Das  Spiel  des  Kindes.  401

ist  ihm  keineswegs  wohltuend.  Lieber  trage  man  es  auf  den  Armen,  wenn
man  es  weiter  hinausbringen  will.  Freie,  ruhige  Spielplätzchen  sollten  jedem
Hause  zur  Verfügung  stehen,  so  daß  kleine  Kinder  das  Haus  niemals  zu
verlassen  brauchen.  Daß  sie  die  Erwachsenen  überallhin  begleiten,  zu  Ausflügen,
Volksfesten,  ja  sogar  in  Kneipen,  ist  höchst  widersinnig  und  für  das  Kind
sehr  schädlich.  Aber,  wirft  man  uns  hier  ein,  unsere  großen  Städte,  unsere
Mietskasernen,  unsere  schlechte  Straßenluft,  —  es  bleibt  ja  nur  das  Fahren
ins  Freie  übrig,  wenn  man  das  Kind  wenigstens  einmal  am  Tage  hinansbringen
  will.  Ja,  das  ist  richtig,  da  haben  wir  eben  unsere  tranrigen  städtischen

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Fig.  226.  Zusammenlegbares  Kinderstübchen.

Verhältnisse,  die  langsam  auf  die  Entartung  des  Menschengeschlechts  hinarbeiten.
  Keine  frische  Luft,  nur  Steinmauern,  häßliche  Höfe,  Straßenstaub
und  kleine,  enge  Wohnungen  im  dritten  oder  vierten  Stock!  Dazu  eine
schwächliche  Mutter,  die  das  Kind  kaum  eine  Stunde  auf  den  Armen  zu
tragen  vermag,  und  ein  Vater,  der  den  ganzen  Tag  auf  Arbeit  sein  muß,
damit  die  Familie  die  nötigen  Lebensmittel  findet.  Da  ist  denn  natürlich
das  leicht  fortzubewegende  Kinderwägelchen  das  beste  Mittel,  um  mit  dem
Kinde  auf  grüne  Anlagen  hinanuszukommen,  und  man  muß  sroh  sein,  wenn
dies  wenigstens  dem  Kinde  ermöglicht  wird.  Und  so  bleibt  der  Wagen,  solange
  wir  keine  verbesserten  Wohnungsverhältnisse  haben,  das  geringere  Übel,
das  uns  ein  weit  größeres  —  Luftmangel  —  weniger  fühlbar  macht.  Wir
Die  Frau  als  Hausärztin.  26