442  Afterentzündung.

Darmentleerungen  wegen  immer  wieder  verunreinigt  werden,  heilen  sie  sehr
schwer.  Man  hat  sie  bei  kleinen  Kindern  zuweilen  monatelang  bestehen
sehen;  auch  haben  sie  in  solchen  Fällen  den  übelsten  Einfluß  auf  die  Darmtätigkeit,
  weil  die  Kinder  den  Stuhl  aus  Angst  vor  dem  damit  verbundenen
Schmerz  oft  tagelang  zurückhalten.  Die  Behandlung  ist  bei  kleinen  Kindern,
die  noch  keine  Vernunft  haben,  sehr  schwierig.

Behandlung.  In  den  Spitälern  wird  der  eingerissene  After  geätzt,
damit  sich  eine  schützende  Haut  über  der  Wundstelle  bilden  kann,  dann  werden
Opiumgaben  gereicht,  um  den  Darm  ruhig  zu  stellen  und  den  Stuhlgang  zurückzuhalten.
  Ist  dann  aber  die  nächste  Entleerung,  wie  meistens,  sehr  hart,
so  reißen  die  festen  Knollen  die  zarten  Häute  doch  wieder  ein.  Besser  ist  es
daher,  nur  weichen  und  leichten  Stuhlgang  zu  erzielen  ohne  reizende
Bestandteile.  Dies  gelingt  am  besten  durch  ausschließliche  Milchdiät.

Macht  man  täglich  zwei  bis  drei  Sitzbäder,  ölt  man  darnach  die  wunde
Afterstelle  mit  Mandelöl  ein  und  gibt  man  nach  jeder  Darmentleerung  sofort
kleine,  kühle  Bleibeklistiere,  ebenso  äußere  laue  Abwaschungen,  um  jeder
Reizwirkung  durch  Stuhlmassen  vorzubeugen,  nachts  nasse  Watteeinlagen,
um  durch  die  feuchte  Wärme  heilend  einzuwirken,  endlich  noch  kalten  Leibaufschlag,
  um  die  Darmtätigkeit  zu  befördern,  so  hat  man  neben  entsprechender
Allgemeinbehandlung  alles  Nötige  getan,  und  man  braucht  das  Kind  mit
Schmerzen  und  Angst,  die  das  Atzen  verursacht,  nicht  zu  quälen.

Hfterentzündung.  After  heißt  das  unterste  Ende  des  Dickdarms,
der  Darmeingang.  Er  wird  durch  den  „Schließmuskel“  gebildet,  der  die
Offnung  zusammenzieht.  Wird  er  ausgedehnt,  so  erweitert  er  sich  bedeutend.
Zwischen  seinen  Falten  nun  entsteht  bei  Erhitzung,  bei  Unreinlichkeit,  bei.
Anwesenheit  von  Sprungwürmern,  Bläschenbildung,  scharfem  Schweiß  usw.
leicht  eine  Entzündung,  die  unangenehmes  Jucken  und  Brennen  verursacht
und  sich  auch  mitunter  auf  die  ganze  Umgebung  ausdehnt.

Behandlung.  Mehrmalige  tägliche  Waschungen  mit  lauem  Wasser  sind.
das  erste,  was  geschehen  muß,  nachts  Einlage  eines  nassen  Wattebausches,
damit  ätzende  Ausscheidungen  aufgesogen  werden  und  die  brennende  Hitze
gemildert  wird.  Ist  Durchfall  damit  verbunden,  oder  zieht  sich  der  brennende
Schmerz  überhaupt  weiter  ins  Darminnere  hinein,  dann  ist  die  ganze  milde,
beruhigende  Diät  angezeigt,  Schleimsuppen  vor  allem,  und  nach  jeder  Ausleerung,
  die  meist  einen  unangenehmen  Reizzustand  im  Darme  zurückläßt,
kleine  Klistiere  von  28°%  bis  24%  R.,  nur  ein  bis  zwei  Eßlöffel  groß.  Diese
reinigen  und  beruhigen.

Einige  Sitzbäder,  warm,  sind  gleichfalls  sehr  wohltätig,  doch  dürfen
sie  nicht  genommen  werden,  wenn  andere  Zustände  eine  Gegenanzeige  dafür
bilden,  z.  B.  gleichzeitig  bestehende  Monatsblutung.

Zum  Ausgehen  öle  man  die  gerötete  Gegend  mit  Mandelöl  ein,  weil
Watteeinlagen  während  der  Bewegung  des  Gehens  verloren  werden.