Aderlaß.  439

Wer  starke  Knoten  hat,  muß  öfter  zur  Befestigung  der  Gewebe  mit
Fett  massieren  lassen,  zuerst  leicht  und  zart  von  unten  nach  oben  streichend;
dann  wirken  nächtliche  Einpackungen  der  Beine,  in  kühles  Wasser  getaucht,
mit  warmem  wollenem  überzug  sehr  belebend  auf  die  erschlafften  Teile.
Güsse  jedoch  erhöhen  oft  die  Beschwerden.  Man  sei  deshalb  besonders  mit
kalten  Anwendungen  vorsichtig  oder  vermeide  sie  unter  Umständen  vollständig.

Viel  besser  wirken  Ganzanwendungen  ein,  die  auf  andere  Körperteile
  starken  Einfluß  ausüben,  z.  B.  Halbbad  37°  C.,  mit  Rückenguß
  25%  Armbäder,  Sitzbäder  usw.,  je  nach  dem  Allgemeinbefinden
zu  temperieren  und  anzuwenden.  Durch  diese  wird  der  Stoffwechsel  so
gefördert,  die  Verdanung  so  gehoben,  daß  selbst  alte
Venenknoten  sich  verkleinern,  weil  der  Blutlauf  gebessert
  ist.  Durch  Ableitung  erzielt  man  also  am
meisten  dabei.

Ferner  müssen  Personen  mit  Adererweiterung
täglich  morgens  nach  ihrem  Bade  mit  Trikotbinden
geschickt  gewickelt  werden,  um  durch  äußeren  Druck  das
Heraustreten  der  Knoten  zu  behindern.  Sie  können
mit  den  Binden  viel  besser  als  vorher  gehen  und
stehen.  Leinen=  oder  gar  Gummibinden  sind  verwerflich,
  weil  erstere  zu  scharf,  letztere  zu  undurchlässig  sind.
Baumwolltrikot  dagegen  sangt  die  Hantausdünstung
auf,  gibt  sie  auch  nach  außen  ab  und  hält  die  Wärmestrahlung
  nicht  so  vollständig  zurück  wie  Leinen  und
Gummi.  Bei  den  Bewegungen  des  Beines  ist  der  Trikot
auch  nachgiebiger.  Fig.  263  zeigt  uns  ein  gewickeltes
Bein.  Ganz  besondere  Vorzüge  hat  das  Diakonwickelband
  von  Teufel  in  Stuttgart.

Meist  leiden  Personen  mit  Venenstanungen  auch  Gewickeltes  Aderbein.
an  kalten  Füßen.  Diese  müssen  vor  allem  bekämpft
werden,  wenn  man  Besserung  erzielen  will.  Heiße  Fußbäder,  Barfußlaufen,
kräftiges  Durchkneten  der  kalten  Füße,  langsames  Bergsteigen,  stets  durchlässiges
Schuhwerk  (siehe  I.  Teil,  Kapitel  über  „Bekleidung"),  flotte  Verdauung
werden  gute  Zirkulation  und  damit  auch  warme  Füße  herstellen.  Die  Flechtschuhe
  Fig.  105  sind  besonders  vorteilhaft  für  Aderbeine.  (Siehe  unter
„Krampfadern“.)

Alkohol  ist  bei  Erkrankungen  der  Gefäße  streng  zu  vermeiden.

Ackerlaß.  Vor  hundert  Jahren  und  auch  später  noch  hat  man  die
verschiedensten  Krankheiten  mit  Aderlaß  behandelt  und  viel  Unsinniges  damit
angerichtet.  Unzählige  Todesfälle  sind  auf  die  maßlose  Anwendung  der
künstlichen  Blutentziehung  zurückzuführen,  und  viel  Siechtum  und  unheilbares
Elend  sind  ihr  zu  verdanken.  Aber  wie  jedes  Ding  Licht=  und  Schattenseiten