Impfen.  397

Im  übrigen  halte  man  die  Kleidung  der  kleinen  Mädchen  einf  ach  und
zweckmäßig.  Frühzeitiger  Putz,  der  von  den  Müttern  oft  mit  so  unberechligter
  Wichtigkeit  behandelt  wird,  weckt  die  weibliche  Eitelkeit  in  dem
Kinde  allzufrühe,  und  dies  kann  nur  von  Schaden  sein.  Wir  wollen  damit
keineswegs  sagen,  daß  kleine  Mädchen  niemals  eine  bunte  Schleife  oder
weißes  Kleidchen  usw.  tragen  sollen.  Schönheitspflege  wollen  wir  gewiß  nicht
vernachlässigt  sehen;  allein  sie  werden  niemals  auf  Kosten  der  Gesundheit  und
der  Vernunft  gepflegt.  Die  erste  Anforderung  bestehe  darin,  daß  das  Kind
gesund  sei,  dann  ist  es  bis  zu  einem  gewissen  Grade  auch  hübsch;  die  zweite
Anforderung  betrifft  die  Zweckmäßigkeit  der  Kleidung,  das  heißt,  daß  diese
der  Beschäftigung  und  Lebensweise  stets  angemessen  sei.  Zum  Spielen  im  Sande
trage  es  dunkle  Kattunkleidchen  von  niedlichem  Schnitt,  die  nicht  gleich
Schaden  leiden,  nicht  aber  weiße  Spitzenkleidchen;  zu  den  Mahlzeiten  bekomme
es  große  Schürzen  umgebunden,  die  es  vor  den  Folgen  seiner  Ungeschicklichkeit
  vollkommen  schützen;  darf  es  sich  den  Hochgenuß  des  Wasserplanschens
einmal  gestatten,  dann  entkleide  man  es  bis  auf  Hemd  und  Höschen  (oder
auch  vollständig)  und  lasse  es  nach  Herzenslust  herumwirtschaften  und  anderes
mehr.  Niemals  quäle  man  es  mit  beständiger  Schelte,  weil  es  sich  beschmutzt
hat  oder  weil  das  neugewaschene  Kleid  zerdrückt  ist.  Das  Kind  versteht  diese
Art  von  Reinlichkeit  und  Ordnungssinn  absolut  nicht  und  empfindet  die
täglichen  Vorwürfe,  Drohungen,  Strafen  als  bittere  Qual,  die  ihm  seine  Lebensfreude
  oft  vergällen.  „Du  böses  Kind!  Wie  siehst  du  schon  wieder  aus!“
hört  man  täglich  in  allen  Tonarten.  Und  manchen  Klaps  setzt  es  dabei  ab.  Wie
unrecht,  wie  grausam  wird  gegen  die  unbefangene  Kindesseele  gehandelt!
Laßt  sie  frei,  laßt  sie  glücklich  dahinleben  und  sich  im  Sonnenschein  verständnisvoller
  Liebe  entfalten!  Indem  man  das  Kind  an  seine  bestimmte,
den  Beschäftigungen  zweckmäßig  angepaßte  Kleidung  gewöhnt,  weckt  man  viel
schneller  den  Sinn  für  Ordnung  und  Reinlichkeit  als  durch  Zanken  und
Strafen.  Moöchten  sich  alle  übereifrigen  Mütter  dies  gesagt  sein  lassen!

ES

Mlie  bebandelt  man  impfkranke  Kinder?

In  Deutschland  herrscht  Impfzwang,  d.  h.  alle  Kinder  vom  ersten
Lebensjahre  an  müssen  der  Impfung  unterzogen  werden,  um  ein  Impfzeugnis
zu  erwerben.  Man  geht  dabei  von  der  Ansicht  aus,  daß  ungeimpfte  Kinder
viel  eher  einer  Ansteckung  zugänglich  sind,  als  geimpfte,  und  wenn  sie  an
echten  Pocken  erkranken,  dann  eine  neue  Gefahr  für  andere  Personen  bilden.
Wie  wir  schon  auf  Seite  688  ausgeführt  haben,  bietet  die  künstlich  erzeugte
Pockenerkrankung  einen  gewissen  Schutz  gegen  weitere  Ansteckungsgefahr.