßt  und  kräftig  zieht.  Dann  ist  das  Spiel  gewonnen!

In  anderen  Fällen  wird  der  übergang  zur  Gärtnerschen  Fettmilch
Hilfe  bringen.  Man  vermeide  nur,  noch  andere  Nahrungsmittel  gleichzeitig
zu  reichen  und  halte  die  Ruhepausen  sowie  kleine  Flüssigkeitsmengen  strenge
ein.  Alter  und  Kräftezustand  des  Kindes  bestimmen  sowohl  die  Art  der
Nahrung  sowie  andere  Anwendungen.

Ein  ganz  anderes  Verhalten  erfordert  die  Verstopfung  der  Säug—
linge.  Sie  kommt  sogar  bei  Brustkindern  blutarmer  und  nervenschwacher
Mütter  auffallend  häufig  vor.  Zwei  bis  vier  Tage  bleibt  die  Entleerung
aus,  dann  erfolgt  sie  unter  großer  Anstrengung;  der  Darminhalt  ist  hart,
verursacht  dem  Kinde  Schmerz,  und  dazwischen  wird  es  durch  Gasbildung
sehr  beunruhigt.  Im  übrigen  sind  die  Kinder  dabei  aber  wohlgenährt  und
nicht  in  Gefahr  wie  bei  Durchfall  und  Erbrechen.  Wechsel  in  der  Diät  der
Mutter  wirkt  oft  günstig  ein,  ebenso  Landaufenthalt  und  Luftbäder  für  Mutter
und  Kind;  hilft  dies  zu  wenig,  so  muß  beim  Kind  direkt  nachgeholfen  werden.
Man  macht  abends  und  morgens  kalte  Bleibeklystiere  (ein  Eßlöffel  24C.),
legt  über  Nacht  einen  kalten  Leibaufschlag  auf,  massiert  täglich  fünf  Minuten
den  kleinen  Bauch,  indem  man  mehr  oder  minder  stark  um  den  Nabel  in
kleinerem  und  dann  größerem  Bogen  herumstreicht,  worauf  meist  eine  wohltätige
  Entleerung  von  Gasen  eintritt,  und  flößt  mehrmals  unter  Tag  einen
Eßlöffel  voll  frisches  Trinkwasser  ein.  Bei  halbjährigen  Kindern  gibt  man
auch  mit  Vorteil  Fruchtsäfte,  und  zwar  je  nach  der  Jahreszeit  Apfelsinensaft,
Apfelsaft,  Kirschen=  oder  Erdbeersaft.  Man  muß  die  Kinder  aber  genan
beobachten,  ob  sie  nicht  Magenstörungen  davon  bekommen;  auch  empfiehlt  es
sich  nicht,  Milch  und  Fruchtsäfte  in  rascher  Folge  zu  reichen.  Man  lasse
jedem  eine  gewisse  Zeit  zur  Verdauung.  Bei  Kindern,  die  sich  trotz  ihres
mangelhaften  Stuhlganges  ganz  wohl  sühlen,  vermeide  man  dauernd  allerlei
Anwendungen  zu  machen;  wenn  sie  im  übrigen  gesund  sind,  stellt  sich  meist
im  zweiten  Lebensjahr,  nach  Eintritt  einer  gemischten  Nahrung  und  wenn  sie
mit  dem  Laufen  beginnen,  ganz  normaler  Stuhlgang  ein.