Aftererschlaffung  —  Aftergebilde.  443

Treten  solche  Entzündungen  öfter  auf,  dann  stecken  chronische  Darmstörungen
  dahinter,  die  beseitigt  werden  müssen.

Hftererschlaffung  (Erweiterung)  ist  zu  beobachten  bei  allgemeiner
Erschlaffung,  bei  großer  Darmschwäche,  nach  Verletzungen  des  Afters,  wie
bei  großen  Dammrissen,  während  schwerer  Entbindungen  entstanden,  bei  Magerkeit
  und  Erschlaffung  des  Beckenbodens,  nach  Darmoperationen.  Sie  stellt
einen  ebenso  lästigen  wie  ernsten  Zustand  dar,  weil  sie  fast  immer  mit  einer
schweren  Allgemeinstörung  in  Verbindung  steht  und  die  Zurückhaltung  des
Kotes  sehr  erschwert.  Hat  der  After-Schließmuskel  (Sphincter  ani)  seine
Schließkraft  verloren,  dann  tritt  ein  böser  Zustand  ein,  der  das  Leben  zur
Qual  machen  kann.  Es  treten  nämlich  unwillkürliche  Kotentleerungen  ein,
die  umständliche  Schutzvorrichtungen  notwendig  machen,  um  Beschmutzung  und
üblen  Geruch  zu  verhindern.

Vorübergehende  Lähmung  des  Aftermuskels,  nur  auf  nervöser  Grundlage
  beruhend,  tritt  auch  zuweilen  auf.  Eine  häufige  Folge  ist  die  Erweiterung
nach  Darmfistel-Operationen,  weil  man  bei  denselben  den  Schließmuskel  durchschneiden
  mußte.  Es  ist  dies  also  eine  Form  der  Ausheilung  eines  Geschwüres,
die  zuweilen  auf  Kosten  einer  sehr  wichtigen  Funktion,  nämlich  der  Schlußfähigkeit
  des  Darmes,  erzielt  wird.

Bei  blutarmen  Frauen,  die  viele  Geburten  hinter  sich  haben,  findet
man  oft  neben  allgemeiner  Erschlaffung  des  Beckenbodens  auch  große  Welkheit
des  Darmendes.  -

Behandlung.  Zuerst  Feststellung  der  Ursache!  Bei  nervöser  Lähmung
beruhigendes  Verfahren,  auch  magnetische  Kur.  Letztere  brachte  oft  nach
wenigen  Sitzungen  wieder  Schlußfähigkeit,  während  andere  Heilmethoden
vollständig  im  Stiche  ließen.  Man  wende  sich  an  einen  zuverlässigen  Heilmagnetopathen.
  (Siehe  „Magnetismus“.)

Bei  Darmschwäche  infolge  alter  Darmleiden  sind  letztere  zuerst  zu
behandeln;  es  weichen  dann  auch  ihre  Symptome,  die  Erschlaffung  des  Afters.
Bei  allen  Schwächezuständen  aber,  lokaler  oder  allgemeiner  Natur,  ist  eine
Kräftigungskur  vor  allem  am  Platze.  Man  regle  unter  ärztlicher  Leitung
je  nach  dem  vorliegenden  Fall  die  Ernährung,  mache  zusammenziehende
Sitzbäder  mit  Eichenrindenaufguß,  35°  C.,  10  Minuten,  Abkühlung  bis  225,
unter  Umständen  auch  Unterbauchwaschung,  5  Minnten,  16°  C.  (siehe  diese),
Sitzduschen,  am  besten  mit  Wechsel  der  Temperatur,  z.  B.  40%  und  16°  C.,
kühle  Bleibeklystiere,  behebe  etwa  vorhandenen  harten  Stuhlgang  und  lasse
Beckengymnastik  machen.  (Siehe  „Heilgymnastik“.)  Auch  Darmmassage
von  einem  geübten  Arzte  ist  angebracht.  Im  übrigen  Luftbäder  und
Wald,  um  die  allgemeine  Schwäche  zu  vermindern.

Hftergebilcle.  Die  häufigsten  sind  die  Darmknoten,  Hämorrhoiden,
von  erweiterten,  mit  Blut  angefüllten  Venen  herrührend  (siehe  diese).  Sie
können  den  After  zu  einem  sehr  schmerzhaften  Körperteil  machen  und  den