466  Arzneisiechtum.

aber  regen  sie  die  Selbsttätigkeit  des  Organismus  vorübergehend  und  oft
heilsam  an.  Darauf  sind  zuweilen  ihre  auffallend  günstigen  Wirkungen  zurückzuführen.
  Wiederholt  man  sie  zu  oft,  oder  entstehen  wie  bei  den  meisten
unerklärte  Nebenwirkungen,  dann  erlahmt  unsere  innere  Wehrkraft,  und  es
stellt  sich  zu  der  Hauptkrankheit  noch  eine  Arzneikrankheit  ein.  Das  sind
dann  die  sogenannten  „Nebenwirkungen“  der  Arzneien,  die  übrigens  bei  übertriebenen
  Wasseranwendungen
  auch  eintreten
können.

Hrzneisiechtum.
Unzählige  Menschen  leiden
  an  Arzneisiechtum,
  nachdem  sie  fast
täglich  irgend  etwas  eingenommen

  haben,
immer  in  der  Hoffnung,
endlich  dasjenige  Mittel
zu  treffen,  welches  ihnen
die  ersehnte  Heilung
bringen  wird.  Inzwischen
  verliert  der  Organismus
  immer  mehr
seine  Widerstandskraft;
es  bilden  sich  gefährliche
  Ablagerungen  im
Körper,  und  weiter  entwickelt
  sich  unheilbares
Arzneisiechtum.  Gerade
  unter  den  Frauen
herrscht  oft  wahre  Arzneimittelsucht,
  und
die  Folge  sind  traurige

Fig.  268.  Planarmstreckung  (Widerstandsbewegung).  Verwüstungen  an  ihrem

Leibe.  Sie  lassen  sich

aber  selten  aufklären  und  sind  meist  für  richtige  Gesundheitspflege  unzugänglich.
  Solchen  ist  nicht  mehr  zu  helfen!

Halte  man  wenigstens  die  Kinder  frei  von  Arznei  und  erstrebe  in  jedem
Hause  eifrig  jene  Gesundheitspflege,  wie  wir  sie  im  I.  Teile  unseres  Buches
geschildert  haben.  Dann  wird  man  das  Dasein  der  Arzneien  überhaupt  ganz  vergessen!
  Mit  Genngtuung  nuß  bestätigt  werden,  daß  alle  aufrichtigen  und
fortschrittlichen  Arzte  an  Stelle  der  Arzneiverordnung  immer  mehr  die
Hygiene  setzen.