Nervosität  bei  Kindern.  421

normalen  Kindern  nur  im  Zustande  einer  allgemeinen  Erkrankung  beobachtet
  werden;  aufbrausendes  Wesen,  das  schon  Kinder  zu  heftigen
Handlungen  hinreißt,  sie  zu  Scham  und  Reue  über  sich  selbst  führt  und
zu  heftigen  Erregungszuständen  Veranlassung  wird;  Blödigkeit  und
langsames  Denkvermögen,  übermäßige  Befangenheit,  die  meist
mit  zu  geringem  Selbstvertrauen  einhergeht  (ein  ebenso  krankhafter  Zustand,
  wie  das  übermäßige  Selbstgefühl);  Bummligkeit  sowohl
bei  geistiger  Schwäche  wie  bei  einseitiger  geistiger  Begabung  oder  bei
Willensschwäche;  betrügerisches  Wesen,  bei  einzelnen  Kindern  im
Spiele  oft  stark  zu  beobachten  und  mit
allem  Ernst  zu  behandeln;  dem  verwandt
ist  die  Begehrlichkeit,  eine  Sucht,  die
oft  im  übrigen  ganz  gute  Kinder  zum
Lügen,  zum  Neid  und  zum  Betrügen  verleitet;
  Dickfelligkeit  in  psychischem  Sinne,
wobei  weder  Lob  noch  Tadel  wirken  oder
sichtbare  Gefühle  wecken;  Eigensinn,
herausgewachsen  aus  dauernder  Rechthaberei
und  der  krankhaften  Neigung  des  Kindes,
immer  zu  glauben,  daß  ihm  unrecht  geschehe;
  Empfindlichkeit,  die  bei  jedem
Anlaß  zu  Gekränktheit,  Verstimmtheit,  Gereiztheit
  führt  und  zu  einer  die  ganze
Familie  plagenden  Eigenschaft  werden  kann;
Eifersucht  und  Eitelkeit,  bei  kleinen
Mädchen  oft  besonders  auffällig  und  stets
mit  nervöser  Erregtheit  oder  Schwächlichkeit
  verbunden;  exaltiertes  Wesen,  doas  »
sich  in  Übertreibungen,  phantastischen  über..

schätzungen,  unnötigem  Gefühlsaufwand  bei  Fig.  257.  Geschiente  „X-Beine“.
kleinen  Anlässen  äußert;  Flatterhaftigkeit,

  Faseligkeit,  Fragesucht  können  die  Folge  seelischer  Unruhe  wie
geistiger  Schwäche  sein  und  werden  bei  vielen  unruhigen  und  blutarmen
Kindern  beobachtet;  Frühreife  ist  sehr  ernst  zu  nehmen,  wenn  vorzeitige
  Entwicklung  der  Geschlechtsorgane  (wie  fast  immer)  sie  bedingt,  die
meist  zu  widernatürlicher  Befriedigung  führt  und  in  weiterer  Folge  zu
großer  Nervenschwäche.  Es  gibt  geistig  aufgeweckte  vierjährige  kleine  Mädchen,
  die  schon  ganz  ausgesprochene  Zeichen  geschlechtlicher  Erregung  an
sich  tragen;  sie  wird  die  Ursache  einer  ganzen  Menge  anderer  Fehler,
wie  Eitelkeit,  Befangenheit,  Empfindlichkeit,  Exaltation,  Zorn,  Angstlichkeit
  usw.,  die  verschwinden,  wenn  es  gelingt,  die  Geschlechtsnerven  zu  beruhigen.
  (Siehe  „Onanie“.)