Anschwellung  —  Ansteckende  Krankheiten.  455

Anschwellung.  Wenn  ein  Organ  oder  eine  Hautstrecke  ihren  Umfang
sichtbar  vergrößert  zeigt,  wenn  sich  Blut  oder  Lymphe  in  demselben  ansammeln,
so  daß  man  auch  von  einer  „Anschoppung“  sprechen  kann,  dann  entsteht
eine  Anschwellung.  Dies  ist  ebenso  am  Fuße  zu  beobachten  wie  an  der
Leber,  oder  an  der  Gebärmutter.  Ursache  sind  Kreislaufstörungen,  einwirkende
Reize  verschiedener  Art,  welche  sowohl  von  außen  wie  von  innen  wirken  können.

Behandlung.  Man  bemühe  sich,  die  Kreislaufstörungen  mit  ärztlicher
Hilfe  festzustellen,  beseitige  die  Reize  und  wirke  ableitend  ein  durch  heiße  und  kalte
Wasseranwendungen  an  entfernten  Körperstellen.  (Siehe  „Wasserheilkunde“.)

Ansprung.  Dies  ist  ein  häßlicher  Ausschlag,  der  näßt  und  Borken
bildet  und  meistens  auf  dem  Kopfe  kleiner  Kinder  entsteht.  Ein  Zeichen  der
Gesundheit  ist  er  niemals;  Arzneisiechtum,  schlechte  Ernährung  der  Eltern,
Tuberkulose  in  der  Familie  und  anderes  ist  oft  die  Ursache;  sehr  häufig  ist
aber  auch  nur  die  künstliche  Ernährung  des  Säuglings,  schlechte  Säftebildung,
  schuld;  man  erreicht  sofort  Besserung,  wenn  man  die  Ernährung  ändert.

Behandlung.  Sie  richtet  sich  je  nach  dem  Allgemeinzustand  des  Kindes.
Alle  Sorgfalt  auf  die  Ernährung  ist  unsere  erste  Aufgabe;  man  wechsle  die
Kuhmilch  und  setze  ihr  Dr.  Lahmanns  Vegetabilische  Milch  zu,  damit  das
Kind  mehr  Nährsalze  erhält,  ferner  lege  man  es  täglich  nackt  in  die  Sonne  und
bade  nur  einmal  (37°)  5  Minuten  (den  Kodpf  mit),  Abkühlung  bis  27°  und  gebe
nachts  kalten  Leibaufschlag.  Auf  den  Ausschlag  lege  man  zarte  Läppchen  mit
Lanolin  oder  Mandelöl  bestrichen,  welche  kühlen  und  das  Jucken  vermindern.

Wasseraufschläge  mache  man  auf  die  geröteten  und  nässenden  Stellen
nur  ganz  selten,  sie  reizen  zu  sehr.  Geschwächten  Kindern  sind  Kräuterbäder,
ein=  bis  zweimal  wöchentlich,  sehr  wohltätig,  auch  Schwitzpackungen  sind  bei
kräftigen,  dicken  Kindern  mitunter  sogar  notwendig,  und  Kopfwaschungen  mit
Faulbaumrinde  werden  empfohlen;  aber  darüber  muß  der  einzelne  Fall
entscheiden,  eine  für  alle  Fälle  gültige  Behandlung  läßt  sich  nicht
angeben.  Bei  schweren  Fällen  ist  eine  Amme  das  einzige  Heilmittel.

Anstechende  Krankbeiten.  Alle  Krankheiten,  die  auf  andere
übertragen  werden,  nennt  man  „ansteckend“.  Allbekannt  ist  es  aber,  daß  man,
um  angesteckt  werden  zu  können,  „Disposition“,  d.  i.  Veranlagung,  zu  einer
bestimmten  Krankheit  haben  muß.  Nicht  jeder  kann  angesteckt  werden!  Worin
diese  „Disposition“  besteht,  ist  noch  nicht  klargestellt,  wahrscheinlich  ist,  daß
viel  „totes  Gewebe“  im  Körper  des  „Angesteckten“  vorhanden  sein  muß,  daß
der  Stoffwechsel  ein  träger  ist,  der  das  Eindringen  giftiger  Fremdkörper
nicht  zu  verhindern  vermag,  oder  nicht  die  Kräfte  erzeugt,  sie  zu  vernichten.
(Näheres  darüber  unter  „Bakterienlehre“.)  Gleiche  Lebensweise  macht  zu
gleichen  Krankheiten  geneigt,  die  mitunter  wie  ein  reinigender,  alles  aufrührender
  Sturmwind  unter  die  mit  zahllosen  schlechten  Gewohnheiten  dahinlebenden
  Menschen  fahren;  gereinigte  Luft,  gereinigte  Körpersäfte  lassen  sie
zurück.  Darum  sagt  man  auch,  die  Krankheiten  seien  die  Polizeiorgane  der