Orthopädische  Behandlung  von  Verkrümmungen.  417

der  Unterschenkel,  wie  Fig.  348  sie  darstellt,  entstehen.  Infolge  Knochenschwäche
  und  Nachgiebigkeit  der  Gelenke  sinkt  beim  „X-Bein“  die  untere
Gelenkfläche  des  Oberschenkels  nach  innen,  während  der  Unterschenkel  sich
nach  außen  richtet;  allmählich  verdickt  sich  der  innere  Höcker  des  Oberschenkels
  am  Knie,  und  wir  bekommen  die  vorspringenden  Knochen  seitlich  am
Gelenk,  wie  sie  den  „X-Beinen“  eigentümlich  sind.  Fig.  256  führt  uns  eine
solche  Mißgestaltung  vor.  Sie  ist  in  geringem  Grade  unter  Kindern  des
niederen  Alters  recht  häufig,  wird  deshalb  auch  oft  vollständig  übersehen,  hat
aber  immer  Einfluß  auf  die  Leistungsfähigkeit  der  Kinder  im  Gehen.  Solche
Kinder  ermüden  viel  schneller  als  andere,  die  gerade  Beine  haben,  und  sie
klagen  bei  längeren  Anstrengungen  im  Gehen  oder  Stehen  auch  über  Schmerzen
in  den  Knochen.  Stärkere  Verkrümmungen
  nach  auswärts,  die  natürlich
auch  die  Jußstellung  bceeinflussen
und  einen  häßlichen,  unsicheren  Gang
bewirken,  entwickeln  sich  bei  schwächlichen
  Kindern,  die  bis  zur  Entdeckung
der  Verkrüppelung  nie  beobachtet
wurden,  auch  nicht  gar  selten.  Schleunigste
  Ubergabe  des  Kindes  an  eine
gut  eingerichtete  orthopädische  Heilanstalt,
  wo  auch  gute  Allgemeinbehandlung
  eingeleitet  wird,  ist  das
einzige  Mittel,  um  noch  einen  geraden
  Menschen  zu  erzielen,  der
sich  normaler  körperlicher  Leistungs-  Fig  251.
fähigkeit  erfreuen  kann.  Je  jünger  Gehstütze  mit  beweglichen  Stützvorrichtungen.
das  Kind  bei  Beginn  der  Kur  ist,  .
desto  rascher  treten  die  Kurerfolge  ein;  je  älter  es  ist  und  je  härter  die
Knochen  bereits  geworden  sind,  desto  mehr  Zeit  beansprucht  die  Kur.  Auf
Fig.  257  sehen  wir  einen  Schienenapparat,  der  ein  Paar  „X  Beine“  in
bessere  Lage  zwängt.  Zwei  leicht  gebogene  Eisenstäbe  befinden  sich  auf  der
äußeren  Seite  der  Beine;  Lederriemen,  mit  Polsterung  an  der  inneren  Seite,
bewirken  den  Zug.  Das  linke  Bein  ist  noch  bedenklich  krumm  —  man  ist
allem  Anschein  nach  im  Beginn  der  Kur  —  aber  es  ist  nach  dieser  Abbildung
  begreiflich,  daß  zunehmender  Zug  der  Lederriemen  über  den  gekrümmten
  Stellen  notwendig  eine  bedentende  Verbesserung  der  Knochenstellung
herbeiführen  muß.  Dieselbe  Behandlung,  selbstredend  mit  anders  gebautem
Apparat,  kommt  auch  bei  den  „O-Beinen“  zur  Anwendung.  Der  Klumpfuß
wird  im  III.  Teil  „Heilkunde“  besprochen.

Zu  kleineren  Körperfehlern,  die  aber  recht  schönheitswidrig  werden  können,
gehören  auch  die  abstehenden  Ohren.  Wir  empfehlen  für  solche  Fälle  die

Die  Frau  als  Hausärztin.  27