Ernährung  des  Säuglings.  387

hören  für  den  Säugling  kleine  kühle  Bleibeklystiere,  kalter  Leibaufschlag,
kalte  Wadenpackung,  kurzes  kühles  Sitzbad,  abkühlende  Ganzpackung,  Vollbad
mit  Abkühlung;  Wechsel  in  der  Nahrung,  wenn  dies  notwendig  erscheint;  unter
letzteren  versteht  man  ununterbrochene  Zufuhr  frischer  Luft  (auch  im  Winter
und  auch  in  der  Nachtl),  große  Reinlichkeit,  durchlässige  Kleidung  und  nicht
übermäßige  Bedeckung,  endlich  ausreichende  Erwärmung  an  der  Mutterbrust
neben  natürlicher  Nahrung.  Kühle  Aufschläge  auf  Kopf  und  Wangen  haben
bei  auffallender  Hitze  oft  Beruhigung  gebracht,  ebenso  löffelweise  Gaben  von
frischem  Wasser  und  verminderte  Nahrungszufuhr;  denn  auch  das  Kind  ist
von  einem  stets  überfüllten  Darmkanal  geradeso  geplagt  wie  ein  Erwachsener.
Es  überwindet  jedes  Unwohlsein  leichter  mit  wenig  gefülltem  Magen.

Ein  vortreffliches  Mittel,  unruhige,  zahnende  Kinder  in  besseren  Zustand
zu  bringen,  ist  folgendes:  Man  legt  das  Kind  vollständig  nackt  auf  den  Bauch
auf  einer  weichen  Decke  auf  den  Fußboden,  damit  es  nicht  fallen  kann,  und
überläßt  es  sich  selber.  Der  Einfluß  der  Luft  auf  die  Haut  der  ganzen  Körperoberfläche
  hat  zur  Folge,  daß  alsbald  ein  Blutabfluß  vom  Kiefer  stattfindet
und  Erleichterung  eintritt.  Die  veränderte  Lage  aber  erregt  die  Aufmerksamkeit
des  Kleinen;  es  besieht  sich  die  Welt  in  dieser  neuen  Lage  und  verliert  oft  ganz
und  gar  seine  im  Augenblick  vorher  noch  so  entschieden  betätigte  üble  Laune.
Schreit  es  aber  noch  mehr,  vielleicht  darüber  entrüstet,  daß  man  es  vom  Arme
gegeben  hat,  dann  lasse  man  es  ruhig  ein  Weilchen  schreien;  die  bessere
Durchblutung  der  Haut  im  Luftbade  tut  ihm  unter  allen  Umständen  wohl.

Bei  zahnenden  Kindern  bemerkt  man  auch  das  vermehrte  Bestreben,  auf
harte  Gegenstände  zu  beißen  und  in  Ermanglung  solcher  die  eigenen  Finger
und  Hände  zu  benützen.  Man  fertigt  deshalb  aus  Elfenbein,  Wurzeln  oder
Hartgummi  Gegenstände  an,  die  schadlos  in  den  Mund  geführt  werden  können
und  den  Kindern  mitunter  sichtlich  Befriedigung  gewähren.  In  Osterreich  und
Süddeutschland  ist  der  Gebrauch  der  Feigen  wurzel  zu  diesem  Zweck  üblich.

Man  vermeide,  den  Kindern  in  diesem  Alter  gefärbte  oder  zerbrechliche
Gegenstände  auszuliefern,  da  sie  sich  damit  zu  leicht  verletzen  oder  Farbstoffe
durch  den  Speichel  auflösen  und  verschlucken.

Der  Ubergang  des  Säuglings  zur  gemischten  oder
festen  DLabrung.

Die  Frage:  in  welchem  Alter  soll  er  erfolgen,  und  was  sollen  wir  dem
Kinde  an  Stelle  der  Mutterbrust  geben?  wird  dem  Arzte  oft  gestellt.  Die  Antwort
  muß  je  nach  dem  Kräfte=  und  Entwicklungszustand  des  Kindes  verschieden
sein;  im  allgemeinen  aber  können  für  die  Mütter  folgende  Leitsätze  gelten:  Das
zahnlose  Kind  ist  auf  flüssige  Nahrung  angewiesen,  es  versteht  auch  nur  zu

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