386  Das  Zahnen.

durch  vollständige  Abtrennung  (wie  bei  den  alten  Juden)  ist  nur  unter  ganz
bestimmten  Verhältnissen  begründet.  Sie  ist  immer  ein  von  der  Natur  ge—
wolltes  Schutzorgan.

(ber  „Eklampsie“,  „Rhachitis“  und  anderes  lese  man  im  III.  Teil
unter  den  zugehörigen  Buchstaben  nach.)

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Das  Zahnen.

Das  Kind  kommt  mit  zahnlosem  Kiefer  zur  Welt.  Erst  in  der  Zeit
vom  fünften  bis  siebenten  Monat  brechen  am  Unterkiefer  die  mittleren
Schneidezähne  durch;  ihnen  folgen  bald  die  vier  oberen  Schneidezähne,  und
nach  Pausen  von  verschiedener  Länge  zeigt  sich  endlich  im  dritten  Lebensjahr
das  Milchgebiß  von  20  Zähnen  vollendet.  Fig.  341  stellt  die  Reihenfolge
der  Zähne  dar,  und  zwar  bilden  nur  die  zehn  vorspringenden  Zähne  das
Milchgebiß;  die  in  der  Tiefe  liegenden  kommen  erst  nach  dem  siebenten
Lebensjahr  zum  Vorschein  und  bilden  das  bleibende  Zahngebiß.

Das  Entwöhnen  des  Kindes  von  der  Mutterbrust  fällt  naturgemäß  mit
der  Zahnbildung  zusammen;  denn  sowie  das  Kind  beißen  und  kauen  kann,  hört
es  mit  dem  Saugen  auf.  Läßt  man  es  trotzdem  nebenbei  immer  noch  saugen,
so  verletzt  es  die  Brust  sehr  häufig  durch  Beißen.  Man  läßt  die  Kinder  daher
gewöhnlich  bis  zum  neunten  und  zehnten  Monat  an  der  Brust  und  beginnt
dann  mit  der  Entwöhnnng,  indem  man  immer  mehr  feste  Nahrung  einschiebt
(Breichen,  Obst),  das  Kind  auch  aus  Gefäßen  trinken  lehrt.

Bei  gesunden  Kindern,  die  keine  Verdauungsbeschwerden  haben,  geht
das  Zahnen  anstandslos  vor  sich.  Es  ist  ein  Irrtum,  zu  glauben,  daß  es
mit  bestimmten  Krankheiten  verbunden  sein  müsse;  außer  zeitweiliger,  einseitiger
  Gesichtsröte,  Hitze  am  Kiefer,  Aufschreien  im  Schlafe,  vermehrtem
Speichel  und  ähnlichen  Kleinigkeiten  läßt  das  gesunde  Kind  nichts  vom
Zahnen  an  sich  merken.  Das  kränkliche  allerdings  ist  gerade  zur  Zeit  der
Zahnperiode  zu  allerlei  Erkrankungen  geneigt,  und  darum  spricht  man  von
einem  Zahnfieber,  Zahnhusten,  Zahndiarrhöe,  Zahnkrämpfen  usw.,
und  wir  wollen  auch  nicht  bestreiten,  daß  der  durch  das  Zahnwachstum
vermehrte  Blutzufluß  zum  Kopfe  bei  schwächlichen  Kindern  mancherlei  Reizzustände
  wecken  kann.  Wieviel  davon  aber  auf  das  Zahnen  an  sich  oder  auf
vorhandene  krankhafte  Anlagen  zu  schieben  sei,  das  wollen  wir  weiter  nicht
untersuchen;  wir  wollen  uns  lieber  die  Frage  beantworten;  wie  hat  man
ein  krankes  zahnendes  Kind  zu  behandeln?

Vor  allem  wie  jedes  andere,  das  leidet.  Durchfall,  Husten,  Krämpfe  oder
Ausschlag  —  sie  wären  vielleicht  auch  ohne  Zahnung  gekommen  —  behandle
man  dem  Zustande  entsprechend;  im  übrigen  habe  man  Ableitung  vom  Kopfe
im  Auge  und  Herstellung  gesunder  Lebensverhältnisse.  Zu  ersterem  ge-