390  Baden  der  Kinder.

Das  Baden  der  Kinder.

Über  das  Baden  des  Neugeborenen  haben  wir  an  anderer  Stelle  schon
gesprochen.  Während  des  ersten  Lebensjahres  badet  man  das  Kind  gerne
täglich.  Es  gibt  aber  auch  Fälle,  wo  dies  weniger  angezeigt  erscheint.  Das
ist:  in  bestimmten  Krankheitsfällen,  oder  bei  sehr  nervösen  und  mageren  Kindern,
ebenso  bei  großer  Winterkälte  oder  kühler  Wohnung.  Bei  den  gewöhnlichen
Reinigungsbädern  halte  man  die  Bluttemperatur  fest,  d.  i.  37°  C.  Man  verlängere
  die  Dauer  des  Bades  nicht  unnötigerweise  und  trachte  in  5  Minuten  die
Reinigung  des  kindlichen  Körpers  mit  einem  weichen  Schwamme  vorzunehmen.
Für  gut  ernährte  gesunde  Kinder  ist  ein  kühler  Guß  von  etwa  25°  C.  sehr
vorteilhaft,  im  Winter  aber  und  bei  nervösen  Kindern  muß  man  auch  damit
sehr  vorsichtig  sein.  Danach  reibe  man  das  Körperchen  kräftig  ab  und  sorge
für  ein  erwärmtes  Bettchen  oder  die  warme  Mutterbrust.  Nichts  greift  den  kindlichen
  Organismus  mehr  an,  als  Wärmeverlust  und  anhaltender  Wärmemangel.
Für  das  ganz  kalte  Baden  der  Säuglinge  können  wir  unter  den  heutigen  Verhältnissen
  nicht  eintreten.  Was  in  den  Tropen  möglich  ist  oder  bei  dicken,  sehr
kräftigen  Kindern,  ist  für  anämische  Stadtkinder  nervöser  Eltern  nicht  angezeigt.
Es  wird  von  radikalen  Eltern,  die  ihre  eigenen  Kräfte  sehr  oft  überschätzen,  leicht
etwas  zuviel  getan,  sie  übertreiben  die  „Abhärtung“  wie  eine  Art  Sport,  der
gerade  hier  ganz  unangebracht  ist.  Die  Abhärtung  kleiner  Kinder  muß  durch
richtige  Kleidung  und  durch  Luftbäder  geschehen,  nicht  aber  durch  einseitiges  kaltes
Wasserplanschen.  Man  werfe  nur  einen  Blick  in  die  Tierwelt.  Mit  der  warmen
Zunge  reinigen  sie  ihre  Jungen,  an  ihrem  eigenen  warmen  Körper  erwärmen  sie
sie,  mit  ihren  eigenen  warmen  Gliedern  bedecken  sie  sie.  Der  unverständige
Mensch  aber  steckt  sein  Junges,  das  nur  nach  der  warmen  Mutterbrust  greift,  in
kaltes  Wasser.  Weinerlichkeit  der  Kinder,  boshaftes  Schreien,  Gereiztheit,  ausgesprochene
  Verstimmungen  sind  meist  die  Folge  solcher  naturwidrigen  Behandlung.
  Wo  man  also  ähnliche  Folgen  an  kleinen  Kindern  beobachtet  hat,  dort
lasse  man  sich  mit  täglichem  Auswaschen  verschiedener  Körpergegenden  genügen
und  gewöhne  sich  daran,  den  Wärmezustand  des  Kindes  durch  häufiges  Anfassen
der  Händchen  und  Füßchen  zu  kontrollieren.  Ein  gleichmäßiger  Wärmezustand
ist  die  Grundbedingung  alles  Wohlbefindens  und  Gedeihens.  Daß  frische  und
kühle  Lust  in  den  Schlafzimmern  auch  zur  Abhärtung  gehört,  ist  auch  schon  anderorts
  hervorgehoben  worden.  Zwei  Vollbäder  in  der  Woche  genügen  demnach  vom
zweiten  Lebensjahre  an.  In  großer  Sommerhitze  aber  können  kalte  Abwaschungen
noch  nebenbei  mit  Vorteil  ausgeführt  werden.  Bei  Unpäßlichkeit  kommen  selbstredend
  also  Beinbäder,  Sitzbäder,  Rückengüsse  warm  oder  kalt  in  Betracht.  Wie
gleichfalls  an  anderer  Stelle  schon  hervorgehoben  wurde,  sind  Nußblätterbäder,
ferner  solche  mit  Kräuter=  und  Fichtennadelessenz  (Maia)  bei  gewissen  krankhaften