Bewegung  —  Bewußtlosigkeit.  515

Zweifellos  würde  umsichtige  Wasserbehandlung  und  schon  vorher  eingehaltene,
vorbengende  Diät  noch  manches  Leben  retten.

Bewegung.  Im  I.  Teil,  fünftes  Kapitel,  haben  wir  über
Bewegung  und  Ruhe  das  Michtigste  gegeben.  Bewegung  ist  Leben,  anhaltende
  Ruhe  beginnender  Tod,  daher  die  Beweglichkeit  der  Kinder
und  die  Ruhe  und  Steifheit  des  Alters,  des  „abnehmenden  Lebens“.  Zu
viel  Ruhe  im  kräftigen  Lebensalter  wird  die  Quelle  von  Krankheiten;  zu
viel  Bewegung  ohne  die  nötige  Ruhe  führt  zu  Erschöpfungszuständen  und
frühem  Tod.

Bewut#tloligkeit.  Damit  bezeichnet  man  einen  eigentümlichen  Zustand
  des  Gehirns,  in  welchem  man  Reize  und  Einwirkungen  der  Außenwelt
nicht  empfindet,  der  Blutlauf  und  die  Atmung  aber  nicht  vollständig  unterbrochen
  sind.  Er  tritt  ein  unter  dem  Einfluß  gewisser  Gifte,  wie  des  Alkohols,
  des  Chloroforms,  bei  Anhäufung  der  Kohlensäure  im  Blute  usw.,  bei
Erschütterungen  des  Gehirns,  bei  Blutüberfüllung  oder  Blutleere  des  Gehirns,
bei  Krämpfen  usw.

Über  solche  Veranlassungen  muß  man  sich  zuerst  klar  sein,  bevor  man
helfend  eingreifen  kann.  Man  betrachtet  das  Gesicht  des  Kranken,  um  festzustellen,
  ob  es  sehr  gerötet  oder  sehr  blaß  oder  bläulich  ist.  Der  Schädel
ist  entweder  blutüberfüllt,  blutleer  oder  es  ist  zu  viel  Kohlensäure  im  Blute
vorhanden.  Auch  der  Geruch  aus  dem  Munde  ist  zu  kontrollieren,  um
Alkoholwirkung  (Berauschung)  zu  konstatieren  oder  auszuschließen.

Schlaf  und  Ohnmacht  sind  verwandte  Zustände.

Behandlung.  Bei  Typhus  und  ähnlichen  schweren  Krankheiten  wird
die  Bewußtlosigkeit  nur  als  Folgeerscheinung  betrachtet  und  nicht  gesondert
bekämpft.  Wo  übermäßiger  Blutdruck  vorhanden,  also  Blutüberfülle  des  Gehirns,
  wendet  man  Ableitung  und  Wärmeentziehung  an,  also  Dampfpackungen
der  Beine,  kalte  Kniegüsse,  kalten  Leibaufschlag,  auch  Halbbäder  mit  kühleren
Rückengüssen,  die  vortrefflich  wirken  und  das  Blut  an  die  Haut  eiehen,
ferner  kühle  Klystiere,  Darmentleerung  und  Hochlagerung  des  Kopfes.  Bei
blutleerem  Kopf  dagegen  lagert  man  ihn  tiefer,  um  mehr  Blut  einfließen  zu
lassen,  massiert  Arme  und  Rücken  kräftig,  um  die  Zirkulation  anzuregen,
macht  auch  eine  feuchtwarme  Kopfpackung,  um  Blut  dahin  zu  ziehen,  sucht
die  Herztätigkeit  zu  heben  und  wärmt  die  Füße.  Beseitigung  jedweden
Kleiderdruckes,  weit  geöffnete  Feuster  sind  zur  Herstellung  eines  normalen
Zustandes  unerläßlich.  Bei  bläulicher  Gesichtsfärbung,  hartem,  zögerndem
Puls  ist  ein  Aderlaß  oft  das  einzige  Rettungsmittel;  es  kehrt  nach  demselben
  oft  nach  wenigen  Minnten  schon  tiefe  Atmung  wieder  ein,  dem  dann
Rückkehr  des  Bewußtseins  folgt.

Wie  gesagt,  ist  bei  allem,  was  man  tut  oder  vom  Arzte  vornehmen
läßt,  sorgfältige  Berücksichtigung  des  ursächlichen  Zustandes  notwendig,

da  sich  darnach  die  Anwendungen  wesentlich  ändern.  r3.