484  Augenschwäche  —  Ausbleiben  der  Menstruation.

Uugenschwäche.  Man  spricht  von  ihr,  wenn  die  Leistungsfähigkeit
  des  Auges  herabgesetzt  ist,  ohne  daß  bestimmte  Krankheiten  oder  Fehler
vorliegen.  Sie  tritt  bei  anämischen  und  neurasthenischen  Personen  auf  und
kann  einer  schweren  Erkrankung  vorausgehen  oder  nachfolgen;  sie  kann  mit
Beginn  der  Alterssichtigkeit  (Presbyopie)  in  den  vierziger  Jahren  eintreten
  und  Jahre  hindurch  bestehen  bleiben.  Auch  bei  kränklichen  Kindern
ist  sie  oft  schon  vorhanden  und  drückt  dem  ganzen  Individuum  einen
traurigen  Stempel  auf.  .

Die  Alterssichtigkeit  besteht  in  einer  Abnahme  der  Anpassungsfähigkeit
der  Linse,  die  mit  zunehmendem  Alter  starrer  wird.  Sie  wird  sehr  unangenehm
empfunden,  wenn  man  vorher  in  der  Naharbeit  nie  behindert  war.  Ist  man
zu  letzterer  gezwungen,  so  helfen  nur  Brillen.  Man  sorge  aber  für  häufige
Ruhepausen  für  das  Auge  und  streiche  es  öfter  von  innen  nach  außen.

Behandlung.  Man  sei  unablässig  bemüht,  den  ganzen  Menschen
zu  kräftigen;  alle  überflüssige  Anstrengung  der  Augen  vermeide  man;
Gartenarbeit,  viel  Aufenthalt  im  Freien  und  im  Grünen  ist  schwachen
Augen  sehr  wohltätig;  tägliche  kühle  Augenbäder,  drei  Minuten,  20  bis  28°  C.,
wirken  kräftigend  ein;  Augengläser  gebrauche  man  so  selten  als  möglich.
Bunte  Stickereien,  feine  weiße  Näharbeit  und  ähnliches  sind  solchen  Augen
sehr  schädlich,  natürlich  auch  das  Lesen  kleinen  Druckes,  insbesondere  bei
Lampenlicht.  Wer  auf  alles  dieses  achtet,  wird  sich  immer  noch  eine  gewisse
Sehkraft  erhalten.

Augenzãhne.  Die  Eckzähne  im  Oberkiefer,  deren  lange  Wurzeln
hoch  hinaufreichen,  heißen  wegen  der  Nähe  der  Augenhöhle  „Augenzähne“.
Sie  müssen  gerissen  werden,  wenn  Geschwülste  und  Eiterungen  im  Oberkiefer
entstehen,  um  einen  Abfluß  durch  die  Zahnlücke  zu  ermöglichen.

Husbleiben  der  Menstruation.  Es  ist  normal,  sobald  es  mit
Beginn  des  Matronenalters  zusammenhängt  oder  mit  beginnender  Schwangerschaft;
  es  ist  aber  krankhaft,  wenn  es  während  der  Zeit  der  Fruchtbarkeit,
also  etwa  in  der  Zeit  vom  14.  bis  45.  Jahr,  auftritt.  Häufig  beobachtet  wird
es  bei  Bleichsucht,  bei  nervösen  Personen,  bei  welchen  alle  Funktionen
unregelmäßig  sind,  während  des  Verlaufes  schwerer  chronischer  oder  akuter
Krankheiten,  z.  B.  bei  Lungentuberkulose  oder  Blinddarmentzündung  usw.
Der  unvermutete  Wiedereintritt  der  Menstruation  ist  dann  immer  als  ein
Zeichen  der  Genesung,  des  Beginnes  normaler  Funktionen  zu  betrachten.

Behandlung.  (Siehe  „Geschlechtsleben“  I.  Teil.)  Wir  haben  schon
an  anderer  Stelle  erklärt,  daß  man  es  dem  Organismus  überlassen  muß,
auch  den  monatlichen  Abgang  wieder  einzuleiten,  das  Forcieren-wollen  ist
nicht  am  Platze  und  Angstlichkeit  über  das  Ausbleiben  nicht  begründet.  Hat
man  richtige  Allgemeinbehandlung  eingeleitet,  so  stellt  sich  auch  diese  Funktion
wieder  ein,  sobald  sie  im  Verhältnis  zur  Kraft  des  Organismus  steht.  Man
darf  höchstens  bei  vorhandenem  Ziehen  im  Kreuze,  bei  menstrualen  Leib-