Achselschweiß  437

Erst  wenn  dies  alles  geschehen,  trete  man  der  direkten  Behandlung  des
Übels  näher.  Man  sorgt  erstens  für  Kräftigung  der  Haut  der  Achselhöhle
durch  tägliche  kühle  Waschungen  —  nicht  ganz  kalte,  weil  dies  wieder  zu  sehr
reizen  würde  —,  denen  man  auch  etwas  Essig  zusetzen  kann.  Dieses  Verfahren
ist  oft  recht  wirksam.

Zu  besonderen  Gelegenheiten  empsehlen  sich  auch  Einlagen  von  weichen
Musselinsäckchen,  die  man  mit  einer  Alaunlösung  tränkt  oder  mit  Lindenkohle
füllt,  Eichenrindenbäder  und  außerdem,  zum  Schutz  besserer  Kleider,  aufsaugungsfähige
  Schweißblätter  aus  mehrfachem  Trikot  oder  ähnlichem.

Es  gibt  auch  Fälle,  in  welchen  weniger  die  Schweißmenge  als  der
unerträgliche,  häßliche  Geruch  des  Achselschweißes  stört.  Er  kann  so  heftig
werden,  daß  er  alle  Kleider  durchdringt  und  die  Betreffenden  geradezu  beängstigt.
Dabei  handelt  es  sich  um  Entartung  der  Drüsen  und  immer  um  bedeutende
Stoffwechselstörungen.

Ein  Fräulein  von  21  Jahren,  von  etwas  aufgedunsenem  Aussehen,
kam  in  die  ärztliche  Sprechstunde.  Sie  klagte  über  unwesentliche  Allgemeinstörungen
  und  über  einen  lästigen  Achselschweiß,  dessen  Geruch  alles  durchdringe.
  Schon  beim  Entkleiden  konnte  man  sich  von  der  Wahrheit  ihrer
Behauptung  überzeugen.  Der  Geruch  war  ekelhaft.  Sie  hatte  allerlei  ohne
Erfolg  dafür  gebraucht.  Geruchsverbessernde  Mittel  unterdrückten  den  Gestank
für  einige  Stunden;  seine  Ursache  aber,  die  krankhafte  Drüsentätigkeit,  beeinflußten
  sie  nicht.  Auch  bei  diesem  Mädchen  handelte  es  sich  um  Stoffwechselstörungen,
  die  eine  Allgemeinbehandlung  erforderten.  Sie  bekam  daher
Ganzpackungen,  um  die  Hauttätigkeit  anzuregen  und  langsam  auszudunsten.

Der  Geruch  der  Tücher,  in  welche  sie  eingewickelt  war,  war  ein  heftiger;
reichlicher  Schweiß  stellte  sich  ein,  und  eine  strenge  Diät  verhütete  die  Aufnahme
von  Stoffen,  welche  zur  Verunreinigung  der  Säfte  beitragen  konnten.  Nach
drei  oder  vier  Einpackungen  war  der  Geruch  des  Achselschweißes  so  gering,
daß  man  ihn  durch  die  Kleider  nicht  mehr  wahrnahm,  und  weitere  Behandlung
  „reinigte“  das  Mädchen  so  ausgiebig,  daß  Haut  und  Drüsen  bedeutend
gesünder  wurden  und  eine  so  übermäßige  Tätigkeit  der  Schweißdrüsen,  wie
jene  der  Achselhöhle,  nicht  mehr  eintreten  konnte.

Als  geruchbindende  Schutzmittel  (nicht  Heilmittel!)  werden  für  plötzliche
Verlegenheiten  übermangansaures  Kalium  und  Chlorkalk  angegeben;
doch  können  sie  nur  in  großer  Verdünnung  Anwendung  finden,  da  sie  neben
ihrer  desinfizierenden  Wirkung  auch  eine  sehr  ätzende  haben,  also  die  Körpergewebe
  angreifen.  Sie  werden  daher  bei  Krebskrankheiten,  die  von  höchst
übelriechenden  Ausflüssen  begleitet  sind,  bei  Stinknase  usw.,  deren  Ursachen
sich  nicht  immer  gleich  beseitigen  lassen,  welche  die  Kranken  aber  ihres  unerträglichen
  Geruches  wegen  zum  Zusammenleben  mit  anderen  Menschen  unfähig
machen,  mit  Vorteil  benützt,  wenn  andere  Mittel,  wie  Lindenkohle,  nicht
mehr  genügen.