492  Badewannen.

spielt  die  Bestimmung  der  Wärmegrade  in  der  Heilkunde  eine  große  Rolle
und  muß  sorgfältig  studiert  werden.

Bekanntlich  wirkt  die  Wärme  erweiternd,  die  Kälte  zusammenziehend:
höhere  Wärmegrade,  welche  die  Blutwärme  übersteigen,  wirken  in  hohem
Grade  erhitzend  und  erregend,  große  Kälte  lähmend  und  erstarrend,  während
mildere  Kältegrade,  insbesondere  bei  kurzer  Anwendung,  anregend  und  belebend
einwirken.  (Siehe  Hautpflege  im  sechsten  Kapitel,  I.  Teil.)

Bei  Reinigungsbädern,  die  weder  abkühlen  noch  erregen,  aber  zur
Lösung  des  Hautfettes  mit  beitragen  sollen,  wird  man  stets  nur  reines  Wasser
mit  etwa  Blutwärme  (37°  C.)  nehmen.  Es  leitet  dabei  die  Kenntnis,  daß  die
Reizwirkung  eines  Bades  um  so  geringer  ist,  je  geringer  die  Differenz  der
Wärme  des  Blutes  und  des  Bademittels  ist.  Man  nennt  solche  Bäder  darum
auch  „indifferente“,  d.  h.  beiläufig  „gleichgültige“,  obwohl  bei  jedem  Bade
neben  Wärmeverlust  Reizwirkungen  stattfinden,  die  bei  Kranken  sogar  von
größtem  Einfluß  sein  können.

Zu  „Erfrischungszwecken“
nimmt  mangerne  kühlere  Temperatur,
also  beispielsweise  30%  bis  20%  C.,
um  anzuregen  und  bei  vorhandener
Erschlaffung  vermehrten  Stoffwechsel
und  eine  nachträgliche  bessere  Durchblutung
  der  Haut  herbeizuführen.

Üüber  die  Bäder  zu  Heilzwecken
läßt  sich  wenig  Allgemeines  sagen,
weil  sie  sich  ganz  nach  dem  jeweiligen
Zustand  richten  und  ihre  Anwendung
sehr  mannigfaltig  ist.  Wichtig  ist
zu  merken,  daß  bei  nervösen,  geschwächten  und  alten  Menschen  schon  eine  kleine
Differenz  zwischen  Blutwärme  und  jener  des  Bades  genügt,  um  zu  erregen  oder
bedeutend  abzukühlen,  also  beispielsweise  drei  bis  vier  Grad;  ferner,  daß  bei
Herzschwachen  plötzliche  Abkühlungen  vermieden  werden  müssen,  dagegen
allmähliche  Abkühlung  des  Badewassers  sehr  gut  vertragen  wird,  da  das
Gefässystem  dann  Zeit  hat,  sich  der  äußeren  Temperatur  anzupassen.

Man  unterscheidet  Kopf-,  Gesichts-,  Arm-,  Sitz-,  Bein-,  Fußbäder,  Vollbäder,
  Halbbäder,  kalte,  laue,  heiße  Bäder,  lange,  kurze  Bäder  und  „Eintauchen“.

Badewannen.  Gefäße  aus  Blech,  Holz  oder  Porzellan  usw.,  die  nur
zum  Baden  dienen,  nennt  man  „Wannen“.  Ihre  Form  ist  verschieden,  je  nach
dem  Körperteil,  für  den  sie  bestimmt  sind.  Wir  bringen  hier  die  wichtigsten  zur
Orientierung  für  Hausfrauen,  die  oft  nicht  wissen,  welche  Art  sie  einkaufen  sollen.

Die  praktischsten  für  jeden  Haushalt,  in  welchem  auch  Kinder  sind,  sind
die  Rumpfbadewannen,  weil  sie  die  Ausführung  der  Sitzbäder  sowohl
wie  Rumpfbäder  und  Halbbäder,  sowie  allerlei  Güsse  gestatten.

Fig.  283.  Halbbad  für  Kinder  in  der
Rumpfbadewanne  ausgeführt.