Bettnässen.  511

Enden  ein.  Um  das  Kratzen  der  Wolldecke  am  Kinn  und  an  den  Wangen
zu  verhüten  und  dieselbe  auch  vor  direkter  Schweißaufnahme  zu  bewahren,
legt  man  ein  weiches  und  weißes  Tuch  am  Halse  ein,  und  dann  beschwert
man  den  fast  unbeweglichen  Patienten  mit  einem  ausgiebigen  Federbett.
Auch  frostige  Personen  werden  unter  demselben  viel  schneller  heiß  als  unter
gewöhnlichen  Wolldecken.

Ist  der  Schweiß  so  weit  ausgebrochen,  daß  Tropfen  auf  der  Stirne
stehen  und  Tropfen  an  den  Seiten  rinnen  und  das  bekannte  Jucken  veranlassen,
  dann  bringt  man  den  Kranken  nach  einer  bis  zwei  Stunden  in
ein  Halbbad  von  etwa  38°  C.,  das  man  durch  Zugießen  von  kaltem  Wasser
langsam  abkühlt,  während  beständiger  Begießung  des  Rückens,  bis  die
übergroße  Röte  des  Gesichtes  weicht.  Je  nach  dem  Zustand  kühlt  man
bis  20°%  C.  oder  tiefer  noch  ab  und  läßt  empfindliche  Personen  darnach  im
Bette  ruhen.

Offene  Fenster  während  des  Schwitzens  sind  notwendig.  Bei  erregbaren
  Personen  gibt  man  auch  eine  kalte  Kopfkompresse  oder  nur
Dreiviertelpackung,  welche  besonders  bei  Herzunruhe  viel  besser  ertragen
  wird.

Bettnässen.  Wenn  während  des  nächtlichen  Schlafes  eine  unwillkürliche
  Entleerung  der  Harnblase  eintritt,  so  spricht  man  von  Bettnässen.
  Es  leiden  an  diesem  sehr  unangenehmen  übel  meist  Kinder  vor  den
Entwicklungsjahren.  Oft  sind  es  schwächliche,  nervöse,  reizbare  Kinder,
die  an  einer  Schwäche  des  Blasenschließmuskels  leiden.  Man  hat  die
verschiedensten  Mittel  und  Kuren  dagegen  angewendet  und  hat  sehr  oft
nichts  damit  erreicht.  Auch  bei  Erwachsenen  tritt  Bettnässen  ein,  wenn
eine  Lähmung  der  Blase  und  des  Beckenbodens  entstanden  ist,  bei  Gewächsen
  als  Druckwirkung,  nach  Operationen  bei  inneren  Verletzungen,  bei
Geisteskranken  usw.

Behandlung.  Vor  allem  sei  bei  Kindern  vor  harten  Strafen  gewarnt,
vor  Schlägen  und  Angst,  die  das  übel  nur  verschlimmern  und  den  Schlaf
des  Kindes  in  nachteiligster  Weise  stören.  Dann  sorge  man  für  Allgemeinkräftigung
  durch  Luftbäder,  milde  Wasseranwendungen,  Gymnastik  und  richtige
Ernährung  nach  ärztlicher  Beobachtung  und  dem  jeweiligen  Zustande  angepaßt.
Nach  Dr.  Stump  ist  die  „Hochlagerung  des  Beckens“  oft  sehr  wirksam,
indem  dadurch  die  vorhandene  Harnmenge  mehr  nach  dem  oberen  Teil  der
Blase  fließt  und  der  Blasenschließmuskel  von  Druck  befreit  wird.  Auch
abendliche  kalte  Kniegüsse  sind  vorteilhaft,  und  sehr  wichtig  ist  es,  die  Kinder
abends  nicht  flüssige  Nahrung  einnehmen  zu  lassen.  Mitunter  spielt  auch
Onanie  mit,  weshalb  unauffällige  Beobachtung  und  Kontrolle  des  Kindes
notwendig  ist.  Bei  allen  diesen  Vorsichtsmaßregeln  muß  man  das  Kind  zwei
bis  drei  Stunden  nach  dem  Einschlafen  erwecken  und  die  Blase  willkürlich
entleeren  lassen,  damit  gar  kein  Druck  durch  ihre  Füllung  entstehen  kann.