456  Ansteckende  Krankheiten.

Natur,  welche  die  Ordnung  aufrecht  erhalten.  Schlimm  aber  ist  es,  daß  solche
Organe  notwendig  werden!  Wo  Ordnung  und  Reinlichkeit  herrscht,  sind  sie  überflüssig.
  Leider  sind  sie  auch  gefährlich;  denn  wie  der  Sturmwind  manchen  Baumstamm
  knickt,  so  wird  auch  mancher  Angesteckte  durch  die  Krankheit  vernichtet.

Wie  begegnen  wir  solchen  Gefahren?

1.  Durch  Vorbeugung.  Gesundheitspflege  werde  nie  vernachlässigt,
damit  Haut  und  Verdauungsorgane  eindringenden  Feinden  gegenüber  stets
gewappnet  bleiben.  In  epidemischen  Zeiten  aber  beobachte  man  noch  besondere
Vorsichtsmaßregeln.  Wenn  alles  umher  erkrankt,  werden  tatsächlich  Krankheitskeime
  nur  zu  leicht  verschleppt;  da  gilt  es  denn,  die  peinlichste  Reinlichkeit
zu  beobachten.  Alle  Lebensmittel  reinige  man  vor  dem  Gebrauch  teils  durch
Eintauchen  in  heißes  Wasser,  Erhitzen  im  Ofenrohr,  oder  mindestens  Abwischen
mittelst  feuchter  Tücher;  die  Hände  werden  vor  jeder  Mahlzeit  mit  Seife  gereinigt,
und  alle  Hausgenossen  lasse  man  täglich  ein  warmes  Seifen  bad  nehmen.  Die
Lüftung  sei  dreimal  so  reichlich  als  in  gewöhnlichen  Zeiten,  vor  allem  aber
erhalte  man  den  Magen  gesund,  da  durch  ihn  die  meisten  Krankheitskeime
zerstört  werden,  solange  der  Magensaft  die  richtige  Beschaffenheit  hat.

Dies  geschieht  durch  einfache,  wohl  überlegte  und  der  Jahreszeit
angepaßte  Kost.  Bier,  Essig  und  Obstgenuß  sind  z.  B.  sehr  schädliche
Mischungen;  fettes  Fleisch,  Süßigkeiten  und  Obst  haben  auch  schon  manchem
den  Magen  verdorben.  Jedes  „Magenverderben"  schwächt  aber  den  Magensaft
und  da  kann  leicht  etwas  durchschlüpfen,  was  sonst  nicht  gelungen  wäre.
Bleibt  man  aber  bei  Mehlfrüchten,  Milch,  gut  zubereitetem  Gemüse  und
gereinigtem  Obst,  so  bleiben  eine  Menge  Gärungsvorgänge  aus,  unter  welchen
zahllose  Personen  der  gemischten  und  reichen  Küche  beständig  leiden.

Solches  diätetisches  Verhalten  ist  besonders  in  Cholerazeiten  sehr
notwendig.

Bei  Keuchhusten,  Scharlachepidemien  usw.  lasse  man  jugendliche
Personen,  die  daran  noch  nicht  erkrankt  waren,  mehrere  Schwitzbäder  nehmen,
um  den  Körper  zu  reinigen,  mache  mit  ihnen  erfrischende  Ausflüge  in  die
Umgebung  und  lasse  kein  Furchtgefühl  aufkommen.  Dieses  lähmt  die  Widerstandskraft
  des  Körpers  und  schadet  oft  mehr  als  anderes.

Muß  man  aber  in  ein  Krankenzimmer  eintreten,  wo  Typhus,  Cholera,
Diphtherie  usw.  herrschen,  so  vermeide  man  daselbst  Essen  und  Trinken,
berühre  den  Kranken  nicht  unnötigerweise,  wasche  die  Hände  draußen  mit  heißem
Sodawasser  und  wechsle  die  Kleider  sofort,  wenn  man  nach  Hause  kommt.
Die  getragenen  Kleider  aber  hänge  man  an  die  Luft,  mindestens  24  Stunden
lang.  Auch  Speichel  schlucke  man  nicht,  solange  man  bei  dem  Kranken  weilt.
Hat  man  aber  Krankenpflege  übernommen,  dann  ist  man  verpflichtet,  sich  selbst
als  übertragbares  Objekt  zu  betrachten  und  Verkehr  nach  außen  zu  vermeiden.
Wo  mehrere  Kinder  im  Hause  sind,  verlasse  man  das  Krankenzimmer  gar
nicht,  sondern  lasse  sich  alles  Nötige  an  die  Tür  reichen.  Gebrauchte  Wäsche