Abgeschlagenheit.  427

Wer  außerdem  noch  reichlich  Salate  und  grüne  Gemüse  genießt,  wird
wirkliche  „Abführmittel“  selten  nötig  haben.

Sollte  aber  bei  Vergiftungen  oder  Darmkolik  und  tagelanger  Stuhlverstopfung
  eine  rasche  Entleerung  des  angefüllten  Darmes  nötig  erscheinen,
Klystiere  dazu  nicht  ausreichen,  weil  sie  nur  den  Dickdarm  entleeren,  so  gebe
man  Rizinusöl  oder  einen  Tee  von  Schlehdornblüte  und  Faulbaum—
rinde.  Letzterer  ist  sehr  milde  und  wirkt  nicht  gleich;  der  Kneippsche
„Wühlhnber“  ist  bedeutend  stärker,  aber  auch  angreifender  und  ist  für
schwache  Personen  nicht  geeignet.  Da  Rizinus  bei  vielen  Menschen  heftige
Brechneigung  erregt  und  daher  häufig  gar  nichts  in  den  Darm  gelangt,
weil  es  vorher  wieder  ausgebrochen  wird,  so  gibt  man  es  lieber  in  Kapseln
oder  sucht  mit  anderem  auszukommen.  Unschädliche,  nicht  heftig  wirkende
Abführmittel  sind  außerdem:  Kohlensaure  Magnesia,  Seydlitzpulver,  Syrupe
von  Manna  und  Rhabarber  u.  a.  Es  muß  aber  in  entschiedener  Weise
gewarnt  werden  vor  salinischen  Mitteln  (starken  „Bitterwässern“  und
Salzen),  wie  die  schon  genannten,  ferner  vor  Alos,  Krotonöl  und  anderen
reizenden  Pflanzenstoffen,  endlich  am  meisten  vor  giftigen  Metallen,  wie
Kalomel,  das  leider  Kindern  so  oft  gegeben  wird.  Sie  enthalten  unter
anderem  Quecksilber  und  Chlor.

(Wie  Stuhlmangel  und  Darmträgheit  noch  zu  behandeln  sind,  siehe  unter
„Verstopfung“.)

Hbgeschlagenbeit.  Müdigkeit,  schwere  Glieder,  eine  gleichzeitige
freudlose  Stimmung,  Arbeitsunfähigkeit  sind  ein  Zustand,  wie  er  als  Begleitsymptom
  verschicdener  Krankheiten  vor  und  nach  ihrem  Ausbruch  sehr  häufig
vorkommt.  Da  die  Frauenwelt  so  reich  an  mannigfachen  chronischen  Leiden
ist,  so  hört  man  auch  junge  und  alte  Frauen  am  meisten  über  Abgeschlagenheit
klagen.  Bei  Bleichsucht  und  Blutarmut,  bei  Nervenschwäche  und  Frauenkrankheiten
  dauert  sie  oft  wochenlang  an.  Wenn  man  sich  über  ihre  Ursache
unklar  ist,  suche  man  erst  ärztlichen  Rat  auf,  und  dann  bekämpfe  man  sie.
Direktes  Vorgehen  gegen  die  „Abgeschlagenheit",  die  nur  ein  Krankheitssymptom
  ist,  und  fortwährendes  inneres  Ankämpfen  gegen  sie  hat  weder  Zweck
noch  Sinn.

Handelt  es  sich  bloß  um  erklärliche  Müdigkeit,  um  eine  zu  langsame
Wiederherstellung  verloren  gegangener  Kräfte,  dann  sind  alle  Anwendungen
angezeigt,  welche  den  Organismus  wieder  ins  Gleichgewicht  zu  bringen
geeignet  sind:  bei  natürlicher  Ermüdung  reichlicher  Schlaf  bei  offenen  Fenstern;
sehr  nahrhafte,  aber  leichtverdauliche  Nahrung  bei  vorhandenem  Hungergefühl,
  ein  Halbbad  von  35°  C.  (siehe  unter  „Halbbad“)  mit  Abkühlung
bis  25%  oder  auch  mit  Rückenguß  20°,  ruhige  Tätigleit  in  frischer,  freier
Luft.  Nichts  kräftigt  so  sehr  als  stundenlanger  Aufenthalt  im  Grünen.
Hilft  dies  nicht  in  drei  bis  vier  Tagen,  dann  stecken  noch  andere  Ulrsachen
hinter  der  Abgeschlagenheit.