Alpdrücken  —  Amputation.  451

Hlpdrücken.  Alpdrücken  nennt  man  ein  beklemmendes  Gefühl,  das  in
der  Brust  oder  Herzgegend  nachts  im  Schlafe  entsteht  und  verschiedene  Ursachen
haben  kann.  Voller  Magen,  ein  durch  Alkohol  entstandener  Aufregungszustand,
Störungen  der  Herztätigkeit,  alles  das  kann  einwirken.  Man  macht  auch  einen
Gehirnnerv  verantwortlich,  den  einzigen,  der  bis  in  die  Bauchhöhle  dringt,  den
sogenannten  Nervus  vagus.  Das  Drücken  wird  oft  so  heftig,  daß  der  Schlafende
laut  stöhnt,  ohne  doch  imstande  zu  sein,  sich  zu  rühren  oder  zu  erwachen.  Es
ist  dann  eine  Wohltat  für  ihn,  von  anderen  schleunigst  geweckt  zu  werden.

Behandlung.  Vermeidung  einer  reichlichen  Abendmahlzeit,  Erhaltung
einer  flotten  Verdauung,  strenge  Alkoholabstinenz  und  abendliche  Spaziergänge
von  mindestens  einstündiger  Dauer,  endlich  offene  Fenster,  leichte  Steppdecke
zur  Bedeckung  statt  schwerem  Federbett  und  ableitende  Wadenwickel.

Altersschwäche.  Das  ist  ein  Zustand,  der  bei  manchen  schon  mit
45  Jahren  eintritt,  bei  anderen  aber  erst  im  80.  Im  letzteren  Falle  bedeutet
  sie  die  natürliche  Abnahme  der  Kräfte  im  Greisenalter,  im  ersteren
eine  unnatürliche  Erscheinung,  einen  vorzeitigen  Verfall.  Es  muß  unsere
Aufgabe  sein,  uns  so  lange  als  möglich  vor  dem  Eintritt  der  Altersschwäche
zu  bewahren,  unsere  Lebensweise  so  einzurichten,  daß  unsere  Organe  einerseits
geschont,  ander  seits  gekräftigt  werden,  dann  bleiben  wir  lange  arbeits=  und
genußfähig.  Die  Geistesschwäche  des  alten  Menschen  ist  durchaus  nicht
Naturnotwendigkeit;  sie  tritt  nur  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein,  bei
Männern  oft  als  Folge  eines  üblen  Vorlebens.  Man  lese  aufmerksam  das
letzte  Kapitel  des  I.  Teiles  „Langlebigkeit  und  Tod“.

HAmeisenkriechen.  Das  ist  ein  häßliches  Gefühl  von  Laufen  und
leisem  Griebeln  am  Rücken,  in  den  Armen  oder  Beinen,  das  viele  Blutarme
und  Nervöse  haben.  Es  tritt  aber  auch  bei  Gehirn=  und  Rückenmarkskrankheiten
auf,  in  welchem  Falle  es  dann  mit  Pelzigsein  in  Verbindung  ist.  Zirkulationsstörungen
  oder  noch  ungekannte  Vorgänge  im  Nervensystem  sind  die  Ursachen.

Behandlung.  An  besten  hilft  dagegen  frottieren  mit  warmen,  weichen
Händen,  ferner  heiße  Teilbäder  an  entgegengesetzter  Körperstelle,  also  bei
Ameisenkriechen  in  den  Beinen  ein  Armbad  von  43°  C.,  oder  umgekehrt,
ferner  Kräuterdämpfe.  Arztliche  Untersuchung  versäume  man  nicht,  wenn
es  immer  wieder  kommen  sollte.  Auch  Gymnastik  der  Arme  und  Beine  ist
sehr  wirksam,  sofern  es  sich  um  Zirkulationsstörungen  handelt.

Amme.  Man  bezeichnet  damit  eine  Frau,  die  gegen  Entschädigung  ein
fremdes  Kind  statt  ihres  eigenen  säugt,  siehe  näheres  im  II.  Teil  „Das  Kind“.

HAmputation.  Die  Abtrennung  eines  Gliedes  von  unserem  Körper
oder  eines  Teiles  eines  Gliedes  nennt  man  „amputieren".  Man  spricht  in
ärztlichen  Kreisen  von  einer  „Amputation  der  Portio“,  wenn  man  den
Scheidenteil  der  Gebärmutter  abtrennt,  von  einer  Ampntation  der  Hand,
wenn  man  sie  vom  Arme  loslöst,  und  ähnliches  mehr.

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