494  Badespiegel  —  Bakterien.

sei  heizbar,  habe  ein  großes  Fenster,  damit  Luft  und  Licht  hinein  können,  enthalte
eine  große  Wanne  mit  Badeofen,  ein  kleines  Sitzbad,  eine  Fußwanne  und  eine  gepolsterte
  Ruhebank  (auch  Chaiselongue)  die  zum  Ausruhen,  zur  Massage  oder  zu
Ganzpackungen  dient;  ferner  sind  angenehm  ein  Tischchen  mit  Spiegel,  ein  Kleiderhalter
  an  der  Wand,  zwei  Stühle  und  ein  Gestell,  auf  welchem  stets  Handtücher,
weiche  und  rauhe  (zum  Frottieren),  ferner  rohseidene  Packtücher  liegen.  Ein  oder
zwei  wollene  Decken  sollen  auf  der  Ruhebank  stets  bereitliegen,  um  sowohl  zur
Erwärmung  wie  zu  Packungen  zu  dienen.  Die  große  Wanne  ist  am  besten  aus
Gnußeisen,  innen  weiß  emailliert,  da  solche  ebenso  haltbar  wie  leicht  zu  reinigen
ist.  Porzellanwannen  sind  auch  sehr  schön  und  reinlich,  aber  viel  teuerer
und  umständlicher.  (Siehe  Näheres  unter  „Packungen“.)  Wo  ein  solches  Badezimmer
  vorhanden,  dort  hat  man  sicher  auch  Sinn  für  richtige  Gesundheitspflege,
  und  dort  versteht  man  es  auch,  Krankheiten  zu  begegnen.

Badespiegel.  Dies  ist  ein  durchlöchertes  Instrument,  das  von  den
Frauen  im  Bade  eingeführt  wird,  um  eine  Ausspülung  der  Scheide  zu
bewirken.  Wir  empfehlen  seine  Anwendung  nicht,  da  im  Sitzbade
oder  Vollbade  eine  genügende  Reinigung  dieser  Teile  schon  so  wie  so  stattfindet
und  bei  Eiterungen  u.  dgl.  eine  vorherige  Ausspülung  mit  dem  Frrigator
angezeigt  ist,  um  das  Badewasser,  in  welchem  sich  nachher  der  ganze  Körper
befindet,  nicht  durch  Schleim  und  Eiter  zu  verunreinigen.  Der  Badespiegel
kann  bei  ungeschickter  Handhabung  auch  verletzen  oder  geschlechtlich  reizen.
Man  benütze  ihn  also  nicht.

Bakterien.  Das  sind  kleine  Lebewesen,  zur  Pflanzenwel“  gehörend,
die,  dem  freien  Auge  unsichtbar,  dennoch  große  Verbreitung  haben.  Man  versteht
  darunter  hautsächlich  „Spaltpilze“,  welche  Fäulnis  und  Ansteckung
hervorrufen  und  mit  welchen  wir  eigentlich  beständig  im  Kampfe  liegen.
Die  Lehre  von  der  Beschaffenheit  und  Wirkung  der  Bakterien  nennt  man
Bakteriologie;  man  widmete  ihr  in  den  letzten  Jahrzehnten  große  Aufmerksamkeit.
  Die  Namen  Pasteur  und  Koch  sind  allbekannt  geworden,
da  diese  Gelehrten  die  neue  Wissenschaft  wesentlich  förderten.  Die  Annahme,
  daß  bei  der  „Ansteckung“  ein  übertragbarer  Stoff  mitwirke,  hat
sich  durch  die  Entdeckung  der  Bakterien  bestätigt;  durch  zahlreiche  mühevolle
Untersuchungen  ist  es  auch  gelungen,  bei  einzelnen  Krankheiten  immer  eine
ganz  bestimmte  Art  von  Bakterien  vorzufinden,  und  bei  Einimpsung  dieser
auf  gesunde  Tiere  war  man  sogar  imstande,  die  gewollte  Krankheit  zu  erzeugen.
So  hat  man  bei  bösartigen  Eiterungen  im  Eiter,  bei  Cholera  im  Stuhle,
bei  Tuberkulose  im  Auswurf,  bei  Tripper  im  Schleime  usw.  immer  ein=  und
dieselbe  Bakterienart  gefunden  und  hielt  nun  diese  für  die  eigentlichen  Krankheitserzeuger.
  Diese  Anschanung  hat  dazu  geführt,  alle  Krankheitsursachen
nach  außen  zu  verlegen  und  den  Vorgängen  im  Innern  des  Organismus,
welche  zur  Entwicklung  einer  Krankheit  von  allergrößter  Bedeutung  sind,  zu
wenig  Aufmerksamkeit  zu  schenken.