498  Bandwurm.

1  cm  lang;  sie  enthalten  Eier,  aus  welchen  abermals  Finnen  entstehen,  wenn
die  abgestoßenen  Glieder  von  einem  geeigneten  Tiere  verschluckt  werden.

Durch  Rind=  und  Schweinefleisch  gelangen  sie  in  den  menschlichen
Darm.  Daraus  folgt,  daß  Vegetarianer  ihn  nie  bekommen  können.

Der  Bandwurm  kann  viele  Störungen  bereiten:  ungleichen  Stuhlgang,
Üübelkeiten,  Aufstoßen  von  Wasser,  Kopfschmerz,  Heißhunger,  wühlenden  Leibschmerz,
  schlechtes  Anssehen  usp.  Zuweilen  macht  der  Bandwurm  auch  keine
Erscheinungen,  und  nicht  selten  ist  es,  daß  drei  bis  vier  Stück  beherbergt
werden,  ohne  daß  der  Eigentümer  viel  davon  weiß.

Behandlung.  Zauerst:  niemals  rohes  Fleisch  genießen,  damit  kein
Bandwurm  entstehen  kann!  Sind  aber  wiederholt  Bandwurmglieder  abgegangen
  (Fig.  287),  deren  Richtigkeit  ein  Arzt  bestätigte,  dann  zögere  man
nicht,  eine  Bandwurmkur  anzuwenden,  damit  der  Schmarotzer,  der  bei
vielen  zweifellos  auch  nervöse  Störungen  hervorruft,  so  bald  wie  möglich
wieder  hinausgeschafft  wird.  Sie  besteht  in  einer  Diätkur  von  etwa  acht
Tagen,  die  ans  Ziel  führt.  Man  reicht  nur  Rohkost,  vermeidet  kotbildende
Nahrungsstoffe  (mehlige)  und  solche,  die  der  Wurm  „liebt“:  wie  Fleisch  und
Milch,  dagegen  reicht  man  täglich  solche,  die  ihm  unangenehm  sind,  ihn
aufregen  und  „krank“  machen:  das  sind  rohe  Möhren,  Preiselbeeren,  Apfelsinen,
  Salatgurken,  Zwiebel  usw.  Er  verhungert  allmählich,  läßt  die  angesaugte
  Stelle  an  der  Darmschleimhaut  los  und  kann  dann  abgetrieben  werden.
Am  Abend  vor  der  Abtreibung  gibt  man  noch  Heringssalat,  der  ihn  sehr
unruhig  macht,  und  morgens  darauf  läßt  man  einen  abtreibenden  Tee  trinken
oder  Rizinusöl,  oder  man  läßt  Kapseln  mit  Farnkrautextrakt  nehmen.  In
Kapselform  reizt  letzterer  der  Geschmacklosigkeit  wegen  nicht.  Zwei,  höchstens
vier  Stück  sind  meistens  ausreichend.  Ohne  ärztliche  Aufsicht  nehme  man  sie
aber  nicht.  Wenige  Personen  halten  eine  so  ungewohnte  Kost,  wie  oben  angegeben,
acht  Tage  lang  aus;  mehr  erreicht  man  noch,  wenn  man  durch  heiße  Bauchflasche
  (siehe  diese),  Sitzbäder  und  Bauchmassage  die  Sache  etwas
forciert.  Ohne  den  Patienten  krank  zu  machen,  ohne  es  zum  Erbrechen  kommen
zu  lassen,  kann  man  bei  sorgfältiger  Leitung  den  Bandwurm  in  vier  Tagen
auf  diese  Weise  abtreiben.  Entleerungsklystiere  sind  gleich  am  Anfang  nötig;
später  sind  kleine  Milchklystiere,  um  den  Wurm  nach  unten  zu  ziehen,  empfehlenswert.
  Es  wird  durch  solches  Verfahren  die  Abtreibung  weniger  heftig,
weil  die  Vorbereitung  intensiver  gehandhabt  wird.  Oft  sind  Farnkrantkapseln
  gar  nicht  mehr  notwendig,  etwas  Rizinusöl  oder  Tee  treibt  den  Wurm
schon  ab,  nachdem  er  durch  die  Aushungerung  widerstandsunfähig  geworden
ist.  Vor  jenen  brutalen  Bandwurmkuren,  bei  welchen  innerhalb  24  Stunden
durch  reichliches  „Einnehmen“  von  allerlei  starkwirkenden  Mitteln  die  Abtreibung
  erstrebt  wird  und  heftige,  sehr  schwächende  Diarrhöen  auftreten  unter
allgemeinem  starken  Unwohlsein,  sei  entschieden  gewarnt.  Sie  lassen  oft  böse
Reizzustände  zurück,  um  so  mehr,  je  kränklicher  eine  Person  ist.