430  Abreibung  —  Abszeß.

haben  als  die  rundlichen  und  „ausgepolsterten“:;  sie  sind  elastischer,  energischer,
leichtfüßiger  und  sind  unendlich  viel  besser  bestellt  als  die  dicken.

Darum  beklage  sich  kein  magerer,  der  im  übrigen  gesund  ist!  Um  etwas
Fettansatz  zu  erzielen,  gilt  als  erfolgreich:  mehr  Ruhe  als  lebhafte  Bewegung  zu
pflegen,  häufige  Mahlzeiten  bei  gesunden  Verdauungsorganen  und  fettbildende
Kost.  Dazu  rechnet  man:  süßen  Rahm,  Mehlspeisen,  Süßigkeiten,  fettes  Fleisch,
weißen  Speck,  Käse,  Maisspeisen,  Kakao,  Datteln,  Kastanien  usp.  Ruhe  nach
den  Mahlzeiten,  keine  Gemütsbewegungen,  keinerlei  geschlechtliche  Anforderungen,
dagegen  viel  Genuß  frischer  Luft,  tägliche  langsame  Spaziergänge,  Mittagsschläfchen,
  Atemgymnastik.  Man  probiere!  Für  ältere  Frauen  ist  jedoch  eine  gewisse
Schlankheit  nur  ein  großer  Vorteil.  Sie  erhält  sie  jugendlicher  und  leistungsfähiger.
  Stets  halte  man  sich  bewußt,  daß  Fettleibigkeit  ein  krankhafter  Zustand
ist,  der  sehr  schwer  zu  bekämpfen  ist.  Vor  jenen  Geheimmitteln,  die  „schöne
Formen“  geben,  wie  sie  in  so  vielen  Inseraten  angepriesen  werden,  sei  gewarnt.

Hbreibung.  Warm  aus  dem  Bette  heraus  hüllt  man  den  Kranken
in  ein  nasses  Leintuch  und  frottiert  ihn  kräftig;  darnach  läßt  man  ihn  sich
ankleiden  und  Bewegung  machen.  —  Do  die  plötzliche  Einhüllung  des  ganzen
Körpers  in  ein  nasses  Tuch  auf  das  Nervensystem  stark  einwirkt,  läßt  man
bei  Nervösen  nur  einzelne  Körperteile  naß  frottieren,  den  Rücken  oder  nur  die
Beine.  Die  Wirkung  ist  eine  vortreffliche.  Schwache  Personen  müssen
darnach  im  Bett  trocknen  und  ruhen.  (Siehe  Fig.  261.)

Ablzeß.  Eiterbeulen,  Blutgeschwüre,  Furunkel.  —  Man  versteht
darunter  mehr  oder  minder  große  Eiteransammlungen  unter  der  Haut,  in
inneren  Organen  (Abszeß),  oder  von  Talgdrüsen  der  Haut  ausgehend  (Furunkel).
Letztere  beginnen  mit  einer  umschriebenen  Entzündung,  Verhärtung,  Röte
und  Schmerz.  Sie  nehmen  Walnuß=  und  Eigröße  an  und  können  je  nach
ihrem  Sitz  die  Beweglichkeit  sehr  behindern.  Die  Masse  des  Eiters  kann
sehr  bedeutend  sein  und  die  Dauer  eines  solchen  Furunkels  sich  auf  Wochen
erstrecken.  Es  gibt  Menschen,  die  zur  Schwärenbildung  sehr  neigen,  andere
wieder  haben  sie  nie.  Eine  bestimmte  Ursache  muß  in  der  Blutzusammensetzung
liegen,  die  aber  noch  nicht  genügend  erkannt  ist.  Altere  Frauen  leiden  zuweilen
  in  der  Klimax  (ÜUbergangszeit)  an  Furunkulosis,  d.  i.  Furunkelbildung
am  ganzen  Körper,  monatelang  in  rascher  Aufeinanderfolge  und  unter  fortwährendem
  Saäfteverlust.  Bei  Kindern  tritt  sie  zuweilen  auf,  unter  Umständen
  auch  bei  Diätwechsel  der  Erwachsenen,  z.  B.  wenn  Fleischesser
streuge  Vegetarianer  werden;  sie  erscheint  aber  auch  manchmal,  ohne  recht
erklärt  werden  zu  können,  dann  als  Begleiterscheinung  der  Zuckerkrankheit,  des
Typhus  oder  allgemeinen  Verfalls.  Man  faßt  sie  gerne  als  einen  Akt  der
Selbsthilfe  des  Organismus  auf,  der  sich  auf  diesem  Wege  seiner  Selbstgifte
entäußert.  Zuweilen  scheinen  sie  jedoch  die  Kraft  desselben  zu  übersteigen;
denn  sie  können  auch  unheilbar  werden  und  treten  dann  in  Verbindung  mit
anderen  krankhaften  Symptomen  auf.  (Daher  ärztliche  Diagnose  einholen!)