434  Abstinenz.

sowie  häufige  Streichmassage  sehr  gut.  Viele  Menschen  haben  infolge  mangelhafter
  Blutversorgung  der  Unterschenkel  und  seltener  Wasseranwendungen  so
trockene  Waden,  daß  man  nur  darüber  zu  streichen  braucht,  um  sofort  einen
Regen  von  Schüppchen  zu  erzeugen.  Da  sind  Massage  mit  Einfettung  und
Wechsel-Beinbäder  am  Platze.  (Siehe  „Wechselbäder“.)

über  die  Abschuppung  bei  oder  nach  Ausschlägen  ist  nur  zu  erwähnen,
daß  sie  meist  mit  Neubildung  der  Haut  Hand  in  Hand  geht  und  daß  dieser
Vorgang  selbstredend  dann  eine  andere  Bedeutung  hat.  Man  beschleunigt
und  erleichtert  sie  durch  warme  Bäder.

Die  Abschuppung  beichronischen  Ausschlägen,  z.  B.  der  trockenen  Flechte,
die  oft  recht  lästig  werden  kann,  wird  durch  Fetteinreibungen  mit  Lanolin  in
Schranken  gehalten.  Warme  Bäder  sind  nicht  bei  allen  Hautausschlägen  am  Platze.

KHbftinenz.  Man  bezeichnet  damit  die  Enthaltsamkeit  von  irgend
einem  Genuß,  irgend  einer  Gewohnheit.  Gegenwärtig  spricht  man  viel  von
„Alkoholabstinenz“  und  versteht  darunter  die  vollständige  Enthaltung  von
alkoholischen  Getränken.  Vor  wenigen  Jahren  kannte  man  in  deutschen  Ländern
noch  keine  solchen  Bestrebungen;  man  wußte  höchstens,  daß  es  in  Amerika
„drüben“  sogenannte  „Temperenzvereine“  gab,  die  sich  hauptsächlich  die  Mäßigkeit
  zum  Ziele  gesetzt  hatten  und  die  man  gehörig  verspottete.  Jetzt  hat  sich
dies  wesentlich  geändert.  Nicht  nur  gibt  es  große  Mäßigkeitsvereine  bei
uns,  die  viel  Segen  stiften,  sondern  es  gibt  auch  Abstinenzvereine,  welche
eine  ernste  und  energische  Tätigkeit  entfalten.  (Siehe  I.  Teil,  zweites  Kapitel
„Ernährung",  über  das  Trinken.)  Tausende  von  unglücklichen  Trinkern  wurden
durch  sie  wieder  einem  anständigen  Leben  zugeführt,  und  Hunderttausende
wurden  durch  sie  über  Wesen  und  Wirkung  des  Alkohols  aufgeklärt  und  auf
die  Vorteile  der  Alkohol-Abstinenz  aufmerksam  gemacht.

Wer  es  damit  einmal  probiert,  merkt  bald,  daß  er  einen  freieren  Kopf
behält,  daß  die  Muskeln  weniger  rasch  ermüden  und  daß  er  in  jedweder
Tätigkeit  ausdauernder  wird.  Die  praktischen  Amerikaner  haben  dies  längst
erkannt  und  daher  Angestellten  aller  Art  die  Abstinenz  zur  Pflicht  gemacht.
Da  ging  die  Arbeit  besser  von  statten,  und  da  hatte  man  keine  Unglücksfälle
zu  befürchten,  wie  sie  heute  im  lieben  alten  Europa  durch  Trunkenheit  von
Angestellten  noch  so  häufig  sind.  Man  denke  nur  an  die  so  zahlreichen
fürchterlichen  Eisenbahnkatastrophen,  die  auf  Versäumnisse  oder  Irrtümer  von
Bahnbediensteten,  deren  klare  Urteilskraft  durch  Bier=  oder  Weingenuß  getrübt,
deren  Pflichtgefühl  eingeschläfert  war,  zurückgeführt  werden  mußten.  Daß  sich
der  eine  oder  andere  am  nächsten  Morgen  im  ernüchterten  Zustande  aus
Verzweiflung  das  Leben  nahm,  als  er  sah,  was  seine  Tat  angerichtet  hatte,
nützte  den  Verunglückten  wenig;  besser  wäre  es  gewesen,  man  hätte  ihn  als
warnendes  Beispiel  aufgestellt  und  einen  Kriegszug  gegen  den  Verführer  und
Mörder  Alkohol  eröffnet,  dessen  bedauernswertes  Opfer  auch  dieser  Bahnbeamte
  geworden  war.  Aber  das  geschah  nicht,  —  die  Welt  samt  dem