Blähsucht.  519

seiner  Entstehung  ist  man  sich  noch  nicht  klar;  die  landläufigen  Erklärungen
hinsichtlich  der  Beschaffenheit  des  Wassers  usw.  sind  noch  nicht  bewiesen.
Sicher  ist,  daß  gewisse  Gegenden  sehr  geneigt  dazu  machen,  auch  daß  er
erblich  ist.  Vom  weiblichen  Geschlecht  ist  er  besonders  gefürchtet,  da  er  sehr
verunstaltet.

Behandlung.  Diese  ist  auf  ganz  verschiedene  Weise  zu  versuchen.
Die  Allopathie  macht  Jodeinreibungen,  die  nichts  oder  sehr  wenig  helfen,
aber  die  Gefahr  der  Jodvergiftung  stets  mit  sich  führen;  dann  beseitigt  sie
die  ganze  Geschwulst,  sobald  sie  lebensgefährlich  wird,  durch  Operation.
Dabei  hat  man  aber  oft  sehr  Trauriges  erlebt,  indem  die  Operierten  darnach
an  Herzschwäche  zugrunde  gingen  oder  geistige  Schwäche  sich  in  bedenklichem
Grade  einstellte.  Man  läßt  seither  immer  ein  Stück  des  Drüsengewebes
zurück,  weil  man  hofft,  dadurch  dem  Verfalle  vorbeugen  zu  können.

Bei  Blähhals  der  jungen  Mädchen  mache  man  am  Halse  nichts,  sondern
wende  nur  Ableitung  und  allgemeine  Kräftigung  an,  ferner  sind  Atemgymnastik
und  Vermeidung  jeglichen  Druckes  am  Halse  wesentlich.  Bei  älteren  Personen
und  ausgesprochenem  Kropf  sind  einmal  Halsmassage,  Wechselgüsse  auf  den
Hals,  z.  B.  40%  und  15%  C.,  Fußdampfbäder  wirksam,  ein  andermal  heiße
Breiaufschläge.  Nach  wochenlanger  geduldiger  Behandlung  sah  man  weiche
Kröpfe  aufspringen  und  darnach  eine  gallertartige  Masse  (dürfen  eher  geschnitten
  werden!)  entleeren,  so  daß  der  Halsumfang  sich  bedeutend  verminderte
und  jegliche  Erstickungsgefahr  schwand.  Bei  vielen  Frauen  hängt  das  Anschwellen
des  Kropfes  mit  der  Menstruation  zusammen  und  wird  dann  sehr  lästig.  Da
hat  man  es  also  mit  Reflexerscheinungen  und  mit  Zirkulationsstörungen  zu  tun,
und  Uterusmassage  ist  angezeigt.  Bei  kleinen,  nach  innen  wachsenden  Kröpfen
treten  zuweilen  plötzlich  nachts  im  Schlafe  höchst  beängstigende  Erstickungsanfälle
  auf,  bei  welchen  schon  mancher  besinnungslos  wurde.  Da  heißt  es
rasch  zugreifen:  Fenster  auf,  den  Kranken  erheben,  in  ein  heißes  Sitzbad
bringen  von  34°  R.  (oder  42°%  C.)  und  auf  den  Kropf  zusammenziehende  sehr
kalte  Aufschläge  machen.  Auch  muß  vorgebeugt  werden,  damit  sich  solche
Anfälle  nicht  mehr  wiederholen,  indem  man  für  tägliche  Darmentleerungen
sorgt,  für  warme  Füße,  Bewegung  im  Freien  und  Atemübungen.  Alkohol
und  Kaffee  sind  strenge  zu  meiden,  Obst  und  Gemüse  reichlich  zu  genießen.

Nur  wenn  wirklich  alles  nichts  hilft,  die  Erstickungsgefahr  sich  sieigert,
dann  entschließe  man  sich  zum  letzten,  zur  operativen  Beseitigung.  Sie  entfernt
wenigstens  die  Atemnot.  Bei  richtiger  und  rechtzeitiger  Ausführung  unserer
Anwendungen  werden  solche  traurige  Fälle  aber  selten  eintreten.

Bläbsucht.  (Windsucht.)  Wenn  angesammelte  Speisemengen  sich
zersetzen  und  in  Gärung  geraten,  dann  entwickeln  sich  große  Gasmengen  im
Darme,  welche  ihn  aufblähen  und  auch  heftige,  stechende  Schmerzen  verursachen.
Nervenschwache  Menschen,  Darmkranke  und  solche,  welche  zu  viel  sitzen,  leiden
an  Darmträgheit,  infolge  welcher  die  Verdauung  stockt.  Dadurch  wird  die