Berufswahl.  507

Mutterschaft  opferten,  auch  zu  den  durch  ihren  Beruf  Erkrankten  rechnen;
denn  die  Opfer  der  Kindererzeugung  und  der  Haushaltung  sind  in  weiblichen
Kreisen  sehr  zahlreich,  und  die  Mutterschaft  wird  ja  als  der  Hauptberuf  des
Weibes  angesehen.

Muß  die  Frau  aber  durch  die  Mutterschaft  erkranken?  Keineswegs!
  Auch  früher  hat  manche  Mutter  in  15  Jahren  13  Kinder  geboren
und  war  doch  noch  eine  frohsinnige  Matrone,  während  sie  jetzt  entweder
eine  Ruine  ist  oder,  von  unheilbarer  Krankheit  ergriffen,  ihrem  baldigen
Ende  entgegenwankt.  Ungesunde  Lebensweise  und  Überanstrengung  in  der
täglichen  Sorge  um  so  viele  Köpfe,  endlich  Nahrungssorgen  führen  so
manche  Frau,  die  nie  zur  Ruhe  kommt,  zu  frühzeitiger  Erschöpfung.  Das
sind  auch  „Helden“,  die  auf  ihrer  Arbeitsstatt  infolge  treuer  Pflichterfüllung
fallen.  Wir  wollen  sie  ehren  und  beklagen,  ihren  Nachkommen  aber  eine
andere  Lebensweise  zeigen,  damit  sie  „Sieger“  und  nicht  „Besiegte“  werden!

Berufswahl.  Zur  Elhaltung  unserer  leiblichen  und  seelischen
Gesundheit  ist  auch  eine  richtige  Berufswahl  nötig;  niemand  fühlt  sich
unglücklicher  als  derjenige,  der  sich  nicht  auf  seinem  Platze  sieht,  der  sich
überflüssig  weiß,  oder  der  sich  an  zu  schweren  Aufgaben  abmüht.  Welcher
ist  aber  der  richtige  Beruf?  Derzenige,  der  in  richtigem  Verhältnis  zu
unseren  Kräften  steht,  den  wir  aus  überzeugung,  aus  Neigung  ausüben.
Nur  dieser  bringt  uns  Befriedigung.  In  unserer  Zeit,  in  welcher  auch  an
die  Töchter  immer  entschiedener  die  Frage  herantritt,  in  welcher  Weise  sie
erwerben  oder  sich  anderen  nützlich  machen  sollen,  müssen  wir  die  Berufsfrage
  auch  für  das  weibliche  Geschlecht  mit  allem  Ernste  erwägen.

Bisher  galt  ja  die  Ehe,  die  Mutterschaft,  die  Führung  eines  Haushaltes
  für  den  einzigen  wahren  Beruf  des  Weibes;  je  mehr  sich  aber  die
Fähigkeiten  der  Frauen  durch  eine  umfassendere  Erziehung  heben,  je  mehr
ferner  durch  veränderte  wirtschaftliche  Verhältnisse  die  Erwerbsfrage  für  sie
in  den  Vordergrund  gerückt  wird,  je  häufiger  endlich  Eheschließungen  erschwert
  werden  oder  auch  ganz  unterbleiben,  desto  mehr  Frauen  finden  sich,
die  sich  gedrängt  fühlen,  an  den  großen  und  kleinen  Aufgaben  ihrer  Zeit
mitzuarbeiten,  oder  sich  und  den  Ihrigen  eine  selbständige  Existenz  zu  gründen.
Und  so  sehen  wir  gegenwärtig  sowohl  die  Mutter  und  Gattin  „arbeiten“
wie  die  ehelose  und  als  Weib  unbefriedigt  gebliebene  Frau.  Das  orientalische
  Nichtstun  der  wohlhabenden  Frauen  kommt  immer  mehr  als  ein
tadelnswerter  Zustand  zum  allgemeinen  Bewußtsein,  und  wir  sinden  heute
schon  recht  häufig  reiche  Frauen  sich  mit  ebensoviel  Verständnis  und  Hingebung
  einer  gemeinnützigen  Tätigkeit  widmen,  wie  ihrem  Hause  vorstehen,
und  können  diesen  Wandel  nur  freudig  begrüßen.  Freilich  gibt  es  immer
noch  recht  viele,  welche  bei  einem  oder  zwei  Kindern  und  mehreren  Dienstboten
  ihre  Zeit  mit  Unterhaltung,  Putz  und  Behaglichkeit  sowie  Pflege
ihrer  verwöhnten  und  wenig  leistungsfähigen  Person  hinbringen  und  nie