Krankhafte  Zustände  des  Säuglings.  385

Sind  die  Darmgase  zu  störend  bei  Flaschenkindern,  dann  wechsle  man  die
Kuhmilch,  versuche  es  auch  einmal  mit  Eselsmilch  und  gebe  zuweilen  einen
kleinen  Zusatz  von  Anis=  oder  Fenchelabkochung,  welche  gastreibend  wirken.

Die  Beschaffenheit  der  kindlichen  Darmentleerungen.  Bekanntlich
  richten  sich  Farbe  und  Dichtigkeit  des  Stuhles  zum  Teil  nach  der  aufgenommenen
  Nahrung,  und  zwar  wird  diese  um  so  deutlicher,  je  weniger  gut  verdaut
  die  Nahrungsmittel  wurden.  Schlecht  zerkaute  Apfelstückchen,  Möhren,
Fleisch,  Beerenobst  usw.  erscheinen  oft  völlig  kenntlich  im  Stuhlgange  und  färben
diesen  rot,  blau  oder  gelblich.  Wer  viel  Milch  genießt,  bekommt  einen  hellgelben
Stuhl;  es  sind  daher  die  Darmentleerungen  der  Säuglinge  infolge  der  einförmigen
Milchnahrung  gelb  und  breiartig.  Finden  sich  weiße,  festere  Stückchen  darin,
dann  ist  der  Käsestoff  der  Milch  schlecht  verdaut  und  der  Stuhl  verliert  seine
salbenartige,  gleichförmige  Beschaffenheit.
  Wird  er  fadenziehend,  dan
ist  Darmschleim  vorhanden,  der  auff
katarrhalische  Zustände  schließen  läßt.
Grünliche  Färbung  des  Milchstuhles
deutet  auf  Gasbildung  und  Fäulnisvorgänge.
  Bei  darmkranken  Kindern
findet  man  oft  sowohl  unverdauten  —
Käsestoff,  als  Darmschleim  und  grüne  Fig.  219.  Fig.  220
Verfärbung.  Harte  einzelne  Knollen  Verengerung  we  (Etimose)  bein
stellen  sich  bei  Stuhlverstopfung  ein,  ·
wässerige,  gelbliche  und  schleimige  Ausleerungen  bei  heftigen,  oft  lebensgefähr—
lichen  Diarrhöen,  die  stündlich  mehrmals  in  kleinen  Mengen  mit  spritzendem
Geräusch  und  meist  unter  Schmerzensänßerungen  ausgestoßen  werden.  Erst  nach
Genuß  einer  gemischten  Nahrung  (Breie,  Obst,  Gebäck,  Gemüse)  verliert  der  kindliche
  Stuhl  seine  reine  gelbe  Farbe  und  wird  dunkler  und  bräunlich.  Auch  seine
Festigkeit  vermehrt  sich,  und  er  wird  den  Entleerungen  Erwachsener  ähnlicher.

Phimose.  (Siehe  auch  III.  Teil  „Heilkunde“  unter  Buchstabe  P.)
Wir  bringen  hier  in  Fig.  219  und  220  zwei  Abbildungen,  welche  häufige
Zustände  der  Säuglinge  und  Knaben  darstellen.  Auf  Fig.  219  ist  die  Vorhaut
  so  verklebt  und  enge,  daß  selbst  das  Urinieren  dem  Kinde  Schwierigkeiten
  verursacht  und  ein  Hinaufstreifen  der  Vorhaut  ganz  unmöglich  ist.  In
solchem  Falle  muß  sogleich  ärztlich  eingegriffen  werden.  Auf  Figur  220
ist  die  Vorhaut  wohl  über  die  Eichel  gestreift,  umspannt  dieselbe  aber  ringförmig
  so  sehr,  daß  Schmerz  und  Schwellung  sowohl  der  Eichel  wie  der
Vorhaut  entstehen.  Auch  in  diesem  Falle  ist  eine  künstliche  Erweiterung
ratsam.  Die  leichte  Verschiebbarkeit  der  Vorhaut  ist  aus  Reinlichkeitsgründen,
und  um  bei  heißer  Jahreszeit  und  starker  Schweißabsonderung  Entzündungszuständen
  vorzubengen,  notwendig.  Lockere  und  durchlässige  Kleidung  der

Kinder  vermindert  jedoch  derlei  Vorkommnisse.  Die  Entsernung  der  Vorhant
Die  Frau  als  Hausärztin.  25

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