506  Bergkrankheit  —  Berufskrankheiten.

und  mit  schlechtem  Geschmack,  Appetitlosigkeit  und  Unbehagen  oft  zusammenhängt.
  Mitunter  sind  aber  auch  nur  Hals=  und  Mundkrankheiten  die  Ursache.
Diese  Unterscheidung  ist  also  immer  zuerst  zu  machen.

Behandlung.  Wiederholtes  Abkratzen  der  Zunge  ist  nicht  ratsam;
es  reizt  ihre  feinen  Wärzchen  und  hat  stets  nur  vorübergehenden  Nutzen,
wenn  die  Ursache  fortwirkt.  Man  spüle  aber  zwei-bis  dreistündlich  mit  lauem
Wasser  aus,  nehme  zur  Geschmacksverbesserung  ein  angenehmes  Mundwasser
zu  Hilfe  (Kräuterextrakte)  und  wende  bei  Magenverstimmung  die  Verdauung
  anregende  Mittel  an:  kalte  Magenkompresse  nachts,  schluckweises
Trinken  von  frischem  Wasser;  Tausendguldenkraut-Tee  oder  Pfefferminz-Tee.
Chinesischer  Tee  oder  schwarzer  Kaffee  wirken  oft  in  kleinen  Mengen  sehr
günstig  ein,  ebenso  Wacholderbeeren.

Bergkrankbeit.  Bekanntlich  wird  die  Luft,  die  unseren  Erdball
  umgibt,  immer  dünner,  je  höher  wir  steigen.  Dieser  Umstand  ist  nicht
gleichgültig  für  unseren  Organismus.  Mit  der  Abnahme  des  Sauerstoffgehaltes
  und  des  Luftdruckes  entstehen  Beklemmungsgefühle,  Schwindel,
Ohnmachten,  Blutungen  aus  Ohren  und  Nase  usw.,  und  diesen  Zustand,
der  sich  bald  verliert,  wenn  wir  wieder  in  tiefere  Gegenden  kommen,  nennt
man  Bergkrankheit.

Berufskrankheiten.  Je  schwächlicher  ein  Mensch  von  Geburt  an
ist,  je  unvernünftiger  und  unhygienischer  er  lebt,  desto  leichter  fällt  er  Berufskrankheiten
  zum  Opfer.  Verbergen  lassen  sich  ja  ihre  Gefahren  nicht,  und
die  Ursachen  der  Berufskrankheiten  verlangen  auch  dringend  sorgfältige
Untersuchung.

Zu  Berufskrankheiten  gehören:  jene  der  Atmungsorgane,  die
durch  Einatmen  von  giftigen  Dämpfen,  Rauch  und  Staub  entstehen  (also
ganz  genau  vorauszusagen  sind);  ferner  die  einzelner  Organe,  welche  durch
Überanstrengung  (z.  B.  der  Augen  bei  feinen  Stickereien)  entstanden  und
durch  Einwirkung  hoher  Temperaturen  oder  durch  Vergiftung  mit  mineralischen
  Stoffen  bei  gewissen  Geweben  usw.  sich  entwickeln.  Wie  viele
Frauen  haben  ihre  Augen  durch  nächtliche  Näharbeit  ruiniert!  Wie
viele  Frauen  haben  verkrümmte  Finger,  durch  einförmige  Händearbeit
entstanden!  Wie  viele  haben  sich  unheilbare  Krampfadern,  Gicht  usw.
durch  vieles  Stehen,  Arbeiten  im  Wasser  oder  in  kalten  Räumen  geholt!
In  Färbereien,  in  Phosphorfabriken  sind  unzählige  Vergiftungen  vorgekommen,
  am  Webstuhl  sind  Tausende  der  Schwindsucht  zum  Opfer  gefallen.
Das  sind  alles  „Berufskrankheiten",  die  man  hätte  vermeiden  können,
wenn  man  über  die  Gefahren  der  Arbeiten  besser  aufgeklärt  gewesen  wäre.
Wir  haben  die  Genugtuung,  hier  anfügen  zu  können,  daß  diese  Arbeitsverhältnisse
  in  den  letzten  Jahren  sich  wesentlich  besserten  und  daß  daher
Berufskrankheiten  wirklich  in  Abnahme  begriffen  sind.  Eigentlich  müßte
man  die  ermüdeten  Mütter,  welche  Jugend,  Gesundheit  und  Schönheit  der