488  Ausspülungen.

Husspülungen.  Alle  Ausspülungen  der  Körperhöhlungen  dienen  in
Krankheitsfällen  dem  Fortschaffen  krankhafter  Ausscheidungsstoffe  und  sind  in
solchen  Fällen  oft  dringend  nötig.  Ein  gesunder  Mensch  aber,  welcher  oft
badet,  hat  innere  Ausspülungen  nicht  nötig.  Gesunde  Schleimhäute  sondern
wenig  ab,  und  dieses  Wenige  wird  von  äußerlichen  Bädern,  welche  den
Anfangsteil  der  nach  außen  mündenden  Kanäle  stets  bespülen,  hinweggeschafft.
Allen  Frauen  und  Mädchen  Spülkannen  in  die  Hand  zu  geben,  damit  sie
„täglich“,  wie  einzelne  männliche  Arzte  verlangen,  innere  Organe  ausspülen,
ist  daher  als  eine  Verirrung  zu  bezeichnen,  die  nur  Nachteile  bringen  kann.

«  Die  Scheidenausspülungen  wirken  durch  thermischen  und
mechanischen  Reiz,  d.  h.  durch  die  Temperatur  des  Wassers  und
durch  den  Druck  des  Wasserstrahls,  beides  Momente,  welche  die
Unterleibsnerven  erregen.  Mädchen  widersteht  es  in  hohem  Grade,
an  ihrem  Körper  in  dieser  Weise  herumzumanipulieren,  und  junge
Frauen,  die  durch  innere  Behandlung  noch  nicht  abgestumpft  sind,
klagen  oft  über  die  unangenehmen  Empfindungen,  welche  Ausspülungen
  der  Scheide  zurücklassen.  Das  Mutterrohr  sowohl
wie  der  Wasserstrahl  können  überdies  auch  geschlechtlich  erregend
wirken,  was  für  viele  weibliche  Personen  gerade  ängstlich  zu  vermeiden
  ist;  außerdem  gibt  der  innere  Reiz,  der  durch  den  Wasserstrahl
  erzeugt  wird,  zu  vermehrtem  Blutzufluß  zu  den  inneren
Organen  Veranlassung,  auch  ein  Faktor,  der  bei  Neigung  zu  inneren
Entzündungen  entschieden  vermieden  werden  muß.  Weil  der  männliche
  Arzt  sich  so  schwer  in  weibliches  Empfinden  hineinzudenken

Fig.  280.  vermag,  darum  wird  über  alle  diese  Umstände,  die  eine  allseitig  aus-Genshche
  gebaute  Frauenheilkunde  niemals  übersehen  wird,  leichtfertig  hinmit

  Scheiden=  weggegangen.  Bei  schmerzhaften  inneren  Entzündungen,  beinervösen,
dusche  für  empfindlichen  Individuen  verursachen  gewöhnliche  Ausspülungen
Frauen.  sogar  Schmerzen  und  hinterlassen  stundenlanges  Unbehagen.  —
Zur  Pflege  der  Reinlichkeit  dienen  tägliche  äußere  Bespülungen  mit  kaltem
oder  lauem  Wasser,  welche  man  allerdings  auch  jungen  Mädchen  zur  Gewohnheit
  machen  soll,  da  sie  zur  Erhaltung  der  Frische  und  Gesundheit  des  weiblichen
  Körpers  wesentlich  beitragen.  Sie  sind  leicht  auszuführen  (die  geschlossene
Hand  schleudert  das  Wasser  nach  dem  Unterleib),  sie  verletzen  das  Schamgefühl
  nicht  und  haben  niemals  die  oben  erwähnten  Nebenwirkungen.  Auch  in
der  Ehe  reichen  sie  aus,  es  sei  denn,  daß  man  behufs  Verhütung  der  Schwangerschaft
  eine  innere  Ausspülung  notgedrungen  machen  muß.  (Siehe  „Verhütung“.)
Weisen  Arzte  auf  die  Reinlichkeit  der  Tiere  hin,  die  keinerlei  Ablagerungen
  an  sich  dulden,  so  erwidern  wir,  daß  sie  gerade  die  Berechtigung
unserer  Behauptungen  beweisen,  da  sie  mit  ihrer  feinfühligen  weichen  Zunge
wohl  den  Anfangsteil  einzelner  Kanäle  erreichen,  niemals  aber  mit  harten
Fremdkörpern  hoch  hinauf  in  Körperhöhlen  eindringen.  Auch  hat  der  Mensch