Verhütung  von  Verkrüppelungen.  109

tische  haben.  Die  Mitbenützung  der  Tische  Erwachsener  strengt  die  Kinder
sehr  an  und  zwingt  sie  zu  falschen  Stellungen.  Fig.  231  führt  uns  solche  vor;
allein  in  Wirklichkeit  sieht  man  sechs=  und  achtjährige  noch  viel  verschobener
dasitzen.  Für  spielende  Kinder  von  zwei  bis  sechs  Jahren  empfehlen  wir
niedrige  Tische  mit  Bänkchen,  wo  sie  weder  herunterfallen  können  noch  der
Nachhilfe  beim  Niedersitzen  bedürfen.  Versieht  man  den  Tisch  an  beiden
Seiten  mit  je  einer  Schublade  zur  Aufbewahrung  von  Kleinigkeiten,  so  können
Geschwisterchen  in  friedlichem  Spiel  gegenübersitzen,  ohne  irgendwie  gefährdet
zu  sein.  Die  Stühle  von  Erwachsenen  sollen  von  kleineren  Kindern  gar
nie  benützt  werden.  Will  man  sie  bei  Tisch  in
gleicher  Höhe  mit  uns  sitzen  haben,  dann  lasse
man  sich  hohe  Kinderstühle  herstellen,  in  welchen
sie  so  fest  sitzen,  daß  sie  nicht  herausfallen
können.  Bei  Schulkindern  ist  auch  darauf  zu
achten,  daß  sie  nicht  immer  nur  mit  einem
Arme  die  Schulbücher  tragen,  sondern  abwechselnd
  mit  dem  rechten  und  mit  dem  linken.
Man  wird  dadurch  schiefen  Schultern  vorbeugen,
die  man  bei  vielen  jungen  Menschen  findet.
Zur  richtigen  Beurteilung  der  Größenverhältnisse
  des  kindlichen  Körpers  bringen
wir  noch  einige  Zeichnungen  (Fig.  233  bis  237),
welche  das  neugeborene  Kind  dem  zweiund
  fünfjährigen  gegenüberstellen.  Es  fallen
dabei  vor  allem  ins  Auge:  die  Verlängerung
der  Beine  im  Verhältnis  zum  Rumpf  und  die
Streckung  des  Halses,  ferner  die  Entwicklung
des  Kopfes  hauptsächlich  in  seiner  Länge.  Das
Neugeborene  hat  daher  großen  Kopf,  kurzen  Fig.  232.
Hals  und  dicken  Rumpf  im  Verhältnis  zu  den  Messen  des  Vrustumfanges.
Beinchen;  das  zweijährige  Kind  streckt  sich
und  hat  die  Dicke  des  Kopfes  und  Rumpfes  verloren.  In  Zahlen  ausgedrückt
  finden  wir  die  Halslänge  von  einem  Zentimeter  auf  sechs  Zentimeter
aufsteigend,  die  Beinlänge  von  zwanzig  Zentimetern  auf  fünfzig  Zentimeter.
Wer  sich  überzeugen  will,  ob  sein  Kindchen  nach  diesem  Schema  wächst,
mag  es  alle  sechs  Monate  messen  und  das  Ergebnis  seiner  Messung  mit
unseren  Zahlen  vergleichen.  Für  das  höhere  Kindesalter  ist  aber  noch
andere  Kontrolle  notwendig:  1.  wie  wir  schon  an  anderer  Stelle  angegeben
haben,  die  häufige  Betrachtung  der  Kinder  im  entkleideten  Zustande,  wozu
die  Luftbäder  die  beste  Gelegenheit  geben,  um  beginnende  Fehler  am
Skelett  zu  entdecken;  2.  vierteljährliche  Messung  des  Brustumfanges  in  Einund
  Ausatmungsstellung,  wie  Fig.  232  darstellt,  welche  von  großer  Wichtig-