Arterienverkalkung  —  Arznei.  465

alle  zehn  Minuten  höchstens  ein  Gramm  gegeben,  bis  Wirkung  eintritt.  Als
Gegengift  wird  auch  gebrannte  Magnesia  gereicht,  sie  soll  aber  oft  im
Stiche  lassen;  es  ist  daher  eine  rasche  Entleerung  des  Magens  gewiß  das
rationellste.

Ist  die  Entleerung  erfolgt,  dann  sorge  man  für  kräftige  Ausscheidung
durch  Niere  und  Haut,  gebe  heißes  Vollbad  mit  Trocken  packung  und  lasse
tüchtig  schwitzen,  damit  das  bereits  aufgenommene  Gift  nicht  lange  im  Körper
verweile.  Reichliches  Wassertrinken  ist  dabei  sehr  nutzbringend.  Bei  chronischer
Vergiftung  ist  die  Behandlung  um  so  schwieriger,  je  geschwächter  der  Kranke
bereits  ist.  „Trockenkur“  ist  dann  am  wirksamsten,  aber  oft  auch  zu  stark  für
die  vorhandenen  Kräfte,  läßt  sich  jedoch  nur  in  einer  Heilanstalt  ausführen.

Hrterienverkalkung.  (Arteriosklerose).  Man  zählt  sie  zu  den

„Altersveränderungen“,  die  aber  unter  ungünstigen  Umständen  sehr  oft  schon
in  den  vierziger  Jahren  auftritt.  Sie  besteht
in  einer  Verdickung  der  Gefäßwände,  in  welchen
sich  bald  Kalk  einlagert,  welcher  die  ursprünglich
elastischen  Blutschläuche  hart  und  starr  macht.
Bei  Gicht,  Nierenerkrankung,  Alkoholismus  usw.
tritt  diese  gefährliche  Verhärtung  der  Schlagadern
  sehr  oft  als  Folgekrankheit  ein.  Sie  hat
eine  Steigerung  des  Blutdruckes,  Zirkulationsstörungen,
  schließlich  Herzvergrößerung,  Gehirnblutungen
  (siehe  Schlagfluß)  zur  Folge.  Wer
gesunde  innere  Organe  hat,  sich  vor  unmäßigem  gig.  26r.  Heulensawi
Essen  und  Trinken  hütet,  weder  zu  schwer  noch  V#.  209  GN  8  ingen.
zu  wenig  arbeitet,  bekommt  keine  Arteriosklerose.
Jahrelanger,  regelmäßiger  Alkoholgenuß  aber  schafft  günstige  Verhältnisse
für  die  Entwicklung  dieser  Krankheit.  Dieser  Hinweis  deutet  uns  die  Behandlung
  an.  Übrigens  ist  dieser  Zustand  oft  gar  nicht  nachzuweisen  und
sind  auch  die  Symptome  sehr  verschieden.

Krznei.  Alle  Fremdstoffe,  die  in  den  Körper  eingeführt  werden,  um
eine  bestimmte  Heilwirkung  zu  leisten,  und  deren  Menge  und  Form  von  Arzten
bestimmt  und  von  Apothekern  zugerichtet  werden,  nennt  man  „Arzneien“.  Sie
sind  dem  Tier-,  Pflanzen=  oder  Mineralreich  entnommen  und  an  Zahl  Legion.
Sie  wechseln  beständig,  je  nach  den  ärztlichen  Anschaunngen  oder  den  subjektiven
  Erfahrungen  ihres  Entdeckers,  werden  heute  als  unvergleichliches  Heilmittel
  ausposaunt  und  morgen  als  gefährliches  Gift  in  die  Rumpelkammer
geworfen.  So  erging  es  unzähligen,  ursprünglich  gepriesenen  „Heilmitteln“!
Die  gefährlichsten  unter  ihnen  sind  die  dem  Mineralreiche  entnommenen;
doch  auch  das  Pflanzenreich  enthält  viele  Giftsäfte,  welche  von  den  Tieren
ängstlich  gemieden  werden.  Werden  sie  in  großen  Mengen  einverleibt,  dann

wirken  sie  lähmend,  tötend;  in  kleinen  Mengen  und  vorsichtigen  Verbindungen
Die  Frau  als  Hausärztin.  30