478  Augenkrankheiten.

die  im  Vorstehenden  gegebenen  allgemeinen  Regeln  stets  beachtend,  wie  nach—
folgend  angegeben  wird.

Gerstenkorn.  Man  nennt  ein  Geschwürchen  auf  dem  Lidrand  des
Auges,  aus  einer  Drüse  entstehend,  Gerstenkorn.  Es  ist  recht  schmerzhaft
und  mitunter  mit  umfangreicher  Entzündung  verbunden.  Zweistündlich  zu
wechselnde  warme  Aufschläge,  einige  Sitzbäder  und  Klystiere,  alles  Erhitzende
und  Erregende  in  der  Nahrung  vermeiden,  auch  Augendampf,  und  die  Sache
ist  bald  wieder  in  Ordnung  und  in  Heilung  übergegangen.  Bleiben  kleine
Verhärtungen  und  Verfärbung  zurück,  dann  mache  man  nachts  eine  erregende
Augenpackung  (kaltes  Sfaches  Läppchen,  darüber  trockene  Watte  und  Gazebinde)
  und  bei  Tag  zweimal  5  Minuten  lang  Augenbäder  von  370.  Auch  zarte
Augenmassage  ist  angebracht.

Verletzungen  des  äußeren  Auges  (Stich,  Stoß,  Einrisse).  Man
spüle  mit  abgekochtem  Wasser  lau  mit  kleiner  Spritze  das  Auge  unter  und
über  den  Augenlidern  sauber  ab,  lege  trockene  Wundgaze  darauf,  dann  etwas
Watte  und  befestige  das  Ganze  mit  Mullbinden,  wie  Fig.  277  u.  278  es
vorführen.  Besteht  irgendwo  ein  klaffender  Riß,  dann  muß  dieser  vom  Angenarzt
  genäht  werden.  Man  bemühe  sich,  die  dabei  stets  auftretende  starke
Blutung  mit  kleinen,  in  heißes  Wasser  getauchten  Wattebauschen,  dann  fest
um  den  Kopf  gelegtem  Verband  (Fig.  277)  zu  stillen.  Im  Verlaufe  der
weiteren  Behandlung  muß  man  dem  verletzten  Auge  Ruhe  lassen,  aber  auch
allgemeine  Erhitzung  des  Patienten  verhüten,  beispielsweise  wildes  Herumtollen
  der  Kinder.  Sehr  wichtig  ist  bei  allen  Arten  von  Augenleiden  die
tägliche  Stuhlentleerung,  wie  schon  wiederholt  bemerkt  wurde.

Stoßverletzungen,  welche  zu  keiner  äußerlich  wahrnehmbaren  Beeinflussung
  führten,  wohl  aber  zu  Schwellungen  und  Verfärbungen,  werden
am  besten  behandelt,  indem  man  sofort  eine  größere  laue  Kompresse  macht
und  diese  mit  Mullbinde  befestigt.  Man  erneuert  sie,  wenn  sie  trocken  geworden
  und  beseitigt  damit  bald  auch  alle  Schmerzempfindungen.  Ist  die
Schmerzhaftigkeit  nach  einigen  Tagen  ganz  gewichen,  dann  empfiehlt  es  sich,
die  blauverfärbten  Stellen  mit  geölten  Fingern  zart  zu  massieren.

Die  „skrofulöse  Augenentzündung“,  die  mehr  oder  minder
oft  jahrelang  besteht  und  sich  in  geschwollenen,  geröteten  Augenlidern,  die
mit  Krusten  bedeckt  sind  und  stellenweise  die  Augenwimper  einbüßen,  äußert,
bedarf  dringend  peinlicher  Allgemeinbehandlung,  denn  es  fehlt  bei  solchen
Kindern  auch  andernorts.  Geschwollene,  auf  Druck  mitunter  schmerzhafte  Lymph-=drüsen
  am  Halse,  Ausschläge,  Neigung  zu  Eiterungen  aller  Art,  häufige  Verdauungsstörungen,
  Ohren=  oder  Nasenkatarrhe  usw.  plagen  Skrofulöse.  (Siehe
Behandlung  dieser  unter  „Skrofulose“.)  Neben  dieser  sind  tägliche  warme
Angenbäder  (siehe  Seite  475)  unerläßlich;  zur  Aufweichung  der  Krusten  und
Verminderung  der  Schwellung  sind  Aufschläge  1—2  Stunden  lang  mit  28°  R.
sehr  wohltätig.  Verschiedene  Kräuterärzte  empfehlen  bei  anhaltenden  entzünd-