404  Verhütung  von  Verkrüppelungen.

Wie  soll  das  Spielzeug  beschaffen  sein,  das  wir  unserem  Liebling  geben?
So  einfach  als  möglich!  Nicht  bemalt,  weil  die  Kinder  alles  in  den  Mund
stecken;  nicht  kunstvoll  zusammengestellt,  weil  sie  alles  zerbrechen,  was  nicht
aus  einem  Stück  ist,  und  die  Vielfältigkeit  gar  nicht  verstehen,  und  endlich
nicht  so  beschaffen,  daß  dem  Kinde  nichts  zu  tun  übrig  bleibt  und  es  daher
auch  das  teuerste  Spielzeug  schließlich  gelangweilt  fortwirft.  Daher  sind
Bauklötzchen  in  allen  Größen  so  wertvoll,  denn  sie  regen  den  Schaffenstrieb
des  Kindes  an,  indem  es  baut  und  formt,  ohne  sie  zerstören  zu  können;  daher
ist  Sand  ein  so  prachtvolles  „Spielzeug“,  schier  unerschöpflich  in  seiner
Verwendbarkeit  und  von  allen  Kindern  sehr  bevorzugt;  ihm  reihen  sich  Steine
in  allen  Größen  an,  Kugeln  aus  Stein  oder  künstlichen  Massen,  ein
Gummibällchen  (farblos),  einfache  Glöckchen,  die  auf  das  Gehör  ein—
wirken  usw.  Zusriedenheit  ist  notwendig,  um  eine  gesunde  Seele  zu  erhalten,
und  das  selbstgewählte,  das  Kind  hochbeglückende  Spiel,  das  alle  seine
Kräfte  anregt,  das  bringt  ihm  Zufriedenheit,  das  erhält  es  seelisch  gesund.
  —  Die  größeren  Kinder,  die  mit  mehr  Verständnis  spielen,  lasse  man
recht  oft  im  Freien  sich  ergötzen;  an  einem  Bach,  im  Wald,  auf  einer  Wiese,
wo  sie  recht  viel  für  ihren  forschenden  Geist,  für  ihre  Tatkraft,  ihre  kindliche
Phantasie  finden,  und  an  ein  paar  Käfern,  an  einem  Maulwurfshügel,  an
dem  schäumenden  Wasser  des  Baches,  an  einem  Steinhaufen  oder  altem  Holz
unendlich  viel  Interessantes  entdecken.  Man  sehe  nur  zu,  wie  glückselig  oder
tiefversunken  sie  dort  spielen!  Das  ist  gesund  für  Leib  und  Seele!  Dort
in  der  freien  Natur  wächst  ihr  Können  und  ihre  Erkenntnis,  dort  sind  sie
glücklich.  Weit  mehr  als  es  geschieht,  sollte  auch  kleinen  Mädchen  zu  solchem
Spiel  Gelegenheit  gegeben  werden,  statt  ihren  suchenden  Geist  im  vorzeitigen
Puppenspiel  zu  ersticken,  das,  wie  es  heute  betrieben  wird,  vielmehr  die
Putzsucht  und  albernste  Eitelkeit  entwickelt,  statt  schlummernde  mütterliche
Gefühle  zu  wecken.  Entschieden  und  kräftig  spiele  das  Mädchen  mit  den
Knaben,  forsche,  versuche,  arbeite,  streite  und  kämpfe  mit  ihnen;  zur  Pflege
der  Mütterlichkeit  ist  es  noch  Zeit.  Zuerst  muß  auch  das  Mädchen  ein
voller,  ganzer  Mensch  werden,  bevor  es  an  seine  weiblichen  Aufgaben
denken  soll.  Dann  werden  uns  andere  Jungfrauen  erblühen  und  kräftigere

Mütter  aus  ihnen  erstehen!
ni

Alie  verbütet  man  Verkrüppelungen  der  Kinder?

Ahnungslos  werden  in  der  Familie  unzählige  Fehler  in  der  Pflege
des  Kindes  begangen;  dann  plötzlich  wird  eine  verkrümmte  Wirbelsäule
entdeckt,  ein  verkürztes  Beinchen,  schwache  Augen,  zurückgebliebenes  Wachstum,
  und  nun  wird  alles  in  Bewegung  gesetzt,  um  die  vorhandenen  Körpermängel
  zu  beseitigen.  Als  ob  dies  immer  auch  möglich  wäre!  Die  Folgen
einer  ungenügenden  Ernährung,  wie  wir  sie  bei  so  vielen  Flaschenkindern