Aphten  —  Appetitlosigkeit.  459

warme  Halspackungen  und  zur  Ableitung  heiße  Fußanwendungen
(Dampf-  oder  Wechselbad).  (Siehe  „Kehlkopferkrankungen“.)

Aphten.  Man  bezeichnet  damit  weiße  Bläschen  mit  rotem  Hofe,  welche
sich  meist  unter  Fiebererscheinungen  auf  der  Mundschleimhaut  entwickeln.  Sie
kommen  am  häufigsten  bei  Kindern  vor  und  sind  sehr  schmerzhaft.  Da  mit
der  Mundhöhle  der  Verdauungskanal  beginnt,  muß  man  stets  an  eine  Erkrankung
  des  letzteren  denken.  (Siehe  Tafel-  Nr.  18  „Mundkrankheiten“.)

Behandlung.  Mit  lauem  Wasser  34°  C.  spüle  man  mittelst  einer
Glasspritze  die  Mundhöhle  täglich  aus,  auch  mehrmals  und  insbesondere  nach
jeder  Nahrungsaufnahme.  Die  Nahrung  bestehe  nur  aus  Milch,  dicken  Suppen,
Obstsäften,  weil  Kauen  zu  schmerzhaft  ist.  Dann  werde  täglich  eine  nasse
Ganzpackung  gegeben  (siehe  diese),  von  ein  bis  zwei  Stunden  Dauer,  darnach
  Halbbad  von  36°"  mit  Rückenguß  26°  C.  Zweistündlich  kalte  Leibwickel,
  wenn  nötig  täglich  Entleerungsklystiere.  Bei  solcher  Behandlung
schwinden  die  heftigen  Symptome  sehr  bald.  Niemals  wende  man  das  übliche
Kali  chloricum  an,  mit  dem  auch  schon  so  mancher  vergiftet  wurde.

Dagegen  gebe  man  bei  Hartleibigkeit  und  Appetitlosigkeit  gleich  am
Anfang  zwei=  bis  dreimal  einen  leicht  treibenden  Tee  von  Faulbaumrinde
und  Schlehdornblüte  abends  und  morgens  zu  trinken,  der  bald  alle  krankmachenden
  Ansammlungen  im  Darm  heraustreibt.  Sowie  dieser  leer  wird,
läßt  das  Fieber  nach.  Klystiere  wirken  nicht  bis  in  den  Dünndarm  hinauf.

Auch  Erwachsene  leiden  nicht  selten  an  diesem  unangenehmen  Übel.

Apollinarisbrunnen  ist  ein  alkalischer  Säuerling,  ähnlich  dem
Gießhübler,  Rohitscher,  Selterswasser,  beliebt  bei  schwacher  Verdaunng,
anregend  und  leicht  abtreibend,  darf  aber  nicht  zu  häufig  genossen  werden.

Hpoplexie.  Bei  Aderzerreißung  im  Gehirn  findet  plötzlicher  Bluterguß
  in  dieses  statt,  wodurch  es  in  seinen  Funktionen  gehemmt  wird.  Daher
entsteht  Ohnmacht,  Lähmung,  auch  Tod  im  Anschluß  daran,  worunter  man
„Schlagfluß“  versteht.

Hppetitlolsigkeit  ist  besonders  unter  der  Frauenwelt  mit  ihrer
Nervenschwäche  sehr  häufig  anzutreffen.  Es  ist  der  Mangel  an  Eßlust  und
der  nicht  seltene  Widerwille  vor  aller  Nahrung  bei  Magenleiden,  der  sich  mit
Gemütsverstimmung,  allgemeiner  Schwäche,  schlechtem  Aussehen  einstellt.  Stets
forsche  man,  ob  es  sich  um  Magenkatarrh  handelt  oder  um  Gemütsaufregungen,
um  Blutarmut,  allgemeine  Trägheit  des  Stoffwechsels  oder  um  eine  beginnende
schwere  Erkrankung  anderer  Organe.  Die  Allopathie  gibt  Bittermittel
dagegen  (Amara);  wir  bekämpfen  die  Grundursache  und  erzielen  durch  Anregung
des  Stoffwechsels  auch  den  fehlenden  Hunger.

Behandlung.  Bei  auszuschließendem  Magenkatarrh:  frisches  Wasser
täglich  mehrmals  schluckweise  trinken,  feste  Nahrung  vermeiden,  bis  Verlangen
eintritt,  langsam  täglich  Bergsteigen,  möglichst  in  der  Sonne,  bis  leichter  Schweiß
eintritt;  wer  dies  nicht  kann,  gehe  außerhalb  der  Stadt.  Alle  zwei  Tage  nehme