454  Angina  —  Ankylose.

Angina.  Man  bezeichnet  damit  innere  Halsentzündung,
Schwellung  der  Mandeln,  Entzündung  des  Rachens.  Sie  beginnt  meist  mit
allgemeinem  Unwohlsein  und  bei  jüngeren  Personen  mit  oft  recht  heftigem
Fieber,  Kopfschmerz,  vollständiger  Appetitlosigkeit  und  Schluckbeschwerden.
(Siehe  unsere  18.  Tafel,  Nr.  2  und  3  als  „Halsentzündung“.)

Als  zwei  dicke  Knollen  liegen  die  Mandeln  auf  beiden  Seiten  des  Rachens;
die  eine  zeigt  ein  kleines  Geschwür,  das  sehr  schmerzhaft  ist.  Wenn  Kinder  oder
Erwachsene  über  Halsschmerzen  klagen,  drücke  man  die  Zunge  mit  einem  Löffelstiel
  nieder,  sorge  für  gute  Beleuchtung  und  betrachte  sich  den  ganzen  Rachen.
Ist  er  bloß  gerötet,  dann  handelt  es  sich  um  Rachenentzündung,  die  oft  mit
heftigem  Schnupfen  zusammenhängt;  handelt  es  sich  um  einseitige  heftige  Schlingbeschwerden
  und  um  klopfenden  Schmerz,  dann  entsteht  ein  Geschwür  in  den
Mandeln,  und  es  bildet  sich  Eiter;  sind  sie  sehr  geschwollen  und  gerötet,  dann
haben  wir  Angina  vor  uns.  (Siehe  Abbildung  und  Artikel  „Diphtherie“.)

Eine  sogenannte  „Erkältung"  ist  die  häufigste  Ursache;  manchmal  ist  diese
aber  auch  nicht  nachzuweisen.  Auch  liegt  es  in  unserer  Hand,  uns  durch  richtige
Lebensweise  vor  Erkältungen  zu  bewahren.  (Siehe  „Abhärtung".)  Der  Zustand
dauert  vier  bis  acht  Tage  und  kann  mit  großen  Beschwerden  verbunden  sein.

Behandlung.  Bei  beginnenden  Schlingbeschwerden  nehme  man  sofort
ein  Heißluftbad  und  schwitze  darin,  mit  nachfolgendem  Halbbad,  oder  man
nehme  ein  heißes  Vollbad  von  37°  bis  42°  C.  aufsteigend,  10  Minnten.
Darnach  Einwicklung  in  trockene  Tücher,  gute  Bedeckung  und  Nachschwitzen.
(Personen  mit  Herzleiden  dürfen  diese  Anwendungen  nicht  machen.)

Diesem  ein=  bis  zweistündigen  Schwitzen  lasse  man  eine  kühle  Abwaschung,
  Übergießung  oder  Halbbad  folgen.  Kühle  Halswickel  wechsle  man
stündlich,  durch  ein  Klystier  von  36°5  C.  entleere  man  sofort  den  Darm,  und
nachts  lege  man  kalte  Wadenwickel  an.  Jeden  Morgen  führe  man  eine  Übergießung
  von  40°%  und  25°%  C.  aus,  indem  man  zuerst  das  warme  Wasser,
dann  das  kühle  auf  den  Oberkörper  gießen  läßt,  tüchtig  frottiert  und  ins
Bett  zurückgeht.  Man  genieße  nur  kühles  Apfelkompott,  Himbeerwasser  und
bei  Verlangen  darnach  laue  Suppen  (ohne  Fleischbrühe),  nichts  Festes  und
nichts  Erregendes.  Möglichst  gleiche  Temperatur  des  Zimmers  ist  sehr  wohltätig,
  doch  lasse  man  die  Lüftung  ja  nicht  darunter  leiden.  Bei  quälenden
Halsschmerzen  bringen  Formamint-Tabletten  Erleichterung.  Sie  wirken
bakterientötend  und  vermindern  daher  die  Hestigkeit  der  Entzündung.  In
geringen  Mengen  kann  man  sie  auch  Kindern  geben.

Ankplose.  Wenn  Gelenke  nach  andauernden  Entzündungen  knöchern
oder  häutig  verwachsen,  so  daß  die  Beweglichkeit  verloren  geht,  dann  spricht
man  von  Gelenksteifigkeit  oder  Ankylose.  Chirurgische  oder  orthopädische
Behandlung  kann  Hilfe  bringen.  In  den  meisten  Fällen  wird  man  jedoch
bei  richtiger  Behandlung  der  vorangehenden  Krankheit  dem  Eintritt  einer
Versteifung  vorbeugen  können.