402  Das  Spiel  des  Kindes.

geben  dann  den  Rat,  das  Kind  wenigstens  nicht  länger,  als  unbedingt  nötig
ist,  im  Wagen  liegen  zu  lassen  und  auf  warmem  Sand  oder  weichen  Wiesen
eine  Decke  auszubreiten  und  es  darauf  zu  legen.  Es  wird  dann  von  seinen
Spazierfahrten  weit  mehr  Nutzen  haben,  und  man  wird  es  viel  seltener  weinen
hören.  Wer  aber  kräftig  ist,  der  trage  sein  Kindchen  auf  den  Armen  hinaus,
wickle  es  draußen  auf  und  lasse  es  im  Freien  strampeln.  Die  unruhigsten
Kinder  werden  dabei  still  und  vergnügt.

Ist  ein  Gärtchen  zur  Verfügung,  dann  stelle  man  den  Säugling  in
einem  Körbchen  in  den  Schatten  eines  Baumes  —  wenn  es  kühl  ist,  in  die
Sonne  —,  und  überlasse  ihn  so  lange  sich  selbst,  bis  seine  Trinkzeit  wieder
kommt.  Rückt  er  im  Wachstum  weiter  vor,  dann  sind  die  „Spielgärtchen
oder  -Stübchen“  zu  empfehlen,  die  sich  für  Garten  oder  Haus  sehr  gut
bewährten.  (Fig.  226  stellt  ein  solches  vor.)  Es  besteht  aus  einem  beweglichen
  Viereck,  das  an  einer  Ecke  zu  öffnen  ist;  die  Innenwand  ist  aus—
gepolstert,  damit  das  Kind  sich  nicht  anschlägt;  der  Boden  wird  mit  einer
dicken  Decke  bedeckt.  In  einer  Ecke  befindet  sich  eine  Vorrichtung,  durch
welche  ein  unentbehrliches  Gefäß  befestigt  wird,  auf  das  man  das  Kind
in  möglichst  regelmäßigen  Zeitzwischenräumen  setzt,  damit  es  sich  gewöhnt,
dort  seine  Geschäfte  abzutun.  Während  es  darauf  sitzt,  wird  das  schmale
„Tischchen“  eingeklappt,  das  zum  Spielen  Gelegenheit  gibt,  aber  den  Hauptzweck
  hat,  das  Kind  festzuhalten.  Auch  eine  Gehschule  ist  angebracht
und  ein  Netz  für  Bällchen  und  anderes;  sie  können  aber  auch  fortgelassen
werden.  Zuerst  schiebt  und  kriecht  das  Kind  darin  herum,  dann  aber
erhebt  es  sich  an  den  niederen  Wänden  und  lernt  auf  diese  Weise  ohne
Mithilfe  anderer  gehen  und  ohne  je  dabei  überangestrengt  zu  werden.
Das  hat  seine  großen  Vorteile!  Durch  beständige  Aufmunterung  und  tägliches
  Probieren  wird  manches  Kind  über  seine  Kraft  angestreugt,  und
kleine  Knochenverkrümmungen  oder  nervöse  Reizbarkeit  sind  dann  die
Folgen.  Aber  die  ungeduldigen  Eltern  können  es  nicht  erwarten,  den  Liebling
  sobald  als  möglich  laufen  zu  sehen!  Und  doch  ist  diese  Ungeduld
ein  Unrecht  gegen  das  Kind.  Wenn  es  die  nötige  Kraft  dazu  hat,  fängt
es  selbst  mit  dem  Laufen  an;  man  gebe  ihm  nur  Freiheit  und  Gelegenheit,
  seine  Kräfte  zu  betätigen.  Die  meisten  Kinder  würden  mit  zehn  und
elf  Monaten  laufen  können,  wenn  man  sie  anders  behandelte  und  nicht
künstlich  durch  Kleidung,  Kinderwagen  und  beständiges  Herumtragen  zurückhalten
  würde.  Im  Spielstübchen  haben  sie  nun  die  beste  Gelegenheit,  ihren
Anlagen  gemäß,  freiwillig  und  geschützt  vor  allen  Gefahren,  mit  Gehübungen
zu  beginnen.  Aber  diese  Einsperrung  hat  noch  einen  anderen  Vorteil:  sie
schützt  auch  die  Einrichtungsstücke  der  Wohnstube  vor  den  Angriffen  des
ungeschickten  kleinen  Erdenbürgers.  Wieviel  Tischdecken  mit  Kaffeegeschirr  sind
heruntergezogen,  wieviel  Nippes  sind  jämmerlich  in  Scherben  gegangen,  weil
er  die  Decken  unten  aufaßte  und  so  lange  zog,  bis  sie  nachgaben;  wieviel