Augenkrankheiten.  477

bung  an  der  Oberfläche  ungleich  ist.  Auch  das  schielende  Auge  kann  hinzugerechnet
  werden.  Alle  diese  Baufehler  erschweren  Arbeiten  in  der  Nähe  oder
den  Gebrauch  des  Auges  für  die  Ferne  und  beeinflussen  das  ganze  Wesen
des  Menschen.  Der  „Adlerblick“  des  kräftigen  Normalsichtigen,  der  seine  ganze
Umgebung  mit  einem  Bilick  übersieht,  was  ihn  sofort  zum  Herrn  seiner  Lage
macht,  fehlt  dem  Kurzsichtigen  vollständig.  Schen  und  unsicher,  mit  ausdruckslosem
  Blick  steht  er  da,  er  begreift  nicht,  was  um  ihn  herum  geschieht,  und
ist  deshalb  sehr  beklagenswert.  Übermäßige  Nahearbeit,  Stubenleben,
körperliche  Verkümmerung  haben  auch  solche  Entartung  der  Augen  zur
Folge.

Die  dritte  Gruppe  der  Augenkrankheiten  wird  bei  den  ursächlichen
Leiden  behandelt.

Behandlung  der  Augenkrankheiten.  Sie  muß  eine  sehr  sorgfältige  sein
und  nur  von  fachkundiger  Hand  geleitet  werden.  Die  Unterscheidung  der
einzelnen  Leiden  von  einander  ist  dem  Laien  nicht  möglich,  man  hole  sich
daher  immer  zuerst  die  Diagnose  von  einem  guten  Augenarzt  und  lasse  sich
daun  von  einem  anderen,  welcher  die  physikalisch-diätetische  Heilmethode  vertritt
und  Giftanwendung  vermeidet,  behandeln.  Im  allgemeinen  läßt  sich  sagen,
daß  bei  Entzündungen,  sogenanntem  „Augenkatarrh“,  laue  Aufschläge
und  Augenbäder  am  Platze  sind,  vorher  aber  Beseitigung  aller  Ursachen
der  Entzündung,  sofern  sie  bekannt  sind,  und  kräftige  Ableitung,  entweder,
  je  nach  den  sonstigen  Verhältnissen,  in  Ganzpackungen  oder  „Bettdampfbädern“
  bestehend,  oder  in  Fußdampfbad,  Wechselsitzbädern  usw.,  bei
reizloser  Kost  und  täglicher  Darmentleerung.  Gewisse  komplizierte  Augenleiden
  jedoch,  die  auch  mechanische  Eingriffe  erfordern,  sollten  nur  von  Augen-Spezialisten
  behandelt  werden,  weil  nur  diese  die  dazu  genügend  geübte  Hand
und  die  nötige  Erfahrung  besitzen.  Wie  manches  Auge  ist  schon  zugrunde
gegangen,  weil  es  nie  in  die  rechten  Hände  kam!  Einige  schwere  Augenkrankheiten
  werden  in  unserem  Buche  besonders  besprochen.  (Siehe  Tafel  15.)

Die  „Brechfehler“  des  Auges  liegen  in  seinem  Bau,  sind  also  meist
unheilbar;  doch  können  sie  durch  unsere  Lebensweise  bedeutend  beeinflußt
werden.  Wesentlich  vermindert  werden  ihre  Nachteile  durch  Benützung  der
Augengläser,  die  abermals  nur  ein  sorgfältiger  Augenarzt,  ohne  Fehler
zu  machen,  verordnen  kann.  (Siehe  „Brillen“.)

Bei  Kindern  kommen,  außer  der  bösartigen  Augenentzündung  der  Neugeborenen
  (siehe  Seite  (380)  am  häufigsten  das  „Gerstenkorn“,  die  „strofulöse
  Augenliderentzündung“,  der  Bindehautkatarrh  und  die  schmerzhafte
Bläschenbildung  auf  der  Hornhaut  zur  Beobachtung.  Ob  es  sich  um  das
Eine  oder  das  Andere  handelt,  kann  eine  nicht  ärztlich  geschulte  Mutter
schwer  selbst  unterscheiden.  Wenn  sie  also  Schwellung,  Rötung,  verklebte
Lider,  Lichtscheu  bei  einem  Kinde  bemerkt,  wenn  es  über  Brennen,  Stechen,
Druck  klagt,  hole  sie  beizeiten  das  Urteil  eines  Augenarztes  ein  und  behandle,