448  Alaun  —  Albuminurie.

unter  allen  Umständen  dringend  geboten  und  von  bestem  Erfolg  begleitet,
nicht  minder  die  Zufuhr  reiner  und  sauerstoffreicher  Luft  im  Krankenzimmer
und  Unterbrechung  der  Nahrungszufuhr.  Die  fast  immer  bestehende  Appetitlosigkeit
  zeigt  uns  schon  an,  daß  die  Körpermaschine  in  Unordnung  geraten  ist,
daß  der  Magen  „nichts  will“  und  seine  Arbeitskraft  erlahmt  ist;  trotzdem  wird
Essen  „zur  Stärkung“  gerade  seitens  der  Frauen  so  häufig  aufgedrängt,  und
sie  fürchten  gleich  ums  Leben,  wenn  der  Kranke  zwei  Tage  lang  nichts  ißt.
(Siehe  „Fasten“.)

Nur  Luft,  Wasser  und  Fasten  sind  es,  welche  auch  die  heftigsten
Krankheitszeichen  mildern,  vorhandene  Schmerzen  vermindern  und  etwaige
Lebensgefahr  zu  beseitigen  vermögen;  nicht  aber  Arzneien,  deren  innere
Wirkung  man  gar  nicht  genau  kennt,  während  der  aufgeregte  Körper,  wenn
jene  vier  Regeln  nicht  befolgt  werden,  mit  den  im  Innern  angehäuften
Nahrungsmengen  nicht  fertig  wird  und  Blut  und  Nerven  nach  Sauerstoff  in
dem  dumpfen  Schlafzimmer  hungern.  (Siehe  „Krankenpflege“.)

Hlaun.  In  der  Frauenheilkunde  spielt  der  Alaun  (schwefelsaure  Tonerde)
  eine  gewisse  Rolle.  Früher  machte  man  alle  Scheideausspülungen  nur
damit,  weil  man  ihn  seiner  zusammenziehenden  und  desinfizierenden  Eigenschaften
  wegen  für  eines  der  besten  Mittel  gegen  „Fluß"  hielt.  Auch  wurde
er  viel  zu  Gurgelungen  verwendet.  Andere  Mittel  haben  ihn  indessen  etwas
verdrängt.  —  Ein  schleimiger  Katarrh  der  Gebärmutter  wird  damit  nicht
ausgeheilt,  wohl  aber  wird  die  Scheide  dadurch  allmählich  hart  und  unnachgiebig.
  Man  lese  unsere  Behandlung  des  Gebärmutterkatarrhs  und
vermeide  mineralische  Spül=  und  Gurgelwässer.

Albinos  (Weißlinge.)  Auch  über  diesen  Ausdruck  müssen  sich  Frauen
klar  sein,  da  oft  Kinder  geboren  werden,  deren  auffallende  Helligkeit  allgemeines
Aufsehen  erregt.  Sie  haben  fast  weiße  Haare  und  oft  so  farblose  Augensterne,
  daß  sie  rot  durchleuchten,  wie  bei  den  Kaninchen.  Es  fehlt  Haaren
und  Augen  dunkler  Farbstoff,  daher  ihre  Helligkeit.  Das  rote  Anfleuchten
entsteht  durch  die  zuweilen  sichtbar  werdende  rote  Aderhaut  des  Augenhintergrundes.
  Solche  Individuen  können  in  anderer  Hinsicht  ganz  normal  sein.

Hlbuminurie  (Eiweiß-Urin).  Frauen  nierenkranker  Männer  sieht
man  oft  im  Auftrag  des  Arztes  Harnproben  ausführen,  um  den  Eiweißgehalt
des  Harnes  festzustellen.  Albumin  heißt  „Eiweißstoff'“  und  Albuminurie
jener  krankhafte  Zustand,  in  welchem  der  Harn  Eiweiß  ausscheidet.  Auch
bei  an  Scharlach  erkrankten  Kindern  werden  die  Mütter  angewiesen,  Harnproben
  auszuführen,  um  eine  etwa  beginnende  Nierenentzündung  sogleich
feststellen  zu  können.  Der  Abgang  von  Körpereiweiß  wirkt  sehr  schwächend
auf  den  Organismus  und  wird  in  höherem  Grade  nicht  lange  ertragen.
Geringe  Mengen  werden  vorübergehend  bei  verschiedenen  Leiden  ausgeschieden,
sind  dann  aber  belanglos.